Vorfall in Neukölln

Mann mit Macron-Maske gedemütigt - Polizei ermittelt

In Neukölln wurde ein Mann mit Macron-Maske und Perücke am Strick herumgeführt und beschimpft. Die Polizei ermittelt.

Ein Mann in arabischer Kleidung hält einen anderen mit Macron-Maske und Perücke am Strick.

Ein Mann in arabischer Kleidung hält einen anderen mit Macron-Maske und Perücke am Strick.

Foto: Twitter/Screenshot

Berlin. Gegen die Beteiligten, die einen mit einer Maske des französischen Präsidenten Emmanuel Macron gekleideten Mann durch die Sonnenallee geführt und geschlagen haben, wird wegen der Störung der öffentlichen Ordnung und anderen Straftatbeständen ermittelt. Das sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Einer der Beteiligten sei in Brandenburg wohnhaft, deswegen sei auch die Brandenburger Polizei in Kenntnis gesetzt worden. Geisel sagte weiter, dass nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes bislang keine Verbindung des Wiener Attentäters nach Berlin gebe. Der Verfassungsschutz beobachte die islamistische Szene in der Stadt genau und habe bislang keine untypischen Bewegungen festgestellt. „Das muss aber nichts heißen“, sagte Geisel. Unmittelbar nach dem Anschlag seien die Sicherheitsvorkehrungen für die Synagogen in der Stadt verstärkt worden. Der Verfassungsschutz beobachte die Gefährderszene weiter intensiv.

Mann mit Macron-Maske gedemütigt: Video sorgt für Debatten

Der anti-französische Vorfall in Neukölln sorgte im Internet für Debatten. Auf einem Video ist zu sehen, wie ein Mann mit einer Maske des französischen Präsidenten Emmanuel Macron an einem Strick von einem weiteren Mann in traditioneller arabischer Kleidung über die Sonnenallee gezogen und gedemütigt wird.

Die Polizei teilte am Montag über Twitter mit, sie habe am Samstagabend einen Youtuber am Alexanderplatz überprüft. „Er soll mit einem Kaftan bekleidet seinen Bekannten in Perücke & Macron-Maske an einem Seil durch Neukölln geführt, beleidigt & angedeutet haben, ihn zu schlagen.“

Mann mit Macron-Maske gedemütigt - LKA ermittelt

Das Landeskriminalamt (LKA) ermittelt zu dem Fall. Es werde geprüft, ob es sich bei der Aktion um eine Straftat handeln könnte, hieß es. Der „Tagesspiegel“ hatte am Wochenende berichtet. Dort war von einem arabischstämmigen Youtuber, der Deutsch spricht, die Rede sowie von „Allahu Akbar“-Rufen in einem weiteren Video.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) begrüßte via Twitter die Ermittlungen zu dem Fall. Sie schrieb: "Absolut richtig @polizeiberlin. Wir lassen uns von den Gegnern und Feinden von Demokratie und Freiheit weder einschüchtern, noch dürfen wir wegschauen. Wir stehen unseren französischen Freundinnen und Freunden bei."

Gedenken an die Opfer islamistischer Anschläge in Frankreich und in Dresden

In Neukölln fand am Montag ein kurzes Gedenken an die Opfer islamistischer Anschläge in Frankreich und in Dresden statt. Vor dem Rathaus wurden Rosen niedergelegt. Dazu hatte Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) eingeladen. Es gehe um ein gemeinsames Bekenntnis Neuköllns gegen Hass und Gewalt, hieß es vorab. Auch Grünen-Politiker Cem Özdemir war vor Ort.

Macron hatte nach der Enthauptung des Lehrers Samuel Paty durch einen Islamisten in Frankreich die Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung auch religionskritischer Karikaturen verteidigt. Bei einer Gedenkfeier sagte er, Frankreich werde nicht „auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten, auch wenn andere sich davon zurückziehen“. Der Lehrer hatte im Unterricht Mohammed-Karikaturen als Beispiel für Meinungsfreiheit gezeigt. Macrons Äußerungen führten weltweit zu Protesten von Muslimen.