Flughafen Tegel

13 Tage vor Schluss: Reisestress statt Melancholie in Tegel

Kurz vor dem Aus von Tegel: Unser Autor fliegt und landet dort ein letztes Mal. Der Abschied vom Flughafen verläuft anders als gedacht.

Bald ohne Funktion: Der Tower des Flughafens TXL.

Bald ohne Funktion: Der Tower des Flughafens TXL.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Ich bin jetzt ein letztes Mal von Tegel gestartet und ein letztes Mal dort gelandet, und ich hatte mir das alles anders vorgestellt. Ergreifender, rührseliger, auch nostalgischer. Vor meinem geistigen Auge war ich noch einmal durch das sechseckige Terminal geschlendert, nur wenige Passagiere kreuzten meinen Weg.

Vielleicht würde ich in diesem einen Café vor der Anzeigetafel noch einen letzten Cappuccino trinken und einem Angestellten des Flughafens beim Reinigen der leeren Halle zusehen?

Kehraus in Tegel, der Letzte macht das Licht aus, und irgendwo dudelt leise Reinhard Meys „Über den Wolken“? So ungefähr hatte ich mir das vorgestellt. Aber es kommt ja nie so, wie man denkt.

Flughafen Tegel - mehr zum Thema:

Flughafen Tegel: Stimmung wie in einer Gruft

Geplant war ein einwöchiger Aufenthalt in einem kleinen Thermalkurort unweit von Venedig. Abflug mit Easyjet, EJU 5837 um 17.30 Uhr, Ankunft Venezia Marco Polo 19.15 Uhr. Kurz vor der Abfahrt fand ich heraus, dass ich von Terminal C abfliegen würde.

Mit dem wehmütigen Spaziergang durch das architektonisch reizvolle Hexagon würde es also nichts werden, stattdessen wartete die seelenlose, Mitte der 2000er-Jahre errichtete Abfertigungshalle auf mich. Das machte mir aber auch nicht mehr viel aus, als ich dort ankam.

Meine Laune war sowieso im Keller, was vor allem am Fahrstil des Taxifahrers lag. Ich bemerkte, wie leer es in der riesigen Halle war, wo ich schon so oft ein Gedränge wie auf Rockkonzerten erlebt hatte. Meine Schritte hallten wie in einer Gruft. Die Sicherheitsleute schienen gegenüber den Passagieren fast in der Mehrheit zu sein und nahmen ihren Job sehr ernst. Am Gate war keine Musik zu hören, es war angenehm still.

Coronavirus verschärft das Tempo

Und die Rückkehr? Sie ließ auch wenig Zeit für Abschiedsschmerz. Das Veneto war in der Zeit meines Urlaubs zum Corona-Risikogebiet erklärt worden. Ich sorgte mich also mehr darum, schnell zur nächstgelegenen Teststation zu kommen.

Also noch ein kurzer Blick auf die bunten Lichter der Landebahnen, ein kurzer Besuch auch einer der sensationell engen Toilettenkabinen, in denen ich noch jedes Mal über mein eigenes Gepäck gestolpert bin, auch diesmal. Mach’s gut, kleiner Flughafen!

Hier erhalten Sie das Magazin „Danke, Tegel!“

Die Berliner Morgenpost hat ein Sonder-Magazin herausgebracht, das sich ganz dem Flughafen Tegel widmet. Auf mehr als 100 Seiten zeigen wir die schönsten Bilder aus der Geschichte des Flughafens, bieten spannende Interviews mit Architekten, Piloten und Prominenten. Berlinerinnen und Berliner erzählen von den schönsten und skurrilsten Begebenheiten, die sie in Tegel erlebten. Der Preis liegt bei 8,90 Euro. Das Tegel-Magazin ist erhältlich im Handel und im Morgenpost-Shop unter: shop.morgenpost.de