Wohnungen

Mietendeckel: Neubauprojekte vorerst gestoppt

Untersuchung: Vermieter nehmen pro Jahr rund 250 Millionen Euro weniger ein.

Laut einer Untersuchung des Forschungsunternehmens F+B könnten bis zu 512.000 Wohnungen von einer Absenkung der Mieten profitieren.

Laut einer Untersuchung des Forschungsunternehmens F+B könnten bis zu 512.000 Wohnungen von einer Absenkung der Mieten profitieren.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. Durch die zweite Stufe des Mietendeckels werden die Berliner Vermieter hochgerechnet pro Monat 21 Millionen Euro weniger Miete einnehmen. Auf ein Jahr gerechnet entgehen Vermietern damit 250 Millionen Euro. Das geht aus einer Untersuchung des Forschungsunternehmens F+B hervor. Allein Berlins größter Vermieter, die Deutsche Wohnen, rechnet in diesem Jahr mit zehn Millionen Euro weniger Mieteinnahmen und im kommenden Jahr mit 30 Millionen Euro.

Die Deutsche Wohnen hat deshalb die Pläne für Neubauvorhaben vorerst angehalten. „Wir fangen keine neuen Projekte an, bevor wir nicht wissen, wie es in Berlin weitergeht“, sagte Unternehmenssprecher Marko Rosteck am Montag. Das Bundesverfassungsgericht wird voraussichtlich im zweiten Quartal des kommenden Jahres über den Mietendeckel entscheiden.

Begonnene Projekte werden weitergebaut

Begonnene Projekte und Sanierungen werden fortgesetzt. „Bei der Instandhaltung und -setzung machen wir auch unter dem Mietendeckel keine Abstriche“, sagte Rosteck. „Bei energetischer Sanierung und im Neubau hingegen haben wir geplante neue Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund einer Milliarde Euro zurückgestellt.“

Nach der Deutschen Wohnen mit 115.000 Wohnungen in der Stadt, ist Vonovia der zweitgrößte private Anbieter (44.000). Auch Vonovia will nach eigenen Angaben vorerst keine Neubauprojekte in der Stadt starten. Das Unternehmen macht allerdings keine Angaben über Umfang und Größe der ursprünglich geplanten Projekte.

Zu hohe Mieten müssen abgesenkt werden

Die F+B-Untersuchung geht davon aus, dass deutlich mehr Wohnungen von der zweiten Stufe des Mietendeckels betroffen sind, als vom Senat angegeben. Demnach könnte die Absenkungsregelung für 512.000 Mietwohnungen gelten. Der Senat hat bislang von 340.000 möglicherweise betroffenen Wohnungen gesprochen.

Nachdem die Mieten in Berlin seit dem 23. Februar für die Dauer von fünf Jahren eingefroren sind, ist an diesem Montag die zweite Stufe des Mietendeckels in Kraft getreten. Demnach müssen Mieten, die 20 Prozent über den Vergleichsmieten liegen, auf bestimmte Höchstwerte abgesenkt werden. Vermieter dürfen zu hohe Mieten nicht mehr entgegennehmen, ansonsten drohen ihnen Strafzahlungen.

Nicht alle Vermieter senken Mieten von sich aus

Der Berliner Mieterverein empfiehlt Mietern zu überprüfen, ob die Höhe ihrer Miete dem Mietendeckel-Gesetz entspricht. „Wenn Mieter Glück haben, dann hat der Vermieter schon die Miete gesenkt“, sagte der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild. „Wir befürchten, dass überwiegend private Anbieter von sich aus die Miete nicht senken“, so Wild. Denn mit der Novembermiete wurde zumeist die bisherige Mietforderung voll abgebucht. Mieter sollten deshalb überprüfen, ob sie Anspruch auf eine Mietsenkung haben, aber erst noch die Dezember-Abbuchung abwarten.