TXL-Schließung

Flughafen Tegel: Warum die Natur dort so besonders ist

In zwölf Tagen schließt der Airport. Auf dem Gelände leben seltene Tiere und brüten zahlreiche Vögel. Die stört der Fluglärm gar nicht.

Der Flughafen Tegel zeichnet sich besonders durch seine Offenlandschaften aus.

Der Flughafen Tegel zeichnet sich besonders durch seine Offenlandschaften aus.

Foto: Uta Keseling

Berlin. Auf den ersten Blick wirkt ein Flughafen nicht wie ein besonders geeigneter Lebensraum für Tiere. Zumindest zu normalen Zeiten starten und landen dort täglich Hunderte Flugzeuge, Maschinen rollen mit weit mehr als 200 Kilometern pro Stunde über die Startbahn, und bei all dem ist es auch noch ziemlich laut. Dennoch sind auf dem Flughafen Tegel zahlreiche, auch seltene Arten zu Hause. „Vögel gewöhnen sich an die optischen und akustischen Reize der Flugzeuge. Sie lernen, dass keine Gefahr von ihnen ausgeht“, erklärt Janna Einöder, Pressereferentin beim Naturschutzbund Berlin (Nabu).

Es sind die Grünflächen zwischen und an den Rollbahnen, die eine „einmalige artenreiche Flora und Fauna“ beherbergen, wie Einöder sagt. Das hängt vor allem auch mit der Geschichte von Tegel zusammen. „Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurden größere Flächen in der damaligen Jungfernheide abgeholzt und als militärischer Schießplatz genutzt“, erklärt die Referentin. Danach folgten weitere Nutzungen, bevor der Flugplatz entstand. Auf die militärische Vergangenheit führt der Nabu auch die Artenvielfalt zurück. „Diese Truppenplätze sind auch in anderen Bereichen Deutschland weiterhin Biodiversität-Hotspots, weil sie durch die langjährige Nutzung waldfreie Gebiete entstehen lassen“, sagt Einöder. Zudem seien die Flächen über Jahrzehnte nicht gedüngt worden.

Elf Arten von der Roten Liste brüten auf dem Flughafen Tegel

Charakteristisch für den Flughafen Tegel sind die Offenlandschaften, aber auch, dass verschiedene Biotope nebeneinander entstanden sind. „Die Offenlandschaften des Flughafens sind nährstoffarm, und es haben sich dort Trockenrasen und Heideflächen entwickelt“, so die Referentin. „Diese Biotoptypen sind selten geworden, da sie zumeist schnell zuwachsen. Daher haben sie eine große Funktion für die biologische Vielfalt.“ Denn dorthin würden sich meist selten gewordene Tiere zurückziehen.

Nach Angaben des Nabu brüten auf dem Flughafen elf Vogelarten, die auf der Rote Liste vom Bundesamt für Naturschutz stehen. Hervorzuheben sei die Feldlerche, „Fast ein Fünftel der gesamten Berliner Feldlerchen-Population brütet hier“, sagt Einöder. Hinzu komme der Wendehals, das Braunkehlchen oder der seltene Steinschmätzer. Weiterhin sind auf dem Gelände laut Nabu 17 Heuschrecken- sowie 159 Pflanzenarten zu finden.

Die Natur auf dem Flughafen, die Tegeler Stadtheide, soll deshalb auch in Zukunft erhalten bleiben. Der Nabu fordert, das Gebiet mit dem nahen Flughafensee sofort als Naturschutzgebiet auszuweisen, bei einer Petition wurden bislang mehr als 2500 Unterschriften gesammelt. Auch die Senatsumweltverwaltung arbeitet seit Jahren daran, die Flächen unter Schutz zu stellen. Ein Landschaftskonzept gibt es bereits. Demnach sollen die blütenreichen Trocken- und Magerrasen gezielt gefördert, die Heidebiotope erhalten oder sogar ausgedehnt werden. Bis der Prozess, das Gebiet unter Naturschutz zu stellen, abgeschlossen ist, wird es aber wohl noch mehrere Jahre dauern.