Betrugsmasche

Kopf der falschen Polizisten in der Türkei gefasst

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Trickbetrug am Telefon (Symbolbild).

Trickbetrug am Telefon (Symbolbild).

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Falsche Polizisten brachten zahlreiche Rentner in Berlin um ihre Ersparnisse. Nun wurde der Kopf einer Bande in der Türkei verhaftet.

Berlin. Sie sollen als falsche Polizisten Tausende Rentner in Deutschland um ihre Ersparnisse betrogen haben. Nun wurde Amar S., der mutmaßliche Kopf einer Bande, in der Türkei gefasst. Das berichtet der "Spiegel". Die Spur der Ermittler führt dabei immer wieder nach Bremen und von dort in die Türkei.

Wie das Nachrichtenmagazin berichtet, soll Amar S. in Izmir ein Callcenter eröffnet haben, für das er deutschsprachige Helfer angeheuert haben soll. Die Masche: In Online-Telefonbüchern und anderen Datenbanken sammelten sie Telefonnummern, deren Besitzer altmodisch klingende Namen haben. In Telefonaten gaben sich die Betrüger unter 030-110 als Polizisten aus und warnten vor Einbrechern, die angeblich in der Nachbarschaft aktiv seien.

Die Betrüger forderten die ahnungslosen Rentner auf, ihre Ersparnisse in Sicherheit zu bringen und der "Polizei" zu übergeben, was wiederum Mittelsmänner der Betrüger aus der Türkei waren.

Falsche Polizisten: Immer wieder fallen auch Berliner Rentner auf den Betrug rein

Die Betrugsmasche, sagen Ermittler, ist hinlänglich bekannt. Es gibt unzählige Berichte in Zeitungen und Fernsehsendern. Trotzdem würden Rentner immer wieder auf die Betrüger hereinfallen. Dabei betonten Präventionsbeamte, dass die Polizei niemals unter der 110 anrufen würde. "Wirklich niemals", sagte ein Beamter der Berliner Morgenpost.

Erst kürzlich waren Ermittler aus Berlin und Köln einer Bande auf die Spur gekommen, die über eine angebliche Telefonnummer Dutzende Senioren betrogen hatte. Auch diese Spur führte die Ermittler über Bremen in die Türkei und dort zu Callcentern, die extra für die Betrugsmaschen hochgezogen wurden.

Die Berliner verhafteten Anfang Dezember zwei deutsche Staatsbürger. Die beiden Männer im Alter von 58 und 40 Jahren sollen als „Logistiker“ der Bande von Bremen aus die „Abholer“ und „Transporteure“ der Beute rekrutiert und den Transport in die Türkei organisiert oder selbst vorgenommen haben, so der Vorwurf.

In einem Fall war ein 74-jähriger Mann in Berlin-Neukölln telefonisch von einem falschen Polizisten vor einem Einbruch in seine Wohnung gewarnt und aufgefordert worden, seine Wertsachen zur Sicherung vor der Haustür abzulegen. Bei der Verfolgung des Transports der Beute nach Bremen konnten die beiden Verdächtigen schließlich festgenommen werden.

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Ermittler gehen von Hunderten Millionen Euro Schaden aus

Dass die Spur nun wieder nach Bremen und von dort in die Türkei führt, lässt die Ermittler aufhorchen. Laut Spiegel geht die Polizei bundesweit von mehreren Hundert Millionen Euro Schaden aus. Der nun festgenommene Amar S. ist nicht der einzige Callcenter-Betreiber in der Türkei. Er habe, so zitiert das Nachrichtenmagazin einen Ermittler, aber das System perfektioniert.

Mit dem Vermögen deutscher Rentner soll sich Amar S. in der Türkei ein Imperium aus Immobilien und Hotels aufgebaut haben. Ein Hotel soll er dabei nach sich selbst benannt haben: "Amare". Dabei führte die Bremer Polizei gegen ihn mehr als 150 Ermittlungsverfahren. Bei einer Verhandlung wegen schweren Bandendiebstahls konnte er kurz vor der Urteilsverkündung aber aus seiner Zelle fliehen und sich in die Türkei absetzen.

Bei der Festnahme stellten die Ermittler nun fünf Kilogramm Gold sicher, dazu 1,5 Millionen Euro Bargeld, Schusswaffen und teuren Schmuck. Das beschlagnahmte Vermögen soll sich laut Spiegel auf 105 Millionen Euro belaufen.

Zum Verhängnis wurde der Bande offenbar ihre Freizügigkeit im Internet und die enge Zusammenarbeit der deutschen und türkischen Behörden. Im Internet präsentierten sich die mutmaßlichen Betrüger teilweise unter ihren Klarnamen in ihren teuren Autos und Apartments. Im Hintergrund ermittelten da schon längst die Behörden.

Wie der Spiegel weiter berichtet, sammelte die Münchner Sonderkommission "Phänomene" in ganz Deutschland Erkenntnisse anderer Polizeibehörden zusammen. Über den türkischen Generalskonsul in München und die Botschaft in Berlin kam dann der direkte Kontakt mit der Polizei in Izmir zustande, die S. letztlich festnahm und in U-Haft brachte.