„FG Bau“-Umfrage

Berlins Baubetriebe leiden nicht nur unter Corona

Weniger Neubauten und Sanierungen: Mitgliedsfirmen der FG Bau beklagen die schlechtere Geschäftslage. Das liegt auch am Mietendeckel.

Die Bauwirtschaft in Berlin hat laut einer Umfrage sinkende Geschäftserwartungen. Das liege auch am Mietendeckel des Senats, der weniger Sanierung zur Folge habe, so die Unternehmen.

Die Bauwirtschaft in Berlin hat laut einer Umfrage sinkende Geschäftserwartungen. Das liege auch am Mietendeckel des Senats, der weniger Sanierung zur Folge habe, so die Unternehmen.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlins kleine und mittlere Baubetriebe blicken weniger optimistisch in die Zukunft als noch vor einem Jahr. Das geht aus der aktuellen Konjunkturbefragung der Fachgemeinschaft Bau (FG Bau) hervor, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Demnach habe sich bei knapp der Hälfte der Firmen die Auftragslage verschlechtert. Vor einem Jahr hatten der FG Bau zufolge noch 78 Prozent der Mitglieder die Geschäftslage mit „gut“ bewertet. Derzeit sei dieser Wert auf unter 60 Prozent gefallen.

„Auch wenn das Baugewerbe in Berlin und Brandenburg bisher vergleichsweise gering von der Corona-Krise betroffen war, sind die Auswirkungen dennoch bei vielen Unternehmen inzwischen deutlich zu spüren“, sagte FG-Bau-Präsident Klaus-Dieter Müller.

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Unternehmen beklagen Lieferengpässe und Probleme bei der Suche nach Fachkräften

Betriebe in der Hauptstadtregion hätten in den vergangenen Monaten etwa über Lieferengpässe bei Baumaterial geklagt. Auch hochwertige Atemschutzmasken (FFP2), die auf Baustellen Standard seien, wären kaum zu bekommen gewesen, so Müller.

Ein Problem sei darüber hinaus die Verwaltung gewesen. Weil viele Mitarbeiter im Homeoffice nur eingeschränkt tätig sein konnten, seie Genehmigungen liegen geblieben oder hätten länger gedauert. Die Suche nach Fachkräften sei zudem schwerer gewesen. Als einen Grund nannte Müller, dass viele Messen zur Berufsorientierung wegen der Pandemie nicht stattfinden konnten.

Knapp 25 Prozent der Unternehmen nannten der Konjunkturbefragung zufolge Corona als großes Problem, knapp dahinter folgte der vom Berliner Senat beschlossene Mietendeckel. Vor allem für Bauunternehmen, die im Bereich Sanierung tätig seien, entwickele sich der Mietendeckel mehr und mehr zum Desaster, sagte Müller.

In der Umfrage teilten 46 Prozent der Firmen mit, dass sie wegen des Mietendeckels Rückgänge bei Aufträgen aus den Bereichen Sanierung und Modernisierung verzeichneten. Über alle Auftragsarten hinweg verzeichneten knapp ein Drittel der FG-Bau-Betriebe Auftragsrückgängen wegen des Mietendeckels.

FG Bau: Nötig sind jetzt gute Rahmenbedingungen

Laut Müller gebe es auch Hinweise darauf, dass sowohl öffentliche als auch private Wohnungsbaugesellschaften Neubau-Aufträge in Berlin nur noch zögerlich herausgeben. Das habe Folgen für die Betriebe. „Wenn Planern heute nicht planen, kann die Verwaltung morgen nicht genehmigen und wir übermorgen nicht bauen“, so Müller.

Positive Neubau-Aussichten gebe es hingegen für Brandenburg. Der Berliner Speckgürtel sei auch wegen der kürzlichen Eröffnung des Flughafens BER und der Ansiedlung des US-Elektroautobauers Tesla gefragter.

Als einen Grund für die sinkende Bautätigkeit in Berlin sieht Müller auch in zweifelnden Investoren. Wer könne denn wissen, wann eine neu gebaute Wohnung von einer möglichen Regulierung durch den Mietendeckel betroffen sei, fragte der FG-Bau-Präsident. Das Vertrauen in die politische Landschaft sei bei Investoren gesunken, mutmaßte er. „Ich hoffe, dass sich nach der Wahl im nächsten Jahr die Stimmung wieder aufhellt“, so Müller. In Berlin wird im Herbst 2021 ein neues Parlament gewählt.

FG-Bau-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner wies auf die Bedeutung der Bauwirtschaft für die wirtschaftliche Entwicklung hin. Dass das Bruttoinlandsprodukt in der deutschen Hauptstadt weniger stark sinke als im Bundesdurchschnitt sei auch ein Folge der auch trotz Corona weiter anhaltenden Bautätigkeit. „Die Bauwirtschaft ist bis jetzt nicht auf finanzielle Hilfen angewiesen. Damit das so bleibt, brauchen wir jetzt gute Rahmenbedingungen“, sagte Schreiner.

Verband bezweifelt weiter die Homeoffice-Fähigkeit der Verwaltung

Nötig sei etwa, dass die öffentliche Hand weiter Aufträge auslöse und auch Infrastruktur-Projekte weiter vorantreibe. Als hinderlich bezeichnete sie die aus ihrer Sicht zu niedrigen Vergabegrenzen für öffentliche Aufträge. Lediglich im Bereich Wohnungsbau sei das Limit für eine freihändige Vergabe auf eine Million Euro erhöht worden. Das sei auch für andere Bereiche geboten, so Schreiner. Die Vergabe von Bauprojekten könnte so effizienter, flexibler und schneller gestaltet werden.

Schreiner nannte zudem die Homeoffice-Fähigkeit der Verwaltung als Voraussetzung. In Berlin sei zwar die Anzahl der Zugänge über sogenannten VPN-Tunnel erhöht worden, es fehle aber noch immer an entsprechender Hardware mit der die Mitarbeiter von Zuhause aus arbeiten könnten.

„Wir erwarten, dass wir weiter arbeiten können und als Konjunkturmotor fungieren können“, sagte Schreiner. In Berlin und Brandenburg sind etwa 45.000 Menschen in der Bauwirtschaft tätig. Die FG-Bau vertritt rund 900 kleine und mittelständische Unternehmen der Branche aus Berlin und Brandenburg.