Prozess

Berliner Familie betrieb Drogenhandel: Ehemann gesteht

Familienunternehmen der anderen Art: Ein Seniorenpaar verkaufte Drogen in seiner Kreuzberger Wohnung. Vor Gericht gab der Ehemann alles zu.

Berlin. Weil er sich an Drogengeschäften seiner Ehefrau beteiligt haben soll, steht ein 66-Jähriger vor dem Berliner Landgericht. Er habe in wenigen Fällen ausgeholfen und aus der gemeinsamen Wohnung im Stadtteil Kreuzberg heraus Rauschgift an Freunde und Bekannte verkauft, erklärte der Mann am Donnerstag zu Prozessbeginn. „Meine Frau teilte mir mit, wer vorbeikommen würde und was ich zu verlangen hätte“, sagte der Rentner. Er habe den Drogenhandel seiner Frau geduldet und ab und zu dabei geholfen. „Ich habe einen großen Fehler gemacht.“

Die Polizei hatte im August 2019 in der Wohnung der Eheleute rund 38 Kilogramm Marihuana in zehn spanischen Kartoffelchips-Kartons sichergestellt. Die Drogen hätten andere Drogenhändler geschmuggelt und in der Wohnung zwischengelagert, hieß es im jetzigen Prozess. Zudem seien fast 4000 Ecstasy-Tabletten, rund drei Kilogramm Haschisch und mehr als 100 Gramm Kokain sichergestellt worden.

Die Ehefrau des Angeklagten ist in einem früheren Prozess bereits zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Mitangeklagt in der ersten Verhandlung im Frühjahr 2020 war auch ihr Sohn, der zwei Jahre und drei Monate Haft erhielt. Die damals 58-jährige Frau hatte in ihrem Geständnis zu den zehn Kartons erklärt, sie habe sich „breitschlagen lassen“ und ohne Gegenleistung eine Zwischenlagerung gestattet. Der Prozess gegen den Ehemann wegen Beihilfe zum Drogenhandel wird am 10. Dezember fortgesetzt.