Pandemie

Berliner Grüne: Mehr Corona-Schnelltests für Schulen

| Lesedauer: 6 Minuten
Joachim Fahrun und Susanne Leinemann

Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto / Fleig / Eibner-Pressefoto

Vor dem Schulstart verlangen die Berliner Grünen in Sachen Unterricht klare Perspektiven für die kommenden Wochen.

Berlin. Die Berliner Grünen fordern dringend Klarheit, wie es mit dem Unterricht für die 365.000 Schüler an Berlins fast 800 allgemeinbildenden Schulen weitergehen soll. „Wir brauchen eine längerfristige Perspektive für die nächsten Wochen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel am Sonntag der Morgenpost.

Sie verlangte, an den Schulen mit flächendeckenden Schnelltests zunächst für Lehrkräfte und später auch für Schüler mehr Sicherheit gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu schaffen. „Das sagen wir schon seit drei Monaten“, so Gebel: „Wir sollten technische Hilfsmittel einsetzen, bis alle durchgeimpft sind.“

Die Elterninitiative „Familien in der Krise“ unterstützt diese Position. „Sowohl zu Schulöffnungen als auch bei hohem Infektionsgeschehen in der Umgebung sollten Antigen-Schnelltests in einem Screeningverfahren eingesetzt werden, um Infektionen frühzeitig aufzuspüren und eine Eintragung in Schulen zu verhindern“, heißt es in einem Positionspapier. Wünschenswert sei auch eine regelmäßige Testung in allen Kitas und Schulen, zunächst der Lehrkräfte und Erzieherinnen, im zweiten Schritt möglichst bei älteren Schülern.

Lehrer sollen sich selbst auf das Coronavirus testen

Ein Sprecher der Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte, es sei bereits entschieden, dass sich Lehrkräfte selbst auf das Virus testen sollen. "Das würde Entlastung an den Schulen schaffen." Es würden intensive Gespräche darüber geführt, wie man die Schulung für die Lehrkräfte organisieren könne. Der Bundesgesundheitsminister habe den Selbsttest für Lehrer zwar erlaubt, dennoch müssten dabei natürlich Standards eingehalten werden, damit es nicht zu fehlerhaften Ergebnissen komme.

Corona in Berlin, Deutschland und der Welt - mehr zum Thema

Forderung nach Verschiebung der Winterferien im Februar

Die Grünen wollen zudem diskutieren, wie Berlin mit den Winterferien in der ersten Februarwoche umgehen will. Womöglich sollte man diese Ferien verschieben, so Gebel. Sie sei skeptisch, ob es Sinn mache, den Hybridunterricht und Wechsel-Modelle ab dem 18. Januar hochzufahren und dann wieder zu unterbrechen, sagte die Grünen-Fraktionschefin. Die Kultusminister der Länder werden an diesem Montag über den Umgang mit den Schulen beraten. Einen Tag später wollen die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin entscheiden, wie es mit dem allgemeinen Lockdown weitergehen soll.

Für viele Berliner Schülerinnen und Schüler geht der Unterricht nach den Weihnachtsferien an diesem Montag mit einer Videokonferenz los. Solche digitalen Treffen mit den Lehrkräften sind wesentliche Elemente des schulisch angeleiteten Lernens zu Hause (saLzH), das bis auf Weiteres den Präsenzunterricht ersetzen soll.

Wohl kein Präsenzunterricht in Berlin vor dem 18. Januar

In Berlin ist nach Einschätzung aus Senatskreisen nicht damit zu rechnen, dass Kinder und Jugendliche vor dem 18. Januar ihre Schulen von innen sehen werden. Es mache keinen Sinn, den allgemeinen Lockdown wie allseits erwartet über den 10. Januar hinaus zu verlängern und gleichzeitig die Schulen wieder zu öffnen hieß es. Denn es könnte sein, dass man wegen der nach den Feiertagen verstärkt eintreffenden Infektionsmeldungen steigende Zahlen bekomme und dann wieder über eine erneute Schulschließung diskutiert werde. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte schon vor dem Jahreswechsel gesagt, der normale Unterricht könne nicht vor dem 18. Januar beginnen.

Kitas bieten eine Notbetreuung an

Die Kindertagesstätten öffnen anders als die Schulen jedoch für die Kinder jener Eltern, die auf Betreuung angewiesen sind. Die Senatsverwaltung hatte schon beim Start des zweiten Lockdowns vor Weihnachten darauf verzichtet, den Einrichtungen eindeutig die Berufsgruppen vorzuschreiben, die ein Recht auf Notbetreuung hätten. Stattdessen sollten die Kitas mit den Eltern individuelle Lösungen je nach Lage finden.

Mehr als 20.000 neue Tablets für die Schulen

Für das Lernen zu Hause sind Tausende Berliner Kinder und Jugendliche inzwischen besser ausgerüstet als während der ersten Welle der Corona-Pandemie. Die Senatsbildungsverwaltung hat im Dezember 2020 nach eigenen Angaben 20.800 neue Tablets an Schulen ausgeliefert, damit sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler gut am schulisch angeleiteten Lernen zu Hause teilnehmen können.

Bereits vor den Sommerferien hatte die Behörde 9.500 digitale Endgeräte verteilt. Weitere 20.000 iPads sowie weitere 790 Surface Tablets werden ab diesem Montag an die Schulen ausgegeben. Die 50.000 Geräte kommen vor allem Kindern aus armen Familien zugute, die auch andere Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz erhalten, etwa Zuschüsse für Schulausflüge.

„Lernraum Berlin“ steht ab Montag wieder zur Verfügung

Die Vorbereitung für den digitalen Unterricht wurde vielen Lehrkräften jedoch erschwert. Der „Lernraum Berlin“, die digitale Lernplattform der Senatsbildungsverwaltung, wurde am Sonntag ab 14 Uhr in den „Wartungsmodus“ geschaltet und war für Vorbereitungen nicht mehr zugänglich. Lehrkräfte mussten ihre Unterrichtsvorbereitung bis dahin abgeschlossen haben.

Der Lernraum sollte aber an diesem Montag ab sieben Uhr morgens voll funktionstüchtig zur Verfügung stehen, hieß es auf der Seite des Lernraums. Manche Pädagogen, die am Sonntag noch im Lernraum arbeiten wollten, kommentierten das bei Twitter kritisch.

Die offizielle Elternvertretung im Landeselternausschuss (LEA) spricht sich bei den weiterführenden Schulen für verkleinerte Lerngruppen im Wechsel mit 50 Prozent Präsenz und 50 Prozent schulisch angeleitetem Lernen zu Hause aus. Es solle also im Wechsel A und B-Tage oder -Wochen geben. Für Grundschulen heiße das täglich drei Stunden Unterricht und zweieinhalb Stunden Betreuung für alle Schüler. Eine Gruppe habe vormittags und die andere Gruppe nachmittags Unterricht. Einstimmig sei der Beschluss aber nicht gewesen, unter den Elternvertretern gebe es auch andere Meinungen, so der LEA.