Corona-Pandemie

Umsatz im Berliner Gastgewerbe bricht ein

Bei Hotels und Gaststätten in Berlin ging das Geschäft bis August um 45 Prozent zurück. Das hat Folgen für die Mitarbeiter.

Im Berliner Gastgewerbe brach der Umsatz zwischen Januar und August deutlich ein. Mitarbeiter verloren deshalb ihren Job.

Im Berliner Gastgewerbe brach der Umsatz zwischen Januar und August deutlich ein. Mitarbeiter verloren deshalb ihren Job.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Berlin. Das Gastgewerbe in der deutschen Hauptstadt hat die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie im bisherigen Verlauf des Jahres deutlich zu spüren bekommen. Der Umsatz der Branche brach zwischen Januar und August im Vergleich zum Vorjahr um 44,9 Prozent ein, teilte das Amt für Statistik am Dienstag mit. Die größten Einbußen verzeichnete den Daten zufolge das Beherbergungsgewerbe mit einem Rückgang von 56,6 Prozent zu 2019. Bei Restaurants, Gaststätten und Imbissstuben schrumpfte das Geschäft um 38,1 Prozent. Cateringbetriebe machten 35,6 Prozent weniger Umsatz.

Die schlechten Geschäfte wirkten sich auch unmittelbar auf die Beschäftigten aus. Restaurants und andere Gaststätten trennten sich den Zahlen zufolge zwischen Januar und August von jedem siebten Mitarbeiter (14,1 Prozent). Beherbergungsbetriebe wie Hotels bauten in dem Zeitraum 6,5 Prozent ihrer Beschäftigten ab. Insgesamt verzeichnete das Gastgewerbe in den ersten acht Monaten des Jahres einen Mitarbeiterschwund von 11,7 Prozent.

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Senat hält an Sperrstunde fest - Diskussionen um zweiten Lockdown

Berlins Finanzsenator Mattias Kollatz (SPD) erklärte am Dienstag, der Senat werde weiterhin trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage der Branche an der Sperrstunde für Bars und Restaurants festhalten. Gegen die vor zweieinhalb Wochen von der Landespolitik verhängte Schließzeit hatten Gastronomen zuvor geklagt. Das Haus von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) arbeite nun an einer rechtssicheren Umsetzung der Verordnung, so Kollatz.

Bundesweit wird dem Vernehmen nach zudem über einen weiteren Teil-Lockdown für gastronomische Betriebe diskutiert. Bereits im März und April waren Bars, Cafés und Restaurants zeitweise geschlossen. Lediglich ein Außer-Haus-Verkauf war erlaubt. Auch Übernachtungen in Hotels zu touristischen Zwecken hatte die Politik verboten.

Dehoga hält Überlegungen zu neuem Lockdown für „überzogen“

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Berlin kritisierte am Dienstag Überlegungen zu möglichen neue Beschränkung für Bars und Restaurants scharf. „Wir halten einen weiteren Lockdown für komplett überzogen. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die steigenden Infektionszahlen aus unseren Betrieben stammen“, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder der Berliner Morgenpost.

Bevor es zu behördlich angeordneten Schließungen kommen könne, müsse die Politik Nachweise für ein großflächiges Infektionsgeschehen im Gastgewerbe benennen. „Der kann unseres Erachtens nach aber nicht erbracht werden“, so Lengfelder weiter. Falls es dennoch zu einem neuerlichen Lockdown kommen sollte, seien umfangreiche wirtschaftliche Hilfen nötig. Lengfelder nannte die komplette Übernahme aller Fixkosten als Beispiel.

IHK für weitere Verschärfungen im privaten Umfeld

Bei etwaigen weiteren Einschränkungen hält es die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin für geboten, dass sich die Politik konkret daran orientieret, wo die meisten Infektionen stattfinden. „Wenn die meisten Neuinfektionen im privaten Umfeld auf Partys oder bei Familienfeiern geschehen, dann wäre es folgerichtig, dort mit weiteren Verschärfungen anzusetzen, statt die Wirtschaft in einen schleichenden Lockdown zu treiben“, sagte Kammer-Hauptgeschäftsführer Jan Eder der Morgenpost.

Aufgrund der sehr gewissenhaften Umsetzung von Hygieneplänen in den meisten Berliner Unternehmen habe in den vergangenen Monaten vermieden werden können, dass sich beispielsweise Gaststätten oder Einzelhandelsunternehmen zu Pandemietreibern entwickelten, so Eder weiter. „Jede zusätzliche Einschränkung muss gut begründet werden, damit sie akzeptiert und vor allem eingehalten wird“, erklärte er. Bei einem erneuten Lockdown sollte der Senat auch weitere Überbrückungshilfen auflegen, mit denen die Unternehmen dann die weiterlaufenden Fixkosten decken können, so Eder.

Wirtschaftssenatorin Pop ließ am Dienstag mitteilen, sie wisse, dass die aktuelle Situation großen Druck auf die Branchen und das wirtschaftliche Geschehen insgesamt ausübe. „Angesichts weiter hoher Infektionszahlen stehen wir erneut vor großen Herausforderungen, denen wir nur mit einem gemeinsamen entschlossenen Handeln begegnen können, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft möglichst gering zu halten beziehungsweise abzupuffern“, sagte Pop. Werden von der Politik weitere Einschränkungen beschlossen, müssten diese mit weiteren Hilfsprogrammen des Bundes flankiert werden, forderte die Grünen-Politikerin.

Pandemie wirkt sich auch auf Berliner Außenhandel aus

Dem Amt für Statistik zufolge hat die Corona-Krise auch direkte Folgen für den Berliner Außenhandel. Seit Januar fielen die Ausfuhren um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, die Einfuhren gingen um 4,3 Prozent zurück. Die rückläufige Entwicklung beim Export sei schmerzlich für die Berliner Wirtschaft, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), Christian Amsinck, am Dienstag. Vor allem die Industrie leide darunter, aber auch viele Dienstleister und Zulieferer. Verantwortlich dafür seien in erster Linie die Folgen der Pandemie.

„Hinzu kommt der intensive Strukturwandel vor allem in der Autoindustrie. Der Warenaustausch mit den USA wird zusätzlich durch die Handelskonflikte beeinträchtigt. Das ist ein Einschnitt, denn über viele Jahre waren die USA einer der wichtigsten Handelspartner für Firmen aus der Hauptstadt“, so Amsinck weiter. Für die Berliner Unternehmen stehe jetzt an erster Stelle, dass die Grenzen offen blieben. Es dürfe nicht wieder zu Beschränkungen kommen, die die Lieferketten störten und grenzüberschreitendes Pendeln unmöglich machten.