Flughafen Tegel

Tegel-Abschied: Air Berlin und das große Koffer-Chaos

In acht Tagen schließt der Flughafen Tegel. Dort kam es 2017 zum großen Koffer-Chaos bei Air Berlin.

Am Flughafen Tegel stapelten sich im Frühjahr und Sommer 2017 die Koffer.

Am Flughafen Tegel stapelten sich im Frühjahr und Sommer 2017 die Koffer.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Die größte Sorge vieler Air-Berlin-Passagiere am Flughafen Tegel hatte im Frühjahr 2017 weniger mit einer Bruchlandung zu tun, sondern mit der Frage: Bekomme ich meinen Koffer wieder? Wer im Frühjahr und Sommer jenes Jahres am City-Airport landete, wartete anschließend nicht selten vergeblich am Gepäckband. Kaum besser lief es bei den Flügen. Reihenweise verzögerten sich die Starts. Schuld an allem: Das Koffer-Chaos von Tegel. Was war passiert?

Flughafen Tegel: Wechsel beim Bodendienstleister führte zum Koffer-Chaos

Air Berlin, damals größter Nutzer am Flughafen Tegel, hatte Ende März 2017 den Bodendienstleister gewechselt. Anstelle der Wisag übernahm nun AeroGround das Verladen von Koffern und Taschen aus den Flugzeugen der Airline. Doch der Routinevorgang endete im Fiasko. Mit dem Dienstleisterwechsel häuften sich die Beschwerden von Passagieren massiv, die lange auf ihr Gepäck warten mussten oder es gar nicht ausgeliefert bekamen. Das Chaos bei der Be- und Entladung der Koffer führte zu großen Verspätungen im gesamten Air-Berlin-Netz.

Schuld war offenbar, dass AeroGround bis dato kaum Erfahrung mit der Gepäckabfertigung in Tegel hatte. Die entsprach in keiner Weise mehr dem modernen Standard. Technik und Infrastruktur waren und sind völlig überaltert. Anders als an vielen anderen Airports wird bei der Abfertigung in Tegel bis heute fast alles per Hand erledigt. Ein Umstand, für den AeroGround nicht ausreichend gerüstet war. Das Unternehmen hatte zu wenige Mitarbeiter im Dienst. Die Firma hingegen erklärte, nicht allein das Desaster zu verantworten. Air Berlin selbst habe eine erhebliche Mitschuld getragen. Denn mit dem Wechsel zum Sommerflugplan hätte die Fluggesellschaft nicht nur die Zahl der Flüge in Tegel deutlich erhöht, sondern unrealistische Umsteigezeiten von 30 Minuten eingeplant. Ohne eine automatische Gepäcksortieranlage sei das nicht zu schaffen.

Kurze Zeit später meldete Air Berlin Insolvenz an

AeroGround gelobte dennoch Besserung, schickte zusätzliche Mitarbeiter und Material nach Tegel. Doch der Zustand änderte sich nicht wirklich. Als die Situation auch im Juli noch nicht entspannter war, ließ Air Berlin einen Teil seiner Flüge wieder von der Wisag abfertigen. Nur kurz darauf bekamen die Probleme der Airline ganz andere Dimensionen: Am 15. August 2017 meldete Air Berlin Insolvenz an.

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