Pleiten

Trotz Corona-Krise: Weniger Verbraucherinsolvenzen in Berlin

Die Zahl der überschuldeten Privatpersonen in Berlin ist um 20 Prozent gesunken. Auch die Zahl der Firmenpleiten ging zurück.

In Berlin sank die Anzahl der Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr um 20 Prozent. Auch die Firmenpleiten gingen zurück. In beiden Fällen dürfte die Zahl der Pleiten Experten zufolge in den kommenden Monaten aber zunehmen.

In Berlin sank die Anzahl der Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr um 20 Prozent. Auch die Firmenpleiten gingen zurück. In beiden Fällen dürfte die Zahl der Pleiten Experten zufolge in den kommenden Monaten aber zunehmen.

Foto: Alexander Heinl / dpa

Berlin. Trotz der konjunkturellen Talfahrt durch die Corona-Krise ist die Zahl der insolventen Verbraucher in Berlin im ersten Halbjahr deutlich zurückgegangen. Das teilte das Amt für Statistik am Montag mit. Demnach wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1671 Insolvenzverfahren gegen überschuldete Privatpersonen gezählt. Das seien 20 Prozent weniger gewesen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, so die Statistiker.

Die zahlungsunfähigen Privatpersonen häuften allerdings mehr Schulden an als noch vor einem Jahr. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger lagen mit 250,1 Millionen Euro gut ein Drittel über dem Vorjahresniveau (2019: 183,6 Millionen Euro). Vor allem Selbstständige häuften im ersten Halbjahr aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie mehr Schulden an. Zwar sei die Zahl der Überschuldungen aus selbstständigen Tätigkeiten um 3,6 Prozent auf 380 Personen zurückgegangen. Gleichzeitig sei die Höhe der offenen Forderungen aber um mehr als das Doppelte von 69,9 Millionen Euro auf 156,1 Millionen Euro gestiegen.

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Insolventer Berliner im Schnitt mit 46.400 Euro verschuldet

Bei den überschuldeten Verbrauchern ging die Summe der offenen Forderungen im ersten Halbjahr hingegen zurück. Nach 109,7 Millionen Euro im Vorjahr machten die Gläubiger in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 nur noch 57,4 Millionen Euro geltend. Damit habe die durchschnittliche Verschuldung je insolventem Verbraucher mit rund 46.400 Euro auch deutlich unter dem Vorjahreswert von 67.800 Euro gelegen, teilte das Amt für Statistik mit.

Die meisten Verbraucher-Pleiten zählten die Statistiker im ersten Halbjahr in den Bezirken Marzahn-Hellersdorf (156) und Lichtenberg (144). In beiden Bezirken häuften die überschuldeten Einwohner fast zwölf Millionen Euro Schulden an. In Pankow seien mit 64 zwar fast die wenigsten insolventen Verbraucher gezählt worden, die angehäuften Schulden lagen mit insgesamt 9,4 Millionen Euro aber an der stadtweiten Spitze. Die niedrigsten Forderungen pro Verbraucher verzeichnete Spandau mit 30.300 Euro.

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Bundesregierung will Restschuldbefreiung verkürzen

Als einen Grund für die insgesamt in Berlin gesunkenen Privatinsolvenzen sehen Insolvenzexperten auch die Diskussionen um neue Regeln für die sogenannte Restschuldbefreiung. Die Bundesregierung hatte bereits vor einigen Monaten beschlossen, die Zeit, in der Privatpleitiers zur Schuldenrückzahlung gezwungen sind, von drei auf sechs Jahre zu halbieren. Weil der Rechtsausschuss des Bundestages allerdings Bedenken äußerte, ist die eigentlich ab Oktober geplante Neuregelung bis heute nicht in Kraft getreten.

In der Aussicht, von den neue Vorgaben profitieren zu können, hätten allerdings viele Anwälte überschuldeten Mandanten empfohlen bis zum Oktober mit dem Anmelden einer Privatinsolvenz zu warten, sagte der Berliner Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus am Montag. Für die nächsten Monate rechne er mit einer deutlichen Steigerung der Privatinsolvenzen. Dazu könne auch beitragen, dass die vom Staat gezahlten Corona-Hilfen an Selbstständige nun aufgebraucht seien.

Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 7,1 Prozent zurückgegangen

Eine ähnliche Entwicklung erwarten Insolvenz-Fachleute auch bei der Zahl der Firmenpleiten. Die Bundesregierung hatte erst kürzlich die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende des Jahres verlängert. Wegen der Corona-Krise galt die Meldepflicht zuvor bereits seit März dieses Jahres nicht mehr. Durch die Pandemie in Schieflage geratene Firmen sollen so die Chance bekommen, sich mit Überbrückungshilfen und bei einem Wiederanziehen des Geschäfts selbstständig zu sanieren.

In Berlin ist deswegen im ersten Halbjahr auch die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 7,1 Prozent zurückgegangen. 685 Pleite-Firmen wurden nach Angaben des Amts für Statistik gezählt. Insgesamt standen die Betriebe mit 278,1 Millionen Euro in der Kreide. Das waren rund 200 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Laut Statistik wurden die meisten Insolvenzen im Wirtschaftsbereich Handel sowie Instandhaltung und Reparatur von Kfz gezählt (118). Es folgt das Baugewerbe (97), das Gastgewerbe (91) sowie die Branche Information und Kommunikation (47).

Charlottenburg-Wilmersdorf bei Firmenpleiten an der Spitze

Die meisten Unternehmen gingen in den ersten sechs Monaten des Jahres im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf pleite (134). 117 insolvente Unternehmen wurden für den Bezirk Mitte registriert. Am wenigsten von Insolvenzen betroffen war mit 22 Verfahren der Bezirk Spandau.