Pandemie

Geänderte Strategie: Wann man einen Corona-Test machen kann

Das RKI änderte die Strategie, weil die Labore an ihre Grenzen stoßen. Wir erklären, wann und wo man sich in Berlin testen lassen kann.

Mit Eröffnung des Hauptstadtflughafens wurde auch eine neue Teststelle auf der Ankunftsebene E0 eingerichtet.

Mit Eröffnung des Hauptstadtflughafens wurde auch eine neue Teststelle auf der Ankunftsebene E0 eingerichtet.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. „Die Lage ist ernst“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Anfang der Woche. Die Pandemiebekämpfung komme nun in eine entscheidende Phase. „Die Zahl der Infizierten steigt exponentiell“, so Spahn weiter. Ärzte und Labore stoßen mit der Erkältungssaison an ihre Grenzen. Damit die Testkapazitäten weiter reichen, änderte das Robert-Koch-Institut (RKI) jetzt seine Strategie.

Nicht bei jedem potenziellen Corona-Patienten soll künftig noch ein Covid19-Test durchgeführt werden. Denn wenn alle Patienten mit Erkältungssymptomen auf Corona getestet würden, brauche man jede Woche mehr als drei Millionen Tests, sagte dazu RKI-Vizepräsident Lars Schaade. „Das ist weder möglich noch erforderlich.“ Aber wann und wo kann man sich in Berlin noch testen lassen? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Voraussetzung brauche ich für einen Test?

Wer starke Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen und Fieber hat, zuletzt Kontakt mit einer Person hatte, die nachweislich infiziert ist oder eine entsprechende Warnung über die Corona-App bekommt, sollte sich testen lassen. Das zuständige Gesundheitsamt des Bezirks oder ein Arzt entscheidet darüber. Wer aus einem Land zurückkehrt, dass vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Corona-Risikogebiet eingestuft wurde, muss sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben.

Das ist auch zwingend, wenn man sich innerhalb der vergangenen zwei Wochen in einem Land aufgehalten hat, dass erst nach der Rückkehr nach Deutschland vom RKI als Risikogebiet eingestuft wurde. Reiserückkehrer können die Quarantäne allerdings abkürzen, wenn sie vor Ausreise aus dem jeweiligen Land oder nach Einreise nach Deutschland einen Test machen. Diese sind allerdings mittlerweile nicht mehr kostenfrei.

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Wohin wende ich mich, wenn ich mich testen lassen will?

Mit Symptomen sollte man sich zunächst telefonisch an den Hausarzt wenden oder an eine von Berlins 30 Covid-19-Praxen. Eine Liste findet sich auf der Internetseite der Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin: www.kvberlin.de. Informationen zum weiteren Vorgehen erhält man von der KV auch telefonisch 24 Stunden an sieben Tagen der Woche unter 116117. Allerdings wird darum gebeten, dort nur anzurufen, wenn man Symptome hat. Außerdem kann man sich an sein jeweiliges bezirkliches Gesundheitsamt oder telefonisch unter 030–90 28 28 28 an die Senatsgesundheitsverwaltung wenden (8-20 Uhr).

Wo kann ich mich testen lassen?

  • In Berlin bieten derzeit nach Auskunft der KV 165 Arztpraxen Corona-Testungen an.
  • Die Charité bietet Tests am Virchow-Klinikum im Wedding an – allerdings nur nach vorheriger Terminvereinbarung und nur für Personen mit Erkältungssymptomen.
  • Eine Teststelle gibt es zudem in den DRK Kliniken Köpenick, die Montag bis Freitag von 9–12 Uhr geöffnet ist, allerdings nur maximal 50 Tests am Tag schafft.
  • Reinickendorfer können sich außerdem an der Drive-by-Teststelle auf dem Gelände des bezirklichen Gesundheitsamts testen lassen, wenn sie vorher Kontakt zu einem Infizierten hatten.
  • Kontaktpersonen, die in Mitte leben, können sich auf der Parkfläche des Rathauses Wedding testen lassen. Das Angebot gilt auch für Polizisten, Feuerwehrleute, medizinisches-, Pflege- und Apothekenpersonal ohne Symptome sowie Saisonarbeiter und Reiserückkehrer mit Symptomen.
  • Wer in Neukölln arbeitet, kann sich außerdem am Corona-Abstrichzentrum in der Tagesklinik Riesestraße in Britz untersuchen lassen.
  • Bei den Angeboten der Gesundheitsämter Reinickendorf, Mitte und Neukölln muss man sich unbedingt vorher telefonisch anmelden. Die Telefonnummern finden sich unter www.berlin.de/corona/untersuchungsstellen/

Wo kann ich mich als Reiserückkehrer ohne Symptome testen lassen?

