Karriere

Landesbranddirektor will oberster Feuerwehr-Lobbyist werden

Der wichtigste Interessensverband der Branche steckt in der Krise. Berlins Behörden-Leiter Karsten Homrighausen will Präsident werden.

Strebt eine zusätzliche Aufgabe an: Landesbranddirektor Karsten Homrighausen.

Strebt eine zusätzliche Aufgabe an: Landesbranddirektor Karsten Homrighausen.

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services

Berlins Feuerwehr-Chef, Landesbranddirektor Karsten Homrighausen, strebt eine weitere Aufgabe an. Homrighausen bestätigte, für das Amt des Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) zu kandidieren. Der DFV gilt als die wichtigste nationale Interessenvertretung der rund 1,3 Millionen Angehörigen der Berufs- und freiwilligen Feuerwehren in Deutschland.

„Ich habe mich nicht um die Kandidatur gerissen, bin aber von verschiedenen Seiten darum gebeten worden“, sagte Homrighausen der Berliner Morgenpost. Er wolle die Aufgabe aber nur ehrenamtlich ausüben. Seinen Posten als Berliner Landesbranddirektor werde er behalten. Die Senatsverwaltung für Inneres habe keine Einwände gegen die Kandidatur.

Rechtsextremist Björn Höcke durfte ein Grußwort halten

Der bisherige Präsident des DFV, Hartmut Ziebs, war Ende vergangenen Jahres von dem Posten zurückgetreten. Der Verband hatte zuletzt weniger als wirkmächtiger Lobbyverband, sondern eher mit internen Querelen von sich reden gemacht.

Für Schlagzeilen hatte vor allem gesorgt, dass der Protagonist des rechtsnationalen AfD-Flügels, der Rechtsextremist Björn Höcke, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der thüringischen AfD-Fraktion bei einer Veranstaltung des thüringischen Landesverbandes des DFV im September dieses Jahres ein Grußwort halten durfte.

Der DFV habe sich zuletzt zu sehr mit sich selbst befasst und schaffe es zu wenig, seiner eigentlichen Aufgabe gerecht zu werden, „nämlich die Interessen der Feuerwehrangehörigen wirkungsvoll zu vertreten“, sagte Homrighausen. „Es ist ein Neuanfang nötig, und ich traue mir diesen zu.“

Er sei nicht nur nur in Berlin bekannt, sondern auch bundesweit so gut vernetzt, dass er die Interessen der Feuerwehr auch auf der nationalen Ebene zeitnah gut vertreten könne. „Der Auftritt von Höcke hätte vermieden werden müssen“, sagte Homrighausen. „Denn: Wer nicht auf dem Boden unserer Verfassung steht, hat bei der Feuerwehr nichts zu suchen.“

Gewerkschaft der Polizei begrüßt die Kandidatur

Homrighausen, geboren 1968, steht der Berliner Feuerwehr seit August 2018 als Nachfolger des früheren Landesbranddirektors Wilfried Gräfling vor. Die auch für die Feuerwehr zuständige Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte seine Kandidatur für das Präsidentenamt beim DFV. Einen besseren Kandidaten gebe es nicht. „Er bringt große Expertise mit, leitet Deutschlands größte Berufsfeuerwehr und würde dem Verband definitiv gut tun“, sagte Berlins GdP-Sprecher Benjamin Jendro.

Die Wahl zum Präsidenten hätte eigentlich bereits am vergangenen Sonnabend bei einer Delegiertenversammlung im hessischen Fulda erfolgen sollen. Wegen der Corona-Pandemie wurde das Treffen abgesagt.

Nun soll die Wahl virtuell erfolgen, voraussichtlich am 19. Dezember dieses Jahres. Neben Homrighausen kandidieren auch der Vorsitzende des niedersächsischen Landesfeuerwehrverbandes, Karl-Heinz Banse, sowie der Vizepräsident des LFV Brandenburg, Frank Kliem, für das Amt des DFV-Präsidenten. Homrighausen werden gute Chancen eingeräumt, das Rennen zu gewinnen.