Corona-Pandemie

Krankenhäuser schlagen Alarm: Im Dezember sind Betten voll

Berlins Krankenhäuser schlagen Alarm: Wenn die Zahlen weiter steigen, werden die Kapazitäten auf den Intensivstationen im Dezember eng.

Die Intensivstationen in Deutschland verzeichnen immer mehr Corona-Patienten.

Die Intensivstationen in Deutschland verzeichnen immer mehr Corona-Patienten.

Foto: Fabian Strauch / dpa

Berlins Krankenhäuser bereiten sich intensiv auf steigende Zahlen von schwerkranken Covid-19-Patienten vor. Die Kliniken haben Stresstests durchgeführt und verschiedene Szenarien entwickelt, wie sie mit dem erwarteten Andrang zusätzlicher Corona-Opfer umgehen können. Darüber haben Krankenhausvertreter am Mittwoch mit Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) beraten.

„Die Infektionszahlen explodieren, im Nachgang sehen wir die Entwicklung in den Krankenhäusern“, sagte Marc Schreiner, Chef der Berliner Krankenhausgesellschaft, der die Betreiber vertritt. Bei der Belegung der Intensivbetten sei man jetzt schon allmählich an den Höchstständen aus der ersten Corona-Welle aus dem Frühjahr dran. Vor allem das verfügbare Pflegepersonal sei der Engpass.

In wenigen Wochen könnten die Kliniken vor allem auf den Intensivstationen in eine „schwierige Phase“ kommen, warnte Schreiner: „Anfang Dezember könnte es kritisch werden in den Häusern, was die Personalsituation betrifft.“ Ob dann die bereits eingerichtete Not-Klinik auf dem Messegelände helfen könne, sei offen. Schließlich brauche man auch dafür Personal, was aber eben in den Häusern knapp sei. Appelle an Freiwillige mit Pflegeerfahrung oder ehemalige Mitarbeiter hülfen wenig, weil eben besonders qualifizierte Fachkräfte für die Intensivpflege gebraucht würden, sagte Schreiner.

Interaktive Übersicht: Unser Klinik-Monitor zeigt, in welchen Kliniken COVID-19-Patienten behandelt werden - und die aktuelle Auslastung der Intensivstationen: Wo noch Intensivbetten frei sind

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Corona in Berlin: Pflegekräfte werden geschult

Die Krankenhäuser seien dabei, anderes Pflegepersonal vorzubereiten, um auf den Intensivstationen einsetzbar zu sein. Viele Häuser schulten Pflegekräfte aus anderen Abteilungen etwa im Umgang mit Beatmungsgeräten. Schreiner geht davon aus, dass Pflegerinnen und Pfleger aus anderen Stationen abgezogen werden müssten, um Covid-Patienten zu versorgen. Planbare Eingriffe und Behandlungen müssten dann wie schon im Frühjahr wieder verschoben werden.

„Das ist aus medizinischer und aus ethischer Sicht sehr schwierig“. Schreiner forderte, wegen der besonderen Infektionsdynamik in Berlin brauche es im Stadtstaat noch weitergehende Maßnahmen, als sie auf der Bundesebene verabredet würden. „Andernfalls sind die Krankenhäuser zeitnah voll.“ Die Krankenhäuser haben bereits die Fühler ausgestreckt, um im Fall der Fälle Berliner Patienten auch in Kliniken in weniger belasteten Regionen wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern unterzubringen.

Derzeit liegen in Berlin 581 Personen in Folge einer Corona-Infektion im Krankenhaus, die Zahl hat sich binnen zehn Tagen verdoppelt. 151 davon werden intensivmedizinisch betreut, 132 davon müssen beatmet werden. Sechs Menschen hängen an so genannten ECMO-Maschinen, wo ihr Blut künstlich mit Sauerstoff angereichert wird.

Charité meldet Auslastung von 75 Prozent

Einige Krankenhäuser haben schon begonnen, Betten frei zu halten und planbare Behandlungen zu verschieben. Die Charité meldet eine Auslastung von 75 Prozent. Normalerweise sind die 3000 stationären Betten des Universitätsklinikums zu 90 Prozent belegt.

Die Krankenhäuser fordern von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dringend mehr Flexibilität beim Einsatz ihres Personals. Mehr Bewegungsfreiheit benötigen die Häuser laut Schreiner auch, weil sie dabei seien, nach dem Vorbild der Corona-Teststellen Impfstationen aufzubauen. Ab dem Jahreswechsel könnten die ersten Impfstoffe verfügbar sein.

Die Verordnung, die eine bestimmte Mindestbesetzung mit Pflegekräften für die meisten Stationen vorsieht, müsse wie im Frühjahr ausgesetzt, die Fachkräfte von bürokratischen Pflichten wie etwa bei der Dokumentation ihrer Arbeit entlastet werden. Bisher habe das Gesundheitsministerium aber nicht auf die Rufe der Krankenhäuser gehört, klagte der Chef der Berliner Krankenhausgesellschaft. Dabei seien die Erfahrungen aus dem März und April positiv, es sei nicht bekannt, dass irgendwelche Kliniken mit den flexibilisierten Einsatzmöglichkeiten ihrer Pflegekräfte Schindluder getrieben hätten.

Finanzierung hängt noch in der Luft

Marc Schreiner warnt, die Lage könne sich ohne ein Aussetzen der Untergrenzen für Pflegekräfte weiter verschärfen. Denn mit dem neuen Jahr sollen für weitere Fachbereiche in den Kliniken die Mindestbesetzungen auf den Stationen gelten.

Auch die Finanzierung des Kampfes der Krankenhäuser gegen die zweite Corona-Welle hängt derzeit noch in der Luft. Die Pauschalen, die die Bundesregierung den Kliniken als Ausgleich für die wegen Corona frei gehaltenen Betten gezahlt hatte, sind Ende September ausgelaufen. Damit habe die Regierung die Pandemie quasi für beendet erklärt, so die Krankenhausgesellschaft. Es sei nun dringend nötig, Systeme zu schaffen, die die Kliniken bis ins nächste Jahr hinein zu finanzieren.