Verkehr in Berlin

Keine Rennfahrer mehr am Schlachtensee

Um die Konflikte zu lösen, schlägt der Steglitzer Autor Andreas Jüttemann vor, die Radfahrer von den Fußgängern zu trennen.

Buchautor Andreas Jüttemann erklärt seine Vorstellungen von der Zukunft an den Seen in Zehlendorf bei einem Rundgang um den Schlachtensee

Buchautor Andreas Jüttemann erklärt seine Vorstellungen von der Zukunft an den Seen in Zehlendorf bei einem Rundgang um den Schlachtensee

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Der Schlachtensee begleitet Andreas Jüttemann sein ganzes Leben. Als Jugendlicher hat der Steglitzer am Strand gesessen und mit anderen gefeiert – „ja es gab auch Bier und Wein“. Am Seeufer hat er sich von seiner ersten Freundin getrennt und das erste Date mit seiner heutigen Frau gehabt. Im Sommer springt er gern in der Mittagspause ins Wasser. Der 35-Jährige kennt den Schlachtensee und die Krumme Lanke als Radfahrer, Spaziergänger, Schwimmer, Autor – und er kennt die Konflikte sowie das neue Zukunftskonzept. Für ihn gibt es nur eine Lösung: „Die einzelnen Freizeitbetätigungen müssen voneinander getrennt werden.“ Jeder sollte seinen eigenen Bereich bekommen: die Kleinkinder, die Rennfahrer, die Angler und Paddler.

Damit bringt er einen ganz neuen Aspekt in die Debatte, wie die Probleme an den Seen gelöst werden könnten. Erst im Juli dieses Jahres hatte der US-Nachrichtensender „CNN“ den Schlachtensee als eine der 20 besten Badestellen der Welt gekürt, weil er so gut mit der S-Bahn zu erreichen ist und viele Zugänge zum Wasser hat. Diese Bekanntheit hat auch Nachteile: Klagen über Müll, Lärm, nicht angeleinte Hunde und Rennfahrer auf den Uferwegen gibt es immer wieder.

Zwei Jahre lang hat sich eine überparteiliche Arbeitsgemeinschaft in Steglitz-Zehlendorf mit den Beschwerden auseinandergesetzt und kürzlich verschiedene Ideen präsentiert. So sollen Fußgänger ein Vorrecht gegenüber den Radfahrern auf den Uferwegen bekommen, mehr Toiletten aufgestellt und die Parksituation verbessert werden. Ein neues Wegenetz, mehr Licht und eine bessere Beschilderung könnten es den Ausflüglern leichter machen, sich zurechtzufinden. Angler wünschen sich einen eigenen Uferbereich, die Stand-up-Paddler sollten in ihrem Revier bleiben und die Uferzonen meiden.

Stadtgeschichte ist schon immer sein Hobby

Mit einigen Vorschlägen kann sich Andreas Jüttemann anfreunden, aber sie gehen ihm nicht weit genug. Er hat viele Stunden im Archiv des Heimatvereins Zehlendorf gesessen, um mehr über die Geschichte der Seen zu erfahren. Beruflich beschäftigt er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Charité mit der Krankenhausgeschichte, in seiner Freizeit mit der Stadthistorie. Gerade hat er im Pharus-Verlag das kleine Buch „Spaziergänge und Entdeckungen rund um den Schlachtensee und die Krumme Lanke“ herausgebracht.

Gleich auf den ersten Seiten beschreibt er die Sommer-Wochenenden, an denen es „an den Ufern voller ist als in der Innenstadt“ und die Polizei sich um Badegäste kümmern muss, die „Lärm und Dreck verursachen, oder nach zu viel Alkoholgenuss sogar handgreiflich werden“. Dass die Jugendlichen dort abends nett sitzen und auch etwas trinken, finde er okay, erzählt der Autor bei einem Rundgang um den Schlachtensee. Das Problem seien heute die Bluetoothboxen. Am Abend müsse einfach viel stärker kontrolliert werden. Es ist ein Dienstagmittag, die Sonne scheint: Auf den Uferwegen sind viele Ausflügler unterwegs. Fahrradfahrer schlängeln sich an Spaziergängern vorbei, beide Seiten müssen ausweichen. „Wenn die Radfahrer langsam sind, ist das kein Problem“, sagt Jüttemann. Streit gebe es, wenn Rennfahrer unterwegs sind, die schnell von A nach B kommen wollen und dafür lieber die Seestrecke nutzen als die Straße.

„Was fehlt, ist eine tolle lange Fahrradstrecke entlang der Seen“, so der Autor. Sein Vorschlag: Auf der westlichen Seeseite, also auf der Seite der Forsten, sollte ein ordentlicher Radweg angelegt werden. Dafür könnten die Wege oberhalb des Uferweges ausgebaut werden – nicht mit Asphalt, sondern als fester Sandweg. Der beginnt dann am Hüttenweg und führt an der Krummen Lanke und am Schlachtensee vorbei bis nach Nikolassee und zum Kronprinzessinnenweg. „Dort könnten die Schnellfahrer ungehindert unterwegs sein“, sagt Jüttemann. Wichtig sei, die verschiedenen Nutzungen an den Seen zu entflechten.

Die Berliner Forsten sehen den Vorschlag skeptisch. „Grundsätzlich ist das Radfahren auf sämtlichen Waldwegen erlaubt“, sagt Sprecher Marc Franusch. Aber oberhalb des Schlachtensees befinde sich das Hundeauslaufgebiet. Zudem sei der Wald gut besucht. „Hunde und Spaziergänger würden immer wieder den Radweg kreuzen“, so Franusch. Da müsste man sich gründlich überlegen, inwieweit schnelles Radfahren möglich ist.

Radweg sollte von Steglitz zum Schlachtensee führen

„Toll“ am Zukunftskonzept findet Andreas Jüttemann, dass alle Parteien daran zusammengearbeitet haben. Deshalb hofft er auch, dass nun einige Ideen von den Bezirksverordneten beschlossen und umgesetzt werden. Zum Beispiel die Verbesserung der Parksituation – für Anwohner und Seenutzer. So sei der Quermatenweg im Hochsommer komplett zugeparkt. Damit mehr Menschen mit dem Fahrrad zu den Seen kommen, könnte er sich zum Beispiel eine neue Radroute von Steglitz nach Schlachtensee vorstellen. Vier touristische Radrouten gibt es bereits im Bezirk, das wäre dann die fünfte.

Gut findet Jüttemann die Idee, den Schilderwald zu lichten. Er wünscht sich auch noch einen Bereich, in dem kleine Kinder ins Wasser gehen und am Strand spielen können. Die Stand-up-Paddler haben ihn noch nie gestört. Er meint sogar, dass der Schlachtensee noch ein paar mehr Paddelboote vertragen könnte. Wogegen er sich vehement ausspricht, sind noch mehr Toilettenhäuschen. Die seien wirklich nicht schön. Eine Idee, wie man dieses Problem löst, hat er nicht.

Andreas Jüttemann: Spaziergänge und Entdeckungen rund um Schlachtensee und Krumme Lanke. Verlag Pharus-Plan, 48 Seiten, 7,50 Euro.