Bahnnetz

Spatenstich für Heidekrautbahn: Neue Bahnstrecke für Berlin

Für den Wiederaufbau der Heidekrautbahn ist der erste Spatenstich erfolgt. Ab 2023 sollen die Züge wieder rollen.

Von Wandlitz aus fahren die Züge der Heidekrautbahn künftig auch wieder nach Wilhelmsruh (Archiv).

Von Wandlitz aus fahren die Züge der Heidekrautbahn künftig auch wieder nach Wilhelmsruh (Archiv).

Foto: Patrick Pleul / picture-alliance/ ZB

Berlin. 30 Jahre nach Wiedervereinigung wird für Pendler eine Lücke im Bahnnetz geschlossen. Am Freitag erfolgte am Bahnhof Wilhelmsruh in Pankow der Spatenstich für den Wiederaufbau der Stammstrecke der Heidekrautbahn. Zum ersten Mal nach vielen Jahren ist der Startschuss für eine neue Regionalbahnstrecke in der Hauptstadtregion gefallen. Ab Dezember 2023 sollen auf der historischen Strecke zwischen Wilhelmsruh und Schönwalde wieder Personenzüge rollen.

Der Baubeginn habe für den ÖPNV eine Bedeutung, „die man gar nicht hoch genug einschätzen kann“, sagte Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) in einer Rede. „Wo lange wenig passiert ist, rollen bald wieder die Züge. Nicht nur Pankow und Reinickendorf sind besser angebunden, sondern auch das Märkische Viertel mit rund 70.000 Menschen.“

Die Verkehrssenatorin bezeichnete den Startschuss in Wilhelmsruh auch deshalb als enorm wichtig, weil damit erstmals im Rahmen des Schieneninfrastrukturprojekts i2030 tatsächlich die Bagger rollen werden. „Heute kommen wir zum ersten Mal von der Planungsphase in die Bauphase“, sagte Günther. „Es ist wichtig, dass wir endlich zeigen, dass wir etwas bewegen.“

Heidekrautbahn: 1091 wurde sie in Betrieb genommen

Die historische Verbindung der Heidekrautbahn wurde bereits 1901 zu Zeiten des Deutschen Kaiserreichs entlang der Route Wilhelmsruh-Schönwalde in Betrieb genommen. Mit dem Mauerbau kam dann 1961 das Ende. Weil der Abschnitt zwischen Wilhelmsruh und dem Gewerbegebiet „PankowPark“ an der innerstädtischen Grenze lag, ließ die DDR-Führung die Gleise auf diesem gut einen Kilometer langen Teilstück abbauen. Der Verkehr auf dem restlichen, 12,7 Kilometer langen Streckenarm wurde eingestellt. Nur Güterzüge zum Werk des Bahnherstellers Stadler Pankow und wenige Traditionsfahrten rollen noch über die in die Jahre gekommenen Gleise. Stattdessen fährt die Heidekrautbahn seither auf einer Alternativstrecke über Karow – aktuell wie auch künftig als Linie RB27 im Halbstundentakt.

Mit dem jetzigen Baubeginn wird zunächst am Bahnhof Wilhelmsruh ein neuer Bahnsteig für den Regionalbahnverkehr gebaut und danach das fehlende, rund 1,4 Kilometer lange Stück Gleis neu errichtet. Dann findet eine Sanierung der noch bestehenden Schienenverbindung auf dem Abschnitt statt. Entlang dieser Strecke entstehen sieben Haltestellen, an denen ab 2023 im Stundentakt Züge der NEB-Betriebsgesellschaft, Tochter der Niederbarnimer Eisenbahn-AG (NEB) stoppen sollen. Das Fahrgastaufkommen der Heidekrautbahn soll damit von derzeit 4100 auf 6500 Personen am Tag steigen.

Erwartet werden Baukosten von rund 20 Millionen Euro. Da das Gleis nicht elektrifiziert ist, sollen auf der Strecke moderne Wasserstoffzüge zum Einsatz kommen. Bauherrin des Projekts ist die NEB, der die Bahninfrastruktur entlang der Strecke gehört. Laut des Vorstandsvorsitzende Detlef Bröcker geht es darum, eine bessere Verbindungen für den wachsenden Raum Oberhavel anzubieten und eine zweite Strecke für den Barnim zu schaffen.

Heidekrautbahn: Züge sollen bis Gesundbrunnen fahren

Wie langwierig sich das Projekt gestaltet, beschrieb Alexander Kaczmarek, Bevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin und Brandenburg. Noch als CDU-Landespolitiker im Berliner Abgeordnetenhaus habe er 1996 den Antrag zum Wiederaufbau der Strecke eingebracht. „Es wurde dann geprüft – und nur 24 Jahre später haben wir jetzt den Spatenstich“, sagte Kaczmarek mit einem leicht bitteren Lachen.

Die Reaktivierung der eingleisigen Strecke bildet nur einen Teil der Pläne rund um die Heidekrautbahn. „Wir wollen, dass die Züge der Heidekrautbahn bis zum Bahnhof Gesundbrunnen fahren“, sagte Kaczmarek. Die Deutsche Bahn prüft dazu eine weitere Verlängerung der Strecke über den Damm der Nordbahn. Damit soll die Verbindung noch näher ans Berliner Zentrum heranführen. Wann es soweit sein wird, ist derzeit jedoch noch offen.