Grünes Gewölbe

Clan-Razzia in Berlin: Macheten und Äxte sichergestellt

Rund 40 Hinweise auf Fahndungsaufruf zu Juwelendiebstahl eingegangen. Warum die Fahnder handeln mussten.

Polizisten aus Sachsen durchsuchen am 17. November eine Wohnung im Berliner Bezirk Kreuzberg im Zusammenhang mit dem Juwelenraub im Dresdner Grünen Gewölbe.

Polizisten aus Sachsen durchsuchen am 17. November eine Wohnung im Berliner Bezirk Kreuzberg im Zusammenhang mit dem Juwelenraub im Dresdner Grünen Gewölbe.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin/Dresden. Bei den umfangreichen Durchsuchungen in Berlin im Zusammenhang mit dem spektakulären Juwelendiebstahl in Dresden haben die Ermittler Werkzeuge, Festplatten, Computer und Handys sichergestellt. In einigen Wohnungen fanden sie zudem Macheten, Äxte und Schreckschusswaffen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Dresden am Donnerstag mitteilten. Im Zuge der großangelegten Razzia in der Hauptstadt waren am Dienstag drei von fünf dringend Tatverdächtigen festgenommen worden. Sie sollen wie ihre zwei noch flüchtige Komplizen aus dem arabischstämmigen Berliner Remmo-Clan am 25. November 2019 ins Historische Grüne Gewölbe, das barocke Dresdner Schatzkammermuseum, eingebrochen sein und dort wertvollen Juwelen-Schmuck gestohlen haben.

Nach der Razzia werden zudem weitere Details bekannt. So war der Hauptverdächtige Wissam Remmo vor der Festnahme kurzzeitig vom Radar der Behörden verschwunden. Am Dienstag wurde er kurz vor drei Uhr in Neukölln festgenommen und damit zeitiger als geplant. Er war mit überhöhter Geschwindigkeit in der Stadt unterwegs. Fahnder der Polizei erkannten ihn und nutzten die Gunst der Stunde. Ebenfalls festgenommen wurden am Morgen der 23 Jahre alte Rabih Remmo und der 26 Jahre alte Bashir Remmo.

Flüchtig sind dagegen die 21 Jahre alten Zwillingsbrüder Abdul Majed und Mohamed Remmo. Nach dem Fahndungsaufruf zu den beiden noch flüchtigen Tatverdächtigen sind bisher 40 Hinweise zu möglichen Aufenthaltsorten eingegangen. „Eine heiße Spur befindet sich bisher nicht darunter“, teilten die Dresdner Staatsanwaltschaft und Polizei am Donnerstag mit. Es werde weiter „intensiv“ gefahndet.

Beamter: Clanfamilien haben enges Kommunikationsnetzwerk

Laut einem „Bild“-Bericht soll die Polizei die fünf jungen Männer vor dem Zugriff observiert und abgehört haben. Es habe zuvor Hinweise auf eine akute Fluchtgefahr gegeben. Nach der Festnahme von Wissam Remmo soll es zu verstärktem Austausch von Nachrichten zwischen den Verdächtigen gekommen sein, mehrere Handys sollen ausgeschaltet worden sein. Die Polizei halte es nicht für ausgeschlossen, dass der geplante Einsatz bekannt war.

Am frühen Morgen habe einer der jetzt gesuchten Männer seine Wohnung verlassen und sei mit dem Auto weggefahren. Zunächst konnte er wohl noch verfolgt werden, dann verlor die Polizei ihn. Auch sein Bruder verschwand.

Ein Beamter aus Neukölln, der die Szene gut kennt, sagte der Berliner Morgenpost, dass die Clanfamilien ein enges Kommunikationsnetzwerk hätten. Das kenne man von den wöchentlichen Razzien. Findet irgendwo eine Festnahme statt, verbreite sich das sehr schnell. Nichts bleibe länger geheim. So sei es sicher auch bei der Festnahme von Wissam Remmo gewesen. Hätte man nicht zugegriffen, wären vielleicht nicht die Zwillinge entwischt, sondern der Hauptverdächtige.

Die Behörden sehen bisher keine konkreten Anhaltspunkte für Einsatzdefizite bei der Festnahme dringend Tatverdächtiger am Dienstag in Berlin. „Das Bewegungsverhalten der Zielpersonen war nur sehr begrenzt vorhersehbar.“ Die Behörden verwiesen auf eine dynamische Entwicklung des Einsatzes, Entscheidungen orientierten sich daran, den Gesamterfolg und die Sicherheit der Einsatzkräfte nicht zu gefährden.

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