Corona-Pandemie

Berliner Schulen warten noch auf CO₂-Messgeräte

Der erste Schultag nach den Berliner Herbstferien verlief ruhig – doch an manchen Schulen lassen sich Fenster zum Lüften nicht öffnen.

Die Maske soll in den Schulen die Ausbreitung des Coronavirus so gut es geht verhindern.

Die Maske soll in den Schulen die Ausbreitung des Coronavirus so gut es geht verhindern.

Foto: Moritz Frankenberg / dpa

Berlin.  Wie lief der erste Schultag? Rund 365.000 Berliner Kinder und Jugendliche kehrten in die Schulen zurück – auch wenn die Pandemielage in der Stadt deutlich schlechter geworden ist im Vergleich zum Ferienbeginn. „Uns ist wichtig, dass die gesunden Kinder beschult werden“, betonte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) noch am Morgen im Inforadio. Und bekräftigte ihre Überzeugung, die wissenschaftlich unterlegt sei: „Schulen sind kein Hotspots.“

Damit sie auch in den kommenden Tagen zu keinen werden, wird in den Klassenzimmern regelmäßig gelüftet. CO₂-Messgeräte sollen als Lüftungswegweiser helfen, um sich zu orientieren. Zwischen drei und fünf dieser Geräte stehen jeder Schule zur Verfügung. „Die Schulen werden in dieser Woche mit CO₂-Messgeräten ausgestattet, das bezieht auch die freien Schulen mit ein“, heißt es aus der Senatsverwaltung für Bildung. Rund 2500 seien für die allgemeinbildenden öffentlichen Schulen vorgesehen, 320 für die privaten, 500 für die beruflichen Schulen und weitere 150 für die privaten beruflichen Schulen.

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Schulhausmeister sollen CO₂-Messgeräte beim Bezirksamt abholen

Allerdings – angekommen sind die Messgeräte in vielen Bezirken noch nicht. „Wir warten noch darauf, aber sobald sie da sind, werden sie natürlich umgehend verteilt“, so die Neuköllner Pressesprecherin Bärbel Ruben. „Die Geräte sind ja nicht allzu groß und können problemlos von den Hausmeistern abgeholt werden.“ In Mitte bestätigt Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU), dass auch hier die Geräte zeitnah eintreffen sollen. Anders in Spandau, dort trafen 180 CO₂-Messgeräte am Montagmittag ein, müssen nun von den Schulen abgeholt werden.

Doch an der Carlo-Schmid-Oberschule in Spandau werden diese Messgeräte wohl kaum weiterhelfen. „Wir haben einige Räume, die nur Oberfenster haben oder Fenster, die wir gar nicht öffnen können, weil sie kaputt sind“, berichtet Bärbel Pobloth, die Leiterin der Sekundarschule. „Lüften ist bei uns deshalb nicht so einfach.“

Carlo-Schmid-Oberschule: Luftfilter wieder abgebaut

Umso glücklicher war man deshalb, zu einer der drei Schulen zu gehören, an denen ein Hepa-Luftfilter getestet wurde. Die Erfahrung aus der Testphase war gut. „Wir wären froh, wenn wir mehrere dieser Luftfilter haben könnten“, sagt die Schulleiterin. Gerade weil die Lüftungssituation in manchen Räumen problematisch sei. Leider wurde der Luftfilter nach der 14-Tage-Testphase wieder abgebaut. Das Gerät ist weg. Ob die Schule noch mal eins bekommt, ist laut Schulleiterin unklar.

Die Geräte seien für die Erprobung nur geliehen gewesen, heißt es aus der Senatsverwaltung für Bildung. „Zeitnah wird nun entschieden, ob solche Geräte zumindest in bestimmten Räumen, in denen nur erschwert Durchzug herstellbar ist, zum Einsatz kommen“, erläutert Martin Klesmann, Sprecher der Bildungsverwaltung. Denn die Rückmeldungen aus den drei Schulen sind positiv – die Geräte seien „alltagstauglich“, nicht zu laut und „platzsparend“.

"Der Pilotversuch mit den HEPA-Filtern hat aufgezeigt, dass diese alltagstauglich für den Schulbetrieb sind", sagt nun der bildungspolitische Sprecher der Berliner FDP-Fraktion Paul Fresdorf. "Nun müssen im ersten Schritt Unterrichtsräume, bei denen keine andere ordentliche Lüftung möglich ist, so schnell wie möglich mit diesen Filtergeräten ausgestattet werden."

