Umsatzeinbruch

Weihnachtsfeiern werden wegen Corona-Pandemie abgesagt

Das Weihnachtsgeschäft macht in Lokalen etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Wegen der Pandemie erleben viele Stornierungen.

Weihnachtsfeiern werden wegen Corona abgesagt.

Weihnachtsfeiern werden wegen Corona abgesagt.

Foto: ppa

Berlin/ Potsdam.  Weniger Platz, Angst vor Mitarbeiterausfall in den Betrieben und eine ständige Ungewissheit. Gastronominnen und und Gastronomen in Berlin und Brandenburg droht eine wichtige Einnahmesäule in einem bereits dramatischen Jahr wegzubrechen.

Edith Berlinger, Chefin des von Geschäftsleuten wie Dinner-Gästen frequentierten Restaurants „Rio Grande“ erlebt bei Buchungen von Weihnachtsfeiern derzeit den Totalausfall. „Üblicherweise haben wir zwischen dem 1. und 22. Dezember ständig Buchungen unterschiedlicher Größe.“ 2020 dagegen hat sie seit dem Sommer: Absagen. „Auch gibt es weder für die Weihnachtstage noch Silvester in diesem Jahr entsprechende Reservierungen“, sagt sie.

Immer gleich das ganze Restaurant gebucht

Im eleganten Lokal auf Wasserhöhe des Kreuzberger May-Ayim-Ufers ist ihr Lokal nahe den Bürokomplexen von Universal Music und Zalando gelegen, von wo vor Corona viele Business-Gäste kamen. Üblicherweise empfange sie zur Weihnachtszeit von dort Feiernde, aber auch jenes Internetunternehmen mit 120 Teilnehmern, das das Lokal vollständig bucht, mit Bewirtung und zum Ende hin: Tanz. 2020 gab es eine Absage.

Dabei hat Berlinger die Platzzahl von 120 auf 60 reduziert – „mit Abständen könnten die Gäste da durchaus feiern“. Aber das eigentliche Problem sei die Angst in den Firmenetagen. „Die Unternehmen trauen sich nicht, zu kommen“, so die Restaurant-Chefin. „Darum rufen bei uns seit geraumer Zeit die Sekretärinnen an und stornieren.“

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„Über uns schwebt ein Damoklesschwert“

Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab zudem, dass Firmen vor den sich ständig ändernden Verordnungen zurück schrecken. „Planungssicherheit gibt es aktuell nicht. Über uns schwebt jederzeit das Damoklesschwert schärferer Begrenzungen“, sagt Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Brandenburg.

Nach Lückes Schätzungen macht das Weihnachtsgeschäft in der Gastronomie etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus. „Das ist das Polster, was die Betriebe in der Nachsaison brauchen“, erklärt er. Deshalb komme die Branche nicht umher, kreative Lösungen zu finden. „Dann wird eben mal draußen vor der Gaststätte gegrillt“, so Lücke. Wichtig sei dass Gäste und Gastronomen in dieser besonderen Situation flexibel sind und sich gleichzeitig in Geduld üben. „Was jetzt noch völlig ausgebucht ist, kann in zwei Wochen schon wieder Plätze frei haben“, sagte er.

Dehoga-Chef Lücke wünscht sich „besseren Dialog mit der Branche“

Im Braugasthaus „Meierei“ in Potsdam jedoch gibt es bisher kaum Buchungen für die Feiertage – obwohl die Plätze um mehr als die Hälfte reduziert werden mussten. „Die Leute sind verunsichert. Wir hoffen aber, dass wir kurzfristig noch einige Buchungen reinbekommen“, so die Wirtin.

Dehoga-Chef Lücke wünscht sich von der Politik einen „besseren Dialog mit der Branche“. Bleibe es bei den derzeitigen Regeln, könne die Gastronomie in Brandenburg damit arbeiten. Neben Alternativen draußen hätten viele Gastwirte dort auch das Liefern oder den Abholservice in der Corona-Krise für sich entdeckt. „Da lässt sich drüber nachdenken, die Weihnachtsgans zu bestellen.“

Gesellig miteinander sitzen – mit Alkohol

„Wir hören von vielen Fällen, in denen Unternehmen erst einmal abwarten oder allenfalls eine sehr reduzierte Feier planen“, sagt indes Carsten Brönstrup, Sprecher der Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg (UVB). „Das kann sich aber kurzfristig ändern. Das Infektionsgeschehen ist ja sehr dynamisch.“

Allerdings sei das Wesen von Weihnachtsfeiern, gesellig miteinander zu sitzen, zudem mit Alkohol, schwer mit den aktuellen Verhaltensregeln während der Corona-Krise zu vereinbaren, so Brönstrup zur Berliner Morgenpost.

„Merkel-Appell war der letzte Stoß“

Unternehmen wollten Mitarbeiter nicht gefährden und dem Ausfall von Arbeitskräften rechtzeitig entgegentreten. Unter diesen Vorzeichen gebe es in den Betrieben Überlegungen, Alternativen zu finden. Ein Unternehmen etwa werde anstelle der großen Feier auf seinem Firmengelände einen Glühweinstand unter freiem Himmel und kurzfristige Wärmemöglichkeiten für das Team aufstellen. Eine „Weihnachtsfeier-to-go“ zu buchen sei dagegen kein geeigneter Ersatz. „Statt in der Gaststätte nun im Büro eng zusammen zu sitzen, macht keinen Unterschied“, so der UVB-Sprecher.

Seitens der Firmen hört „Rio Grande“-Besitzerin Berlinger, dass größere Treffen jetzt eben deren Pandemie-bedingten, internen Vorschriften widersprächen. „Für uns Gastronomen ist das sehr dramatisch.“

Jüngstes einschneidendes Ereignis sei der Appell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am vorvergangenen Wochenende gewesen. „Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause“, hatte die Regierungschefin gemahnt. Für die Gastronomie, so Wirtin Berlinger, sei das wohl endgültig „der letzte Stoß“ gewesen.