Auch das geht beim Hausarzt. Außerdem war es lange an den Flughäfen Tegel, Schönefeld und am Zentralen Omnibus- und am Hauptbahnhof möglich, sich testen zu lassen. Diese Stellen sind allerdings mittlerweile geschlossen. Die letzten drei wurden vom Deutschen Roten Kreuz betrieben, dass sich nach Auskunft einer Sprecherin mit Veränderung der Teststrategie vermehrt dem Testen von Risikogruppen etwa in Altenpflegeeinrichtungen widmet. Allerdings wurde am BER mit dessen Eröffnung auch eine neue Teststelle eingerichtet, die von der Firma Centogene betrieben wird. Sie befindet sich auf der Ankunftsebene E0, ist täglich von 7–19 Uhr geöffnet und frei für jeden, der sich testen lassen will. Allerdings ist die Untersuchung kostenpflichtig.

Wie viel kostet ein Test?

Centogene nimmt 59 Euro. Das entspricht laut dem bundesweit geltendem Vergütungssystem für Vertragsärzte, dem einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) auch den Kosten für einen Test. Wenn ein Arzt den Test empfiehlt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Wer symptomfrei ist, muss selbst zahlen. Arztpraxen nehmen dafür bis zu 300 Euro.

Wie lange muss ich auf einen Termin warten?

Das hängt sehr davon ab, wo man sich testen lässt. In Hausarztpraxen geht es relativ schnell. Da derzeit kaum Menschen fliegen, geht es auch am BER mit etwa einer halben Stunde Wartezeit schnell zum Abstrich. Wer sich in der Charité testen lässt, muss allerdings bis zu sechs Tagen auf einen Termin warten. Deutlich schneller geht es beim Corona-Abstrich-Zentrum in Neukölln: So schnell wie möglich, maximal innerhalb von 24 Stunden, kriege man in der Regel nach Auskunft einer Mitarbeiterin hier einen Testtermin.

Wie lange muss ich auf das Ergebnis warten?

In der Regel liegen die Testergebnisse aus den Laboren nach 24 bis 48 Stunden vor. Am BER geht es sogar schneller als einen Tag. Mit einer Wartezeit von drei bis vier Tagen dauert es beim Corona-Abstrich-Zentrum in Neukölln bis man das Ergebnis bekommt deutlich länger.

Wie verhalte ich mich bis dahin?

Muss man den Test machen, weil man Kontakt zu einer infizierten Person hatte oder aus einem Risikogebiet zurückkehrt, ist es verpflichtend, sich in häusliche Quarantäne zu begeben. Das bedeutet, die Wohnung nicht zu verlassen und auch keinen Besuch zum empfangen. Wer dagegen verstößt, indem er sich nicht direkt nach dem Test nach Hause begibt, seine Wohnung während der Quarantänezeit verlässt oder Besuch empfängt, muss mit Bußgeldern von 500 bis 5000 Euro rechnen.

Wann endet meine Quarantänezeit?

Laut den Entlassungskriterien des RKI dürfen Patienten mit einem leichtem COVID-19-Verlauf, also ohne Sauerstoffbedürftigkeit, frühestens zehn Tage nach Symptombeginn ihre Isolierung beenden, sofern sie mindestens 48 Stunden lang bereits keine Symptome mehr aufweisen. Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf, also mit Sauerstoffbedürftigkeit, müssen noch mal einen PCR-Test machen, mit einem negatives Ergebnis. Die Auswertung des Ergebnisses dauert mit drei bis vier Tagen etwas länger, als bei anderen Teststellen.

Müssen sich alle testen lassen, wenn einer in der Familie positiv ist?

Sollte sich jemand aus dem eigenen Haushalt infiziert haben, müssen alle Betroffenen sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben, heißt es nach Auskunft der Berliner Gesundheitsverwaltung. Das zuständige Gesundheitsamt wird sich dann mit der Familie in Verbindung setzen. Sich mit einem negativen Testergebnis aus der Quarantäne „Frei-zu-Testen“ sei ohnehin nicht möglich.

Welche Tests gibt es und wie sicher sind sie?

Aktuell gibt es im Wesentlichen zwei Prinzipien von Testverfahren in Deutschland: die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und den Antigen-Test. PCR-Tests gehören zum Standard und gelten als besonders genau. Der Vorteil von Antigen-Schnelltests: Sie zeigen schon in weniger als 30 Minuten ein Ergebnis an. Dadurch bieten sie die Möglichkeit, mehr zu testen – sie werden deshalb besonders für Personal, Patienten, Bewohner und Besucher in Pflegeheimen und Krankenhäusern verwendet.

Der Nachteil des Antigen-Nachweises ist, dass er relativ wenig sensitiv, also empfindlich ist. Ein negatives Ergebnis bedeutet nicht zwingend, dass man sich auch tatsächlich nicht infiziert hat.

Wie viel wird getestet?

Aus dem aktuellen Lagebericht der Berliner Gesundheitsverwaltung vom 4. November geht hervor, dass in der vergangenen Woche mehr als 66.312 Tests durchgeführt worden.