Berliner Verkehrsbetriebe

BVG schleppt mehr Falschparker auf Busspuren ab als je zuvor

Falschparker auf Busspuren bremsen die BVG aus. Doch mittlerweile erreicht die BVG beim Abschleppen neue Höchstzahlen.

In der Hauptstraße in Schöneberg lässt die BVG Falschparker von der Busspur abschleppen.

In der Hauptstraße in Schöneberg lässt die BVG Falschparker von der Busspur abschleppen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Kai-Uwe Heinrich TSP / picture-alliance

Berlin.  Beim Abschleppen von Falschparkern haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in den vergangenen Monaten deutlich Fahrt aufgenommen. Zwischen Januar und September setzte die BVG insgesamt 3262 Fahrzeuge um, die widerrechtlich auf Busspuren, Tramgleisen und an Haltestellen abgestellt wurden, wie das Landesunternehmen auf Anfrage der Berliner Morgenpost mitteilte. In 99 weiteren Fällen wurde die Umsetzung begonnen, ehe der Fahrzeughalter doch noch eintraf.

Hinzu kommen weitere 1986 durchgeführte Umsetzungen, bei denen die Polizei Berlin oder das Ordnungsamt das Abschleppen der auf Busspuren geparkten Wagen angeordnet hat. Zusätzliche 196 Mal wurde mit dem Abschleppen zumindest begonnen. Insgesamt sind damit in den ersten neun Monaten des Jahres 5248 Autos von Busspuren entfernt worden. Das sind gut 1500 Fahrzeuge mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

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BVG hat neue Fahrzeuge zum Abschleppen angeschafft

Seit Januar 2020 darf die BVG auf Berlins Straßen selbstständig die Busspuren, Gleise und Haltestellenbereiche frei räumen, wenn diese durch Falschparker blockiert werden. Zunächst hatte die BVG allerdings Probleme, die frisch angeschafften Abschleppfahrzeuge auch einzusetzen. Im ersten Halbjahr hatten die Verkehrsbetriebe daher nur 1650 Fahrzeuge selbst abgeschleppt. Gemeinsam mit den Einsätzen der Polizei verharrte man zahlenmäßig auf dem Wert des Vorjahres. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten scheint sich das neue Modell den Zahlen zufolge mittlerweile aber zu bewähren. „Wir haben immer gesagt, dass es ein langfristig angelegtes Projekt ist und erst anläuft“, sagte BVG-Sprecher Jannes Schwentu. Es sei langsam losgegangen. Nun aber schleppe man im Vergleich zur Polizei immer mehr selbst ab.

Dafür ist auch organisatorisch bei den Verkehrsbetrieben manches passiert. Mittlerweile hat die BVG 26 Busspurbetreuer eingestellt, die die Behinderungen feststellen und Umsetzungen anordnen. 31 Personen arbeiten als Schleppwagenfahrer. Mit diesen sei die BVG insgesamt 24 Stunden am Tag im Einsatz, sagte Schwentu. „Wenn alle Mitarbeiter eingestellt und ausgebildet sind, sollen es jeweils 40 sein.“ Unterwegs sind sie derzeit mit sieben Abschleppfahrzeugen, wovon zwei geeignet sind, um auch Lastwagen und Busse abzutransportieren. Ein weiteres Kranfahrzeug soll noch angeschafft werden, so Schwentu.

Lange standen alle Abschleppwagen auf dem Betriebshof an der Indira-Gandhi-Straße in Weißensee. Auf diese Weise kurzfristig etwa in der City West eine Busspur zu räumen, war nahezu unmöglich. „Wir haben die Fahrzeuge über die Höfe verteilt“, heißt es nun von BVG-Sprecher Schwentu. Mittlerweile parkt von den beiden großen Schleppfahrzeugen je eines auf den Betriebshöfen in Spandau und an der Indira-Gandhi-Straße. Von den kleineren wartet je einer in Britz und Spandau sowie drei weitere in Weißensee.

Die Busspurbetreuer und Schleppfahrzeuge seien „in Schwerpunktbereichen tätig“, sagte Schwentu. „Wir wissen ungefähr wo unsere Pappenheimer stehen und sind dort auch mehr im Einsatz.“ Als aktuelle Hotspots, wo verstärkt umgesetzt werde, nannte Schwentu die Haupt- und Dominicusstraße in Schöneberg, die Potsdamer Straße in Mitte, sowie die Sonnenallee in Neukölln. Zuvor lagen die Schwerpunkte auch am Spandauer Damm in Charlottenburg und an der Bundesallee in Wilmersdorf. Die verschiedenen Teams führten jedoch auch Aufträge der Leitstelle aus, wenn Busfahrer Behinderungen auf anderen Linien melden würden, so Schwentu.

Positiver Effekt auf die Geschwindigkeit der Busse

Schnell helfen könne man jedoch nicht immer, wenn ein Gleis der Straßenbahn oder eine Busspur blockiert seien und der nächste Schleppwagen zu weit entfernt sei. „Unser Wunsch wäre es, dass wir gar nicht erst abschleppen müssen“, sagte der BVG-Sprecher. „Aber je mehr wir das ausdehnen werden, desto eher glauben wir, dass wir künftig einen positiven Effekt haben werden auf die Geschwindigkeit von Bussen und Straßenbahnen.“

Daran haperte es in den vergangenen Jahren ziemlich. Die Geschwindigkeit des öffentlichen Nahverkehrs auf der Straße zu erhöhen, gehört zu den wichtigen Aufgaben der Senatsverkehrsverwaltung. Zuletzt waren die Erfolge jedoch überschaubar. Laut Verkehrsbetrieben blieb die mittlere Geschwindigkeit bei der Tram im Jahr 2019 mit 18,8 Kilometer pro Stunde konstant auf dem Vorjahresniveau.

Die Busse konnten ihre Geschwindigkeit im Schnitt um 0,1 auf 18 Kilometer in der Stunde steigern. Und trotz der Fortschritte der BVG: Bilder von zugeparkten Busspuren, etwa an der Hauptstraße, gehören immer noch zum Alltag auf Berlins Straßen.