„Alte Schule“

Ausstellung „Finale!“ geht bald online

Das Kulturzentrum in Adlershof wird saniert, die kommunale Galerie muss also umziehen. Immerhin: Ein Streit um die Galerieleitung ist vom Tisch.

Eine Künstler-Gruppe, die sich für die kommunale Galerie Alte Schule einsetzt und dabei auch mal das Bezirksamt kritisiert (von links): Gudrun Kühne, Stefka Ammon, Sebastian Körbs, Dorit Bearach und Liz Crossley

Eine Künstler-Gruppe, die sich für die kommunale Galerie Alte Schule einsetzt und dabei auch mal das Bezirksamt kritisiert (von links): Gudrun Kühne, Stefka Ammon, Sebastian Körbs, Dorit Bearach und Liz Crossley

Foto: Sibylle Haberstumpf

Treptow-Köpenick. Das sind zum Jahresende gute Aussichten für die Kunstszene in Treptow-Köpenick: In Kürze soll die Ausstellung „Finale!“ in der kommunalen Galerie im Adlershofer Kulturzentrum „Alte Schule“ online gehen, also im Internet zu sehen sein. Derzeit werde an der filmischen Aufnahme der Kunstwerke gearbeitet, erklärte Bezirksstadträtin Cornelia Flader (CDU), zuständig für Kultur. Sobald wie möglich soll die Schau auf der Webseite gezeigt werden. 46 Künstler sind daran beteiligt.

Die Räume der Galerie sind wegen der aktuellen Corona-Maßnahmen seit Anfang November für Publikum geschlossen. Und sie bleiben es sogar noch bis voraussichtlich 2023 – ganz unabhängig von der Corona-Lage. Sondern wegen einer Sanierung. Der alte Backsteinbau, in dem sich das Kulturzentrum befindet, muss umgebaut werden.

Leitung der kommunalen Galerie soll neu ausgeschrieben werden

Zuletzt hatte es hinter den sanierungsbedürftigen Mauern der „Alten Schule“ seit Monaten Zoff gegeben. Einige Künstler, die sich seit langem für die kommunale Galerie einsetzen und dort ausstellen, waren in Sorge. Sie hatten bezweifelt, dass es nach der Sanierung weiterhin eine Vollzeit-Galerieleitung geben würde und vermutet, die Stelle würde eingespart werden.

Nun gibt es für sie aber eine gute Nachricht von offizieller Seite: Die Leitungsstelle soll neu ausgeschrieben werden. Die Position soll offenbar befristet bis Ende 2022 mit der Option auf Verlängerung besetzt werden. Kulturstadträtin Flader teilte auf Nachfrage mit: „Das Bezirksamt plant vor der Wiedereröffnung des umgebauten Kulturzentrums im Frühjahr 2023 die unbefristete Wiederbesetzung der Leitungsstelle der Galerie in Vollzeit.“

Gegen Flader hatte sich der Unmut der Künstler Gudrun Kühne, Stefka Ammon, Sebastian Körbs, Dorit Bearach und Liz Crossley besonders gerichtet. Ihre Politik sei intransparent und zögerlich, ihre Kommunikation mangelhaft. Die Künstler riefen eine Online-Petition und eine Homepage ins Leben, um sich öffentlich zu beschweren. Die Planstelle der Galerieleitung müsse sofort neu ausgeschrieben werden, so ihre Forderung. Ihr Vertrauen in eine „verantwortungsvolle Kulturpolitik auf Bezirksebene“ sei erschüttert.

„Das ist ein ganz wichtiges Signal für den Kulturstandort Treptow-Köpenick“

Die Kulturstadträtin betonte auf Nachfrage aber, sowohl die klassischen Formen der bildenden Kunst wie Grafik, Zeichnung, Malerei, Plastik und Fotografie, aber auch neue Kunstformen wie Video- und Lichtinstallationen seien ihr wichtig, ebenso die kommunale Galerie und der Austausch der Künstler, der sich dort vollziehe. „Das alles soll nicht zerstört werden, sondern vielmehr in neu sanierten Räumen möglich gemacht werden“, untermauerte Flader.

Umso glücklicher sei sie, „dass wir nach langem Suchen Ausweichräume gefunden haben, die für einen Übergangszeitraum die Präsentation von Kunst ermöglichen werden.“ Gemeint sind Räume im Souterrain des ehemaligen Rathauses Johannisthal. Dort könne die Galerie ab Frühjahr 2021 unterkommen, so Flader.

Auch darüber gab es Streit, die Künstler hielten das Ausweichquartier für zu klein und zu schlecht in Schuss. Über Monate gab es kämpferische Briefe, Diskussionen, Gegendarstellungen, Medienberichte, alles belegt auf der Homepage der Künstler. Doch nun sind sie glücklich über die Mitteilung, dass die Leitungsstelle neu ausgeschrieben wird. „Das ist ein ganz wichtiges Signal für den Kulturstandort Treptow-Köpenick“, meint Sprecherin Stefka Ammon. „Wir haben jetzt eine großartige Chance für die bildende Kunst im Bezirk. Die Galerieleitung kann planvoll daran arbeiten, spannende Projekte von Künstlern aller Generationen zu ermöglichen.“

Kunstverleih des Bezirks bleibt geschlossen

Zum Hintergrund: Das Gebäude an der Dörpfeldstraße wird bis 2023 ertüchtigt, erweitert und modernisiert, erhält Anbauten und zusätzliche Flächen. Darin befinden sich unter anderem die Stefan-Heym-Bibliothek, die Artothek (Kunstverleih), der Kiezklub und eben die kommunale Galerie. Sie ist die einzige verbliebene kommunale Galerie im Bezirk. Es ist eine Ausstellungsstätte für zeitgenössische Kunst und Kunstförderung. Die langjährige Leiterin Nora Pijorr wurde gerade vom Bezirksamt in den Ruhestand verabschiedet, ist offiziell aber noch bis Jahresende im Einsatz.

Der Kunstverleih hat mittlerweile wegen der Umbauvorbereitungen geschlossen. Wer sich Kunstwerke ausgeliehen hat, soll sie bis zum 1. Dezember zurückbringen. Planmäßig wiedereröffnet wird die Artothek 2023 nach Abschluss der Sanierung, so das Bezirksamt.