Corona-Folgen

Supermärkte: Hamsterkäufe nehmen in Berlin wieder zu

Vor allem Klopapier wird mitgenommen. Allerdings bleiben die Regale dieses Mal wohl kaum lange leer. Die Supermärkte sind vorbereitet.

Ein Mann verlässt mit einem Einkaufswagen voller Küchenrollen und Toilettenpapier im März 2020 einen Supermarkt in Tempelhof (Archivbild).

Ein Mann verlässt mit einem Einkaufswagen voller Küchenrollen und Toilettenpapier im März 2020 einen Supermarkt in Tempelhof (Archivbild).

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Es sind Szenen, die an den Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland erinnern. Fast im Sekundentakt verlassen Menschen mit Toilettenpapierpaketen am Montagmittag den Rewe-Markt an der Sophie-Charlotten-Straße in Charlottenburg. Das entsprechende Regal im Inneren ist leer. „Bitte kaufen Sie nur haushaltsübliche Mengen“, steht auf einem dort angebrachten Zettel. Auch die Regale mit Nudeln und Konserven sind deutlich ausgedünnt.

Zweites Beispiel: Am Freitagnachmittag verlassen die meisten Kunden den Lichtenberger Bahnhof mit Toilettenpapier unter dem Arm. Allerdings sind die Regale der Edeka- und Rossmann-Filiale voll. In letzterer steht die Tür zum Lager auf, das bis unter die Decke mit Toilettenpapier-Paketen gefüllt ist. Im Penny gegenüber steht neben dem vollen Regal die gleiche Menge an Toilettenpapier auf einer Palette. Und das entsprechende Regal im Rewe, der wenige Hundert Meter entfernt an der Weitlingstraße liegt, ist zwar tatsächlich leer. Der Nachschub steht allerdings ebenfalls auf einer Palette bereits daneben und wartet darauf, dass ein Mitarbeiter sie einräumt. Die Unternehmen haben offensichtlich vorgesorgt.

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Hamsterkäufe in Berlin: "Menschen versuchen, vorsichtig zu sein"

„Die Warenversorgung ist stabil“, sagt eine Sprecherin von Deutschlands größtem Lebensmitteleinzelhändler Edeka. „Die Lieferketten arbeiten problemlos, und es sind ausreichend Lagerbestände vorhanden.“ Die waren allerdings im Frühjahr nicht das Problem, sondern vielmehr die Logistik. Die habe sich nun allerdings auf die Nachfrage eingestellt, so die Edeka-Sprecherin weiter. Die sei in einigen Bereichen in den vergangenen Wochen auf hohem Niveau gewesen. „ Es gibt aus unserer Sicht keinen Grund, zusätzliche Vorräte anzulegen.“ Wenn jeder nur das kaufe, was er brauche, sei auch genug für alle da.

Beim Branchenzweiten, der Rewe-Gruppe, stellt man nach eigenen Angaben keine signifikante Veränderung fest. „Die bundesweite Lage in unseren mehr als 5500 Rewe- und Penny-Märkten ist im Hinblick auf die Kundennachfrage nach wie vor normal“, sagt Sprecherin Kristina Schütz auf Anfrage. Die Drogeriekette dm hat sich laut Geschäftsführer Sebastian Bayer auf eine erhöhte Nachfrage an Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und Seife eingestellt. Es sei ausreichend Ware vorhanden. Man habe andere Frühwarnsysteme als im Frühjahr. „So konnten wir uns in den letzten Wochen und Monaten konsequent darauf vorbereiten, und wir gehen ganz anders in diese zweite Pandemiewelle, was die Warenversorgung anbelangt, als wir in der ersten Pandemiewelle aufgestellt waren“, sagt Bayer.

„Auch wenn Menschen keine besondere Haltung zu der Corona-Krise haben, merken sie einfach, dass ihre nahe Zukunft wieder unsicherer wird und versuchen, vorsichtig zu sein“, sagt Peter Walschburger, emeritierte Professor für Psychologie an der Freien Universität Berlin. Denn in diesen Zeiten blicke man mit Sorge in die Zukunft. Das Verhalten sei nicht immer logisch, sondern beginne in gewisser Weise wie eine Mode oder ein Trend und erhalte über die Medien eine besondere Aufmerksamkeit und Verstärkung. „Wenn mal jemand anfängt, vermehrt ein Produkt wie Klopapier zu horten, machen andere mit.“ Und wenn es knapp werde, greife man lieber noch mal zu.

Möglicherweise wieder Schlangen und Einlassstopps

Ab Montag soll in Berlins Supermärkten auch die Anzahl der Kunden wieder beschränkt werden. Dann darf maximal eine Person pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche eingelassen werden. Das hatte bereits im Frühjahr vor einigen Supermärkten zu langen Schlangen geführt. „Grundsätzlich lassen wir in unsere Märkte nur so viele Kunden, wie es nach behördlichen Angaben zugelassen ist“, sagt die Edeka-Sprecherin. Dabei werde der Mindestabstand von Kunden untereinander sowie zu Mitarbeitern eingehalten.

„Wo der Kundenzulauf dies notwendig macht, beschränken wir den Zugang zu den Märkten“, sagt Rewe-Sprecherin Schütz. Dies könne sowohl durch Einlasskontrollen als auch durch die Beschränkung der Anzahl der Einkaufswagen und -körbe geschehen. Die konkrete Entscheidung liege immer bei der für den jeweiligen Markt zuständigen Behörde. Von Christoph Werner, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung, heißt es, dass die Teams vor Ort die Einhaltung der Regel sicherstellen würden.