Razzia

Erdoğan verurteilt Razzia in Berliner Moschee

Nach der Durchsuchung einer vom Verfassungsschutz beobachteten Moschee in Kreuzberg kommt aus der Türkei Kritik.

Am Mittwoch durchsuchte die Polizei die Mevlana-Moschee in Kreuzberg.

Am Mittwoch durchsuchte die Polizei die Mevlana-Moschee in Kreuzberg.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Nach der Durchsuchung einer Moschee in Kreuzberg am Mittwoch kommt aus der Türkei harte Kritik. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan schrieb beim Kurznachrichtendienst Twitter: „Ich verurteile nachdrücklich die Polizeieinsätze in der Mevlana-Moschee in Berlin während des Morgengebetes“. Die Durchsuchung sei von Rassismus und Islamfeindlichkeit genährt, schreibt Erdoğan weiter. Insgesamt schrieb Erdoğan (16,8 Millionen Follower) drei Tweets zu dem Berliner Polizeieinsatz. Zuvor hatte die „Bild“ darüber berichtet.

Am Mittwochmorgen hatten das Landeskriminalamt (LKA) und Beamte einer Einsatzhundertschaft die Mevlana-Moschee an der Skalitzer Straße unweit des U-Bahnhofs Kottbusser Tor in Kreuzberg durchsucht. Die Polizei ermittelte wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug im Zusammenhang mit Corona-Hilfen.

Männer sollen unberechtigt Corona-Hilfen kassiert haben

Der Vorwurf: Drei Tatverdächtige sollen unberechtigt Corona-Hilfen in Anspruch genommen haben. Von den 70.000 Euro Corona-Hilfen wurden 46.000 Euro tatsächlich auch ausbezahlt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gingen die Zahlungen auf das Konto des Moscheevereins.

Brisant daran ist, dass die Mevlana-Moschee eine der größten Moscheen in Kreuzberg ist und auch als Treffpunkt von Anhängern der türkischen Milli-Görüs-Bewegung gilt. Der Verfassungsschutz rechnet die Bewegung dem sogenannten legalistischen Islamismus zu. Anhänger von Milli Görüs werden demnach nicht als gewaltbereit eingestuft. Nach Ansicht der Behörde streben sie aber eine Umgestaltung der Gesellschaft in Richtung eines islamistischen Gottesstaates an.

Dass Erdogan nun die Razzia als rassistisch brandmarkt, hat eine politische Dimension, da es sich bei der Mevlana-Moschee laut Sicherheitsbehörden eben nicht um ein ganz normales Gebetshaus handelt. In einer weiteren Nachricht schrieb der türkische Präsident, dass man weiter den Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Islamfeindlichkeit fortsetzen werde. Deutsche Sicherheitsbehörden beobachten indes mit Sorge, dass Einsätze wie an der Mevlana.Moschee gezielt als rassistisch verunglimpft werden, obwohl es klare Ermittlungsansätze und Verstöße gibt.