Forschung

Michael Müller und Dirk Behrendt streiten über Tierversuche

Der Regierende Bürgermeister widerspricht der Schilderung des Senators. Die Mitglieder des Genehmigungsgremiums sind noch nicht benannt

Mäuse im Labor: Berlin will den Einsatz von Versuchstieren vermindern.

Mäuse im Labor: Berlin will den Einsatz von Versuchstieren vermindern.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Die Frage, wer in Berlin über die Zulassung von Tierversuchen entscheiden soll, ist im Senat immer noch umstritten. Noch am Mittwoch hatte der für Tierschutz zuständige Senator Dirk Behrendt im Ausschuss den Eindruck erweckt, die Meinungsverschiedenheiten seien behoben und die Tierschutzkommission im Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) werde am kommenden Donnerstag die Arbeit aufnehmen. Es seien sogar gleich zwei Kommissionen vorgesehen, um die Anträge von Wissenschaftlern auf den Einsatz von Labortieren schneller abzuarbeiten.

Der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) stellte die Lage im Abgeordnetenhaus am Donnerstag anders dar. Als ihn der CDU-Abgeordnete Adrian Grasse fragte, ob er denn Behrendts Ziel teile, die Kommission mit mehr Tierschützern als bisher zu besetzen, wollte der Regierende das so nicht bestätigen: „Sie tragen einen Zwischenstand vor“, sagte Müller an die Adresse des Christdemokraten: „Wir werden und müssen zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen“.

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Hintergrund des Streits sind Brandbriefe

Die Frage, wer in den neuen Kommissionen sitzen soll, konnte Behrendt nicht beantworten. Das werde bekannt gegeben, wenn die ehrenamtlichen Mitglieder dem zugestimmt hätten. Dass er mit Müller noch diskutiere, welche Tierschützer über die Anträge der Wissenschaft befinden sollen, wollte Behrendt weder bestätigen noch dementieren.

Hintergrund des Streits sind Brandbriefe führender Wissenschaftseinrichtungen und Pharma-Unternehmen, die die schleppende Besetzung der Kommission, aber auch den generellen Kurs des Landes zur Verringerung von Tierversuchen kritisiert hatten. Müller sagte im Parlament, man sei bestrebt, Tierversuche zu reduzieren. Derzeit seien aber viele Forschungen „leider nur möglich durch Einsatz von Tierversuchen“. Diese müsse man mit „Augenmaß und Sensibilität ermöglichen“.

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