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Tesla: Elon Musk schläft in seiner Fabrik statt im Adlon

Elon Musk hat Berlin besucht. Auf seiner Hauptstadt-Visite plauderte der Tesla-Chef über Grünheide, Sparsamkeit und seine Beisetzung.

Die Erfolgsgeschichte von Elon Musk

Er ist eine der reichsten Menschen der Welt mit über 80 Milliarden US-Dollar und wird als "Da Vinci des 21. Jahrhunderts" gefeiert. Das ist die Geschichte von Elon Musk.

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Berlin.  Eine Nacht im Berliner Luxushotel Adlon verbringen: Die Chance würden sich viele wahrscheinlich nicht entgehen lassen. Außer man heißt Elon Musk – dann verbringt man die Nacht lieber freiwillig im schnöden Konferenzraum einer noch unfertigen Fabrik in Grünheide vor den Toren Berlins. Dass er in der Nacht zu Mittwoch lieber in den Tesla-Fabrikräumen statt im Adlon am Pariser Platz nächtigen würde, verriet der Tesla-Chef bei einer Preisverleihung am Dienstagabend in Berlin.

„Das gibt mir ein ganz gutes Gefühl davon, was so vor sich geht“, erklärte der Starunternehmer. Im Juli 2021 soll die Fabrik des Elektroauto-Herstellers Tesla in Grünheide bei Berlin ihre Tore öffnen. Dann plant der Firmengründer nicht nur eine große Party, wie er am Dienstag erzählte. Sondern dann will Tesla-Chef Elon Musk, der sich bisher selten in Berlin blicken ließ, auch mehr in der Hauptstadt verbringen, versprach der 49-jährige.

Günstiger Wohnraum gab Ausschlag für Teslas Standortwahl bei Berlin

Mit dem Autobauer hat Musk an der Spree viel vor. Vom kommenden Sommer an will Tesla in dem Grünheider Werk bis zu 500.000 Elektroautos pro Jahr fertigen. Doch nicht nur fertige Fahrzeuge sollen hier vom Band rollen. Vor kurzem stellte Musk in Aussicht, dass auf dem Fabrikgelände bald auch die größte Batteriefertigung der Welt entstehen könnte.

Tesla im beschaulichen Grünheide : Die Standortwahl hat viele zunächst überrascht. Am Dienstag gab Firmenchef Musk zumindest etwas Einblick, was den Ausschlag gegeben hat, das europäische Werk in Grünheide zu errichten. Zu Entscheidung beigetragen habe unter anderem der relativ erschwingliche Wohnraum in der Region, sagte Musk. Insgesamt sollen bald 12.000 Beschäftigte in der Fabrik arbeiten.

Musk verspricht deutschen Autobauern „keinen feindlichen Übernahmeversuch“

Elon Musk verkündete, dass er Tesla keinesfalls als Gegenspieler zu den renommierten deutschen Autobauern sieht. Vielmehr zeigte er sich offen für einen Zusammenschluss von Tesla mit traditionsreichen Herstellern aus der Branche. „Wir werden definitiv keinen feindlichen Übernahmeversuch starten“, betonte er. Aber wenn ein Konkurrent finden sollte, „dass es eine gute Idee wäre, mit Tesla zu fusionieren“, werde man darüber reden.

Der weltweite Trend geht in Richtung Elektromobilität . Dadurch ist Tesla zum mit Abstand wertvollsten Autobauer der Welt geworden. Marktwert: Rund 550 Milliarden Dollar. Viel Spielraum also für den Firmenchef, um Tesla-Aktien als Akquisitionswährung zu nutzen. Zum Vergleich: Die großen deutschen Automobilkonzerne spielen mit Blick auf den Börsenwert eine Liga darunter. Volkswagen ist derzeit rund 78 Milliarden Euro wert, Daimler gut 60 Milliarden Euro und BMW rund 44,5 Milliarden Euro.

Trotz Börsenvorsprung: Firmenchef Musk ruft zur Sparsamkeit auf

Für Musk ist Teslas Vorsprung auf dem Börsenparkett offenbar dennoch kein Grund, das Geld mit vollen Händen auszugeben. Vor dem Berlin-Besuch des US-Unternehmers gelangte eine E-Mail in die Öffentlichkeit. Darin ruft der Tesla-Chef seine Mitarbeiter – auch mit Blick auf den Aktienkurs – zu Sparsamkeit auf. Musk wies unter anderem darauf hin, dass Tesla derzeit seine üppigen Gewinne auch durch den Verkauf von CO2-Emissionsrechten aufbessere. Das eigentliche Kerngeschäft dagegen bringe wenig Geld ein.

„Die Anleger geben uns einen Vorschuss auf künftige Profitabilität. Aber wenn sie beschließen sollten, dass es nicht dazu kommt, wird unsere Aktie sofort zerquetscht – wie ein Soufflé von einem Vorschlaghammer“, zitierte der Finanzdienst Bloomberg aus der E-Mail von Musk.

Um die Tesla-Fahrzeuge günstiger zu machen, „müssen wir smarter bei den Ausgaben werden“, betonte der CEO. Wie Musk in Aussicht gestellt hatte, könnten Interessenten womöglich schon in drei Jahren ein Auto der Marke Tesla zum Preis von 25.000 Dollar bekommen.

Musks Vision vom autonomen Fahren

Benzinfreie Fahrzeuge, geplante Flüge zum Mars: Der Milliardär gibt sich nicht zuletzt auch stets als Visionär. In Berlin sagte Musk, dass bereits in zehn Jahren seiner Einschätzung nach der Großteil neuer Fahrzeuge über Fähigkeiten zum autonomen Fahren verfügen werde.

Bis auf Weiteres aber werde es auch dann Situationen geben, in denen die Menschen gern selber fahren. „Es wird aber zunehmend ungewöhnlich sein, das eigene Auto zu fahren.“ Teslas Software, die Fahrern die Steuerung des Autos in den meisten Situationen abnehmen kann, solle zum kommenden Jahr Marktreife erlangen. Allerdings könne die Zulassung durch Regulierer mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Anders als die meisten anderen Entwickler will Musk will beim autonomen Fahren aber auf die teureren Laserradare verzichten. Die Tesla-Modelle sollen allein mit Kameras und Radar-Sensoren auskommen können.

SpaceX-Chef Musk würde sich auf dem Mars beerdigen lassen

Bei der Preisverleihung in Berlin, bei der der Verlag Axel Springer Musk mit einem Preis würdigte, äußerte sich der Chef der Raumfahrtfirma SpaceX auch zu einer anderen Vision: einer möglichen Mars-Besiedelung in der Zukunft. Musk könne sich durchaus vorstellen, auf dem Mars beigesetzt zu werden. „Nur nicht beim Aufprall“, scherzte er. „Wir müssen alle irgendwann sterben – und wenn man schon die Wahl hat, auf dem Mars begraben zu werden ...“

Zugleich wiederholte der Starunternehmer seine Warnung mit Blick auf Künstliche Intelligenz. Die rapide Entwicklung auf diesem Gebiet könne für die Menschheit „gefährlicher als eine Atombombe“ werden.

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(mahe/dpa)