Corona

Debatte um Verbot von Silvester-Feuerwerk in Berlin

Die Berliner Feuerwehr hofft auf eine Beruhigung der Lage, Polizeigewerkschaft und Handelsverband sind skeptisch.

Der Vorschlag, den Verkauf und das Zünden von Böllern und Raketen zum Jahreswechsel zu verbieten, sorgt für kontroverse Debatten.

Der Vorschlag, den Verkauf und das Zünden von Böllern und Raketen zum Jahreswechsel zu verbieten, sorgt für kontroverse Debatten.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin. Der Vorschlag des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD), den Kauf und das Zünden von Böllern und Raketen an Silvester zu verbieten, sorgt für kontroverse Diskussionen. Während die Feuerwehr auf weniger Einsätze zum Jahreswechsel hofft, hält die Gewerkschaft der Polizei ein solches Verbot für kaum durchsetzbar. Am Mittwoch wollen Müller und seine SPD-Ministerpräsidenten-Kollegen bei der Schaltkonferenz aller Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für diesen Vorschlag werben.

In Berlin hatten erstmals die Grünen mit Blick auf die Infektionslage gefordert, an Silvester neben großen Partys auch das Feuerwerk zu verbieten. „Das ist ein wichtiger Schritt, um Krankenhäuser zu entlasten, Sanitäter zu schützen und Neuinfektionen zu verhindern“, twitterte etwa die Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Kapek.

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Silvester in Berlin: Krankenhaus bereitet sich auf Lage wie in Vorjahren vor

Das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn verfügt über eines der größten Zentren für Schwerbrandverletzte in Deutschland. Durchschnittlich werden dort rund 50 Patienten nach eigenen Angaben über den Jahreswechsel mit schweren Amputationsverletzungen und/oder Verbrennungen durch Feuerwerkskörper versorgt. Die meisten von ihnen müssten auch operiert werden. Insgesamt stehen in dem Unfallkrankenhaus 80 Intensivbetten zur Verfügung. Davon seien derzeit einige mit Coronapatienten belegt. Trotzdem: „Aktuell gehen wir davon aus, dass wir auch über den kommenden Jahreswechsel ausreichend Kapazitäten zur Verfügung haben, um schwerstverletzte Patienten adäquat zu versorgen“, sagte Pressesprecherin Angela Kijewski.

Für die Feuerwehr würde ein Böllerverbot eine deutliche Entlastung bedeuten. Die Zahl der Einsätze ließe sich dadurch vermutlich reduzieren, sagte ein Mitarbeiter der Berliner Morgenpost. Im vergangenen Jahr mussten die Einsatzkräfte etwas mehr als 1500 Mal ausrücken. In 617 Fällen mussten sie Brände löschen. Das entsprach einer Steigerung von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahressilvester. Insgesamt kamen 1400 Rettungskräfte zum Einsatz, darunter auch Mitarbeiter der freiwilligen Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und des Roten Kreuzes. Wie in den Vorjahren bereits wurden die Retter während der Einsätze von manchen Feiernden und Randalierern angegriffen, etwa mit Steinen und Feuerwerkskörpern, aber auch mit Schreckschusspistolen. Mit einem offiziellen Statement hielt sich die Behörde allerdings zurück. Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein, sagte lediglich: „Die Silvesternacht ist für uns die einsatzstärkste Nacht des Jahres.“

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Auch für die Polizei bringt die Silvesternacht stets zusätzliche Belastungen mit sich. So waren zum vergangenen Jahreswechsel zusätzlich zu den ohnehin eingesetzten Beamten rund 2000 weitere Kräfte unterwegs. Kommt das Böllerverbot, müsse das dann auch durchgesetzt werden, hieß es. Doch dies sei schlicht unmöglich. „Man müsste verhindern, dass Leute Pyrotechnik kaufen können und die Sicherheitsbehörden so ausstatten, dass sie Verstöße ahnden können. Beides ist derzeit nicht gegeben, viele haben noch Vorräte aus den letzten Jahren. Und zur Wahrheit gehört, dass wir mangels Fahrzeugen gar nicht noch mehr Funkwagen in der Silvesternacht auf die Straße bringen könnten“, teilte Norbert Cioma, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), am Montag mit.

Ebenfalls kritisch sieht das Böllerverbot der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB), Nils Busch-Petersen. Rund 6,5 bis sieben Millionen Euro Umsatz würden dadurch allein den Berliner und Brandenburger Händlern von Silvesterknallern fehlen. „Außerdem sehe ich die Gefahr, dass die Leute dann illegale Böller aus Polen kaufen, die noch viel gefährlicher sind“, sagte Busch-Petersen. Der beste Weg , um zu verhindern, dass Notaufnahmen in der Corona-Krise von Verletzten durch Silvesterraketen zusätzlich belastet würden, sei seiner Ansicht nach, auf die Eigenverantwortung der Menschen zu setzen.

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