Flughafen Tegel

TXL: Das magische Sechseck und seine Vorbilder in der Natur

Das Tegel-Terminal hat eine markante Form - es ist ein Sechseck. Das ist besonders, denn auf der Welt gibt es kaum sechseckige Gebäude

Das berühmte sechseckige Terminal des Flughafens 1974 im Bau. Es ist eines der wenigen berühmten sechseckigen Gebäude in der Welt.

Das berühmte sechseckige Terminal des Flughafens 1974 im Bau. Es ist eines der wenigen berühmten sechseckigen Gebäude in der Welt.

Foto: Chris Hoffmann / dpa

Berlin. Mit der Schließung des Flughafens Tegel verliert auch das markante Terminal-Gebäude seine Funktion. Das berühmte Sechseck bot nicht nur für Fluggäste die Gelegenheit, praktisch bis fast zum Einstieg in das Flugzeug vorfahren zu können, es verkürzte den Wartenden auch die Zeit, in dem man immer im Kreis herum laufen konnte.

Das Sechseck stellt trotz seiner mehrfach bescheinigten Praktikabilität fast ein Unikum dar – denn es gibt auf der Welt kaum sechseckige Gebäude, was sich Architekturhistoriker gar nicht so recht erklären können. In der Natur gibt es zahlreiche Vorbilder dafür. Bienenwaben sind sechseckig und fügen sich so in einem Bienenstock zu einem stabilen Gesamtkunstwerk zusammen, das in alle Richtungen erweitert werden kann.

Viele Moleküle und Kristalle sind sechseckig

Diese Eigenschaft nutzen auch viele Moleküle, die sich in kleinen, aber unendlich vielen Sechsecken zusammenschließen können. Auch Kristalle sind sehr häufig in Sechsecken organisiert, ohne dass Wissenschaftler genau erklären können, warum das so ist.

„Magische Sechsecke“ sind gleich in zwei unterschiedlichen Disziplinen bekannt. In der Mathematik üben sie einen ewigen Zauber auf Zahlen-Interessierte aus. Dabei handelt es sich um eine sechseckige Anordnung von Zahlen, bei der die Summen aller Reihen in den drei Richtungen jeweils den gleichen Wert ergeben. Die identische Summe jeder Reihe wird „magische Zahl“ genannt.

Flughafen Tegel - mehr zum Thema:

Euklid beschrieb das Sechseck im 3. Jahrhundert vor Christus

Das Sechseck gehört zu den Konstruktionen, mit denen sich Wissenschaftler schon seit Jahrtausenden beschäftigen. Der griechische Mathematiker Euklid beschrieb die Konstruktion eines Sechseckes aus einem Kreis bereits im 3. Jahrhundert vor Christus. Viele Mythen ranken sich auch wegen der Zahlensymbolik um das Sechseck, in dem manche das Sechs-Tage-Werk der Schöpfung wiedergegeben sahen.

In der Wirtschaftswissenschaft bezeichnet das magische Sechseck einen Leitfaden, bei dessen Berücksichtigung die deutsche Wirtschaft erfolgreich in die Zukunft geführt wird. Die sechs Eckpunkte dabei lauten: hoher Beschäftigungsgrad, angemessenes Wirtschaftswachstum, stabile Preise, ausgeglichene Handelsbilanz, Umweltkriterien und eine gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung.

Es ist daher vielleicht mehr als ein Zeichen, dass nach der Schließung des Flughafens Tegel die Beuth-Hochschule dort einziehen soll. So können sich Studenten bei Spaziergängen rund um das Terminal-Sechseck Gedanken über die Zukunft Deutschlands machen.

Architekten hatten kein magisches Sechseck im Hinterkopf

Ein magisches Sechseck hatten die Architekten Gerkan Marg und Partner allerdings nicht im Hinterkopf, als sie den Flughafen entwarfen. Dahinter steckte vielmehr der Gedanke, Reisende ohne lange Laufwege zum Flugsteig zu bringen. Einen ähnlichen Vorschlag, wie sie ihn in Tegel 1975 schließlich realisierten, hatten die Architekten bereits 1964 für den Flughafen Hannover gemacht – sie kamen damals aber nicht zum Zug. Auch ihr Entwurf für einen neuen Moskauer Flughafen sah die sechseckige Grundordnung vor.

In Berlin gibt es außer dem Tegel-Terminal noch ein weiteres markantes sechseckiges Gebäude: Den neuen Glockenturm der Gedächtniskirche, den der Architekt Egon Eiermann zusammen mit der neuen Kirche 1961 fertigstellte. Während der Turm sechseckig ist, ist die neue Gedächtniskirche mit ihrem prägnanten blauen Innenlicht achteckig.

Hier erhalten Sie das Magazin „Danke, Tegel!“

Die Berliner Morgenpost hat ein Sonder-Magazin herausgebracht, das sich ganz dem Flughafen Tegel widmet. Auf mehr als 100 Seiten zeigen wir die schönsten Bilder aus der Geschichte des Flughafens, bieten spannende Interviews mit Architekten, Piloten und Prominenten. Berlinerinnen und Berliner erzählen von den schönsten und skurrilsten Begebenheiten, die sie in Tegel erlebten. Der Preis liegt bei 8,90 Euro. Das Tegel-Magazin ist erhältlich im Handel und im Morgenpost-Shop unter: shop.morgenpost.de