Labortests

Berlin testet Drohnen-Flüge für Medizin-Transporte

Dringende Notfalltests werden in Berlin künftig durch die Luft transportiert. Der Regelbetrieb startet 2021.

Drohne transportiert in Berlin Medizin-Tests

Laborproben werden per Drohne durch die Luft transportiert. Der Testbetrieb läuft in Berlin an. Quelle: DroneBrothers/LaborBerlin/Matternet

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Berlin. Als das Flugobjekt „SUI-9843“ an diesem trüben Dienstagnachmittag surrend in den Himmel steigt, ist ein Quantensprung für die Notfallmedizin in Berlin eingeläutet. Künftig sollen dringende Laboruntersuchungen per Drohne von den Krankenhäusern zum Labor Berlin transportiert werden, um Zeit zu sparen und Leben zu retten. „Das wird uns extrem helfen“, sagt die Chefin des Labor Berlin, Nina Beikert, während sie den Flug der Drohne am Himmel verfolgt. Seit dem 10. November läuft der Probebetrieb dazu, ab dem kommenden Jahr sollen alle zwölf Krankenhausstandorte im Regelbetrieb Notfalltests per Drohne an das Labor in Mitte liefern.

Zehn bis 30 Notfalltransporte steuern jeden Tag das Labor an, um dringend notwendig Laboruntersuchungen durchführen zu lassen, zum Beispiel wenn während einer Operation unerwartete Komplikationen auftreten, oder bestimmte Blutwerte ermittelt werden müssen. Dabei geht oft viel Zeit durch den Transport verloren, dieser dauert im Berufsverkehr bis zu 75 Minuten.

Drohne soll Transport-Zeiten deutlich verkürzen

Diese Zeit soll künftig deutlich verkürzt werden - und so Leben retten. Per Drohne dauert der Transport dann nur noch zehn Minuten. Seit drei Jahren laufen die Vorbereitungen für das Modellprojekt, das erste dieser Art in Deutschland und ein Gemeinschaftsvorhaben von Charité, Vivantes, dem Labor Berlin und dem US-amerikanischen Drohnenhersteller „Matternet“.

Es mussten zahlreiche Genehmigungen eingeholt werden, Start- und Landeplätze eingerichtet werden. Jetzt ist es fast soweit. Bis zum Ende des Jahres will das EU-Parlament die Voraussetzungen für Drohnenflüge europaweit regeln, dann kann der Regelbetrieb für die Drohnenflüge in Berlin starten. Bislang sind solche Transportflüge - außer zu Testzwecken - jeglicher Art verboten.

„Ich hätte nicht gedacht, dass man das hinbekommt“, sagt der Leiter des Corona-Behandlungszentrums an der Jafféstraße, Detlef Corsepius. Auf dem Gelände des Behandlungszentrums in Westend fand ein Großteil der Testflüge statt. Auf dem Messegelände steht viel Platz zur Verfügung und das Krankenhaus befindet sich - noch - nicht im Regelbetrieb, deswegen konnten die Abläufe dort gut erprobt werden.

Das Unternehmen Matternet ist auf solche Flüge spezialisiert. In der Schweiz und den USA beliefern die Fluggeräte der US-Firma bereits einzelne Krankenhäuser und Labore. Dafür hat das Unternehmen eine eigene Drohne entwickelt. Sie kann bis zu 70 Kilometer in der Stunde fliegen und zwei Kilogramm Gewicht transportieren. Das entspricht 20 Laborproben.

Tatsächlich werden die Fluggeräte aber auch einzelne Proben durch die Luft an das Labor liefern, wenn es besonders dringend ist. Gestartet werden soll mit den Flügen vom Benjamin-Franklin-Klinikum in Zehlendorf und dem Krankenhaus Friedrichshain, bevor dann im Verlauf des kommenden Jahres von allen zwölf Standorten aus Proben ins Labor geflogen werden.

Die Drohne kann auch bei schwierigen Wetterbedingungen zwischen minus zehn und plus 40 Grad Celsius Außentemperatur fliegen, versichert der Hersteller. Regen macht dem Fluggerät nichts aus, es darf nur nicht zu windig sein. Im Notfall öffnet sich ein Fallschirm und die Drohne sinkt laut piepend zu Boden, wo sie geborgen werden kann. Das sei bei 26.000 Test- und Regelflügen, die die Firma bereits durchgeführt hat, aber erst zwei Mal geschehen.

Die Flughöhe wird im Schnitt 100 Meter betragen

Die Flüge erfolgen vollautomatisch, das heißt, die Drohne weiß, wohin sie fliegen soll und muss nicht gesteuert werden. In einem Kontrollzentrum wird lediglich überwacht, ob alles reibungslos funktioniert. Die Flughöhe wird durchschnittlich 100 Meter betragen.

Das Labor Berlin erhofft sich durch den Drohnen-Transport eine erhebliche Verbesserung seiner Leistungen. Die maschinelle Testauswertung sei bereits zeitlich derart optimiert, dass hier keine weiteren Verbesserungen zu erwarten sind. Eine Notfall-Untersuchung ist bereits innerhalb weniger Minuten möglich.

Zeit lässt sich also vor allem durch die Verkürzung der Transportdauer gewinnen. Im Labor - es ist das größte seiner Art in Europa - werden täglich 15.000 Proben untersucht, außerdem aktuell 3000 bis 6000 Corona-Tests. Das Labor ist ein Gemeinschaftsprojekt von Charité und Vivantes und wurde 2011 gegründet. Die 600 Mitarbeiter untersuchen Laborproben von 25.000 Krankenhausbetten aus Berlin und dem ganzen Bundesgebiet.