Corona-Pandemie

In Obdachlosenheimen wird kaum auf Corona getestet

Die zuständigen Bezirke haben keinen Überblick über die Heime, sagt Sozialsenatorin Breitenbach. Nun hat sie Schnelltests bestellt.

In den Notunterkünften der Kältehilfe lassen sich Abstandsregeln nur schwer einhalten. viel zu wenige werde dort auf Corona getestet, sagt Sozialsenatorin Elke Breitenbach

In den Notunterkünften der Kältehilfe lassen sich Abstandsregeln nur schwer einhalten. viel zu wenige werde dort auf Corona getestet, sagt Sozialsenatorin Elke Breitenbach

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin. Die Berliner Behörden haben Schwierigkeiten, die Bewohner und Besucher von Obdachlosenunterkünften oder Einrichtungen der Kältehilfe auf das Coronavirus zu untersuchen. Die Bezirke, die Menschen ohne Wohnung in Heime überall in der Stadt einweisen, sorgten nicht dafür, dass die Menschen getestet würden, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Donnerstag im Sozialausschuss. „Deshalb haben wir jetzt Schnelltests bestellt“, so die Senatorin, obwohl ihre Senatsverwaltung formal nicht zuständig sei. „Die Gesundheitsämter haben da keinen Überblick“, sagte die Senatorin.

Corona in Berlin Schnelltester brauchen eine pflegerische Ausbildung

Ein weiteres Problem sei, dass die Tests bisher nur von Personen genommen werden dürfen, die eine pflegerische Ausbildung hätten. Solche gebe es in der Kältehilfe oder in den Flüchtlingsunterkünften des Landesamtes nicht. „Dafür haben wir keine Kapazitäten an Pflegekräften in Berlin“, sagte Breitenbach. Diese Fachkräfte müssten ja den ganzen Tag vor Kältecafés oder anderen Orten warten, ehe Obdachlose dort auftauchten. Nur in der Hälfte der Kältehilfe-Einrichtungen würden die Menschen auf Covid-19 getestet.

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Viele Plätze in der Kältehilfe sind noch frei

Von den mehr als 1000 Plätzen, die obdachlosen Menschen in der Kältehilfe angeboten werden, seien derzeit nur 676 belegt. „Manche Menschen tun sich schwer, in diese Einrichtungen zu gehen, weil sie Angst haben vor Covid-19“, sagte Breitenbach. Auch die neu als Unterkünfte bereit gestellten Hotels und Hostels würden nicht so gut angenommen wie erwartet.

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Vier Containerdörfer bleiben als Reserve erhalten

Die zu den Risikogruppen zählenden Bewohner von Unterkünften für Geflüchtete mit Gemeinschaftsküchen und Gemeinschaftsbädern bleiben hingegen lieber an ihrem bisherigen Wohnort als umzuziehen. 350 Personen aus 30 Unterkünften, für die eine Corona-Infektion ein besonders Risiko darstelle, habe das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) identifiziert, sagte LAF-Präsident Alexander Straßmeir im Ausschuss. „Denen bieten wir eine Ausweichmöglichkeit.“

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Es hätten aber nur 39 Menschen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, in die eigens zur Entzerrung der dichten Belegung offen gehaltenen Containerdörfer an der Dingolfinger Straße in Biesdorf und an der Finckensteinallee in Lichterfelde zu ziehen. „Die Bereitschaft war geringer als erwartet“, sagte Straßmeir.

Container auf dem Tempelhofer Flugfeld für Geflüchtete aus Griechenland

Dennoch wird das Landesamt vier freigezogenen sogenannte Tempohomes zunächst offen halten, um gewappnet zu sein, falls in einem Heim Corona-Fälle auftreten und Menschen verlegt werden müssen. Damit habe man eine Reserve von bis zu 800 Plätzen. Hinzu sollen 600 Plätze im Containerdorf auf dem früheren Flughafen Tempelhof kommen.

Senatorin Breitenbach sagte, man wolle diese Anlage nutzen „für Menschen von den griechischen Inseln, die wir holen wollen“. Nach wie vor habe aber der Bezirk Tempelhof-Schöneberg keine Erlaubnis erteilt, die Unterkunft nach der einmal erfolgten Schließung „wieder an den Start zu bringen“. Das ziehe sich seit acht Monaten, so die Linken-Politikerin. „Andere kriegen in dieser Zeit Kinder.“