Kriminalität

Durchsuchung bei mutmaßlichem Islamisten in Marzahn

| Lesedauer: 2 Minuten
Ulrich Kraetzer und Alexander Dinger
190 Beamte sind in Marzahn bei einer Razzia im Einsatz.

190 Beamte sind in Marzahn bei einer Razzia im Einsatz.

Der Syrer soll über eine Sprengstoffattacke gesprochen haben. Der Verdacht bestätigte sich allerdings nicht.

Berlin. Die Polizei hat nach einem Hinweis auf einen möglichen Anschlagsplan am Dienstagmorgen mit mehr als 190 Beamten die Wohnung eines mutmaßlichen Islamisten an der Eisenacher Straße in Marzahn durchsucht. Der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt, teilte die Staatsanwaltschaft nach der Durchsuchung mit. Die Maßnahme richtete sich den Angaben zufolge gegen einen 15 Jahre alten Syrer. Aus dem Umfeld der Sicherheitsbehörden hieß es, er sei nicht als islamistischer Gefährder eingestuft gewesen, habe aber Sympathien für die islamistische Szene gezeigt.

Grund für die Durchsuchung war laut Polizei und Staatsanwaltschaft ein "glaubwürdiger Hinweis" von Montagabend. Der Verdächtige habe in einem Chatverkehr die Bereitschaft geäußert, in Marzahn einen Sprengstoffanschlag "aus islamistischer Motivation" zu verüben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Tat habe dem Hinweis zufolge "unmittelbar" bevor gestanden. Im Umfeld der Sicherheitsbehörden hieß es, das Ziel des angeblich geplanten Anschlags sei eine "Einrichtung der öffentlichen Infrastruktur" gewesen. Die Statsanwaltschaft Berlin teilte am Nachmittag auf Twitter mit, dass die Pläne sich auf den öffentlichen Personennahverkehr bezogen haben sollen.

Bei der Durchsuchung traf die Polizei den 15-Jährigen den Angaben zufolge an. Sprengstoff, Spuren davon oder Hinweise darauf seien aber nicht gefunden worden. Die Auswertung dreier sichergestellter Handys, sowie eines Notebooks dauerten ebenso an wie die Ermittlungen zu den Hintergründen der Äußerung der Verdächtigen.

Ermittler entschieden sich für sofortigen Zugriff

Die Ermittler des Landeskriminalamtes hätten die Nacht durchgearbeitet, hieß es im Umfeld der Behörde. In Absprache mit Polizeiführung und Staatsanwaltschaft hätten sie sich aufgrund des vermeintlich unmittelbar bevorstehenden Anschlags gegen eine längerfristige Observation, sondern sicherheitshalber für den sofortigen Zugriff entschieden.

Der Vorsitzende der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Cioma, sagte es sei richtig, beim „geringsten Verdacht“ auf terroristische Straftaten kein Risiko einzugehen und schnell zu handeln. Berlin stehe als Metropole nach wie vor im Fokus des internationalen Terrorismus. „Wir haben bekanntermaßen eine Menge Leute in der Stadt, denen man eine schwere staatsgefährdende Straftat zutraut“, sagte Cioma.

"Anhaltend hohe Gefährdungslage" in Berlin

Der Staatssekretär der Innenverwaltung, Torsten Akmann, hatte im Ausschuss zum Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 erst kürzlich gesagt, dass es in Berlin wieder zu einem Terroranschlag kommen könne. Es gebe eine „anhaltend hohe Gefährdungslage“. Im Fokus stünden vor allem radikalisierte Einzeltäter. Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik stellten zur Bekämpfung des islamistischen Terrorismus erst vor wenigen Tagen ein Vier-Säulen-Konzept“ vor.