„Wir haben zu viele Schulen, wo die Fenster nicht geöffnet werden können“

Enrico Berndt, Vorsitzender im Bezirkselternausschuss, ist empört, dass es noch keine Luftfilter für Spandaus Schulen gibt. Denn nicht nur die Carlo-Schmid-Oberschule habe Probleme beim Lüften. „Wir haben zu viele Schulen, wo die Fenster entweder gar nicht geöffnet werden können oder nur so weit, dass man einen Spalt hat“, erzählt er. Eine Sprecherin des Schulamts verweist darauf, dass Fensterprobleme von der Serviceeinheit Facility-Management des Bezirksamt priorisiert abgearbeitet werden sollen. Das Schul- und Sportamt habe die dortigen Mitarbeiter „diesbezüglich sensibilisiert und auf die Dringlichkeit der Bearbeitung hingewiesen“, heißt es.

Das zweite Thema – neben Lüftung – waren die Masken. Das Beethoven-Gymnasium steht in Lankwitz im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Die Schüler hier gingen sehr verantwortungsvoll mit den neuen Regeln um, sagt die dortige Schulleiterin Gunilla Neukirchen. Selbst die Schüler der Mittelstufe trügen schon länger freiwillig eine Maske.

Beethoven-Gymnasium: Einige Schüler in Quarantäne

Damit geht man an diesem Gymnasium weiter, als der Corona-Stufenplan verlangt – eigentlich stehen Berlins Schulen ja alle auf Gelb. Heißt: Maske nur für die Oberstufe. Allerdings weiß man in der Schulgemeinschaft, wie gefährlich nah das Virus ist. Eine Handvoll Schüler fehlte nach den Herbstferien. „Die Schüler wurden entweder positiv auf Covid-19 getestet oder befinden sich in Quarantäne“, sagt Neukirchen. Eine Schülerin sei allerdings erst elf Tage nach dem Kontakt mit einer positiv getesteten Person angerufen worden. Viel zu spät.

Grundsätzlich übt die Schulleiterin, die auch Vorsitzende der Vereinigung Berliner Schulleiter ist, Kritik am Tempo der Senatsverwaltung für Bildung (SenBJF) – vieles hätte früher mitgeteilt werden müssen. Auch erführen sie manche Dinge eher zufällig auf der Webseite der SenBJF, etwa, dass Sport nach wie vor nur im Freien stattfinden könne. „Das ist uns nicht mitgeteilt worden.“

Manche Schulleiter fühlen sich „verschaukelt“ aufgrund der kleinen Anzahl von Geräten

Sie hätte es besser gefunden, wenn der Unterricht nach den Ferien in halber Klassenstärke begonnen hätte. Damit wären nicht nur die Klassen kleiner, sondern auch der Schulhof nicht so voll. Und nein, CO2-Messgeräte habe man noch keine. Andere Schulleiter im Bezirk fühlen sich genau wegen dieser Messgeräte regelrecht „verschaukelt“. Die Zahl der zugeteilten Geräte sei so klein, dass man damit kaum etwas anfangen könne.

In Neukölln, dem Bezirk mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz, ist man trotz allem gelassen. „Uns liegen derzeit schulbezogen nur ganz wenige Fälle von Neuinfektionen vor, es sind weniger als zehn“, erklärt die dortige Sprecherin Ruben. Alle Neuköllner Schulen sind in den Regelbetrieb gestartet – anders als vor den Ferien, wo einige Schulen den Unterricht vor Ort teilweise oder ganz einstellen mussten, weil die Zahl der Coronafälle zu hoch war. So wurde die komplette Mittel- und Oberstufe der Rütli-Schule nach Hause geschickt. Tim Lühning, Gesamtelternvertreter der Rütli-Schule, ist mit den Maßnahmen an der Schule weiterhin zufrieden, die Abstimmung mit der Schulleitung laufe gut. „Wir warten nun ab, wie sich die Situation entwickelt“, sagte er am Montag.

„Wir sind heute mit voller Besetzung in den Regelbetrieb gestartet“

Auch in Tempelhof-Schöneberg ist man guten Mutes, bislang gebe es keine vermehrt auftretenden Fälle. Aber: „Die Kinder kommen ja gerade aus den Ferien. Es kann natürlich sein, dass sich das in den nächsten Wochen ändert“, so Schul- und Gesundheitsstadtrat Oliver Schworck (SPD). An der Spreewald-Grundschule, die im Bezirk liegt, hat man zumindest gut begonnen. „Wir sind heute mit voller Besetzung im Regelbetrieb gestartet“, so Schulleiterin Nana Salzmann.