Politik

SPD entscheidet sich gegen Tim Renner als Bundestagskandidat

Die SPD in Neukölln stimmte über den Direktkandidaten für den Bundestag ab. Demir gewann die Wahl gegen den Ex-Kulturstaatssekretär.

Für Tim Renner votierten 45 Prozent der Neuköllner Sozialdemokraten, Hakan Demir erhielt knapp 52 Prozent der per Brief und online abgegebenen Stimmen.

Für Tim Renner votierten 45 Prozent der Neuköllner Sozialdemokraten, Hakan Demir erhielt knapp 52 Prozent der per Brief und online abgegebenen Stimmen.

Foto: Jörg Krauthöfer /Funke Foto Services

Es ist die erste Niederlage für Franziska Giffey in der Berliner SPD, noch ehe sich die Bundesfamilienministerin am 31. Oktober mit dem Abgeordnetenhaus-Fraktionschef Raed Saleh zur Landesvorsitzenden wählen lassen will. In ihrem Heimatbezirk Neukölln folgte eine Mehrheit der Sozialdemokraten nicht ihrem Personalvorschlag für die Besetzung des Direktkandidaten für den Bundestag. Nicht der prominente frühere Kulturstaatssekretär Tim Renner siegte im Basis-Votum, sondern der in der Bezirkspartei besser vernetzte Hakan Demir.

Knapp 52 Prozent der Teilnehmer an der Abstimmung votierten für Demir. Renner erhielt 45 Prozent. Insgesamt haben sich laut einer Mitteilung des Kreisvorstandes vom Freitagabend 44 Prozent der Neuköllner Sozialdemokraten an dem Basis-Votum beteiligt, das per Brief und online abgehalten wurde.

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Demir hatte schon lange vor Renner sein Interesse an einer Direktkandidatur offiziell bekannt gegeben. Aber Giffey und ihr Nachfolger an der Spitze des Bezirksamtes, Bürgermeister Martin Hikel, hatten dennoch Renner aufgefordert, sich zu bewerben. Mit dem 55-Jährigen erhofften sich die parteiintern eher als rechts geltenden Spitzenleute bessere Chancen bei den Wählern im bürgerlichen Süden des Bezirks. Dort würden für die SPD die Wahlen gewonnen, hieß es.

Renner sollte den ebenfalls der Parteirechten zugerechneten Fritz Felgentreu beerben. Der Lateinlehrer hatte zuletzt den Wahlkreis für die SPD gewonnen und ist verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Nun will Felgentreu nach 20 Jahren in Landes- und Bundesparlament aber nicht mehr antreten.

Der im Bezirk gut vernetzte Demir kam besser an als Renner

Bei den Mitgliedern kam aber trotz Renners beherztem Wahlkampf nicht der Import aus der City West, sondern der im Bezirk gut vernetzte Demir besser an. Er muss sich nun mit der CDU-Politikerin Christina Schwarz im Kampf um das Bundestagsmandat messen.

Demir bedankte sich bei seinen Wählern und bei Renner für den „politischen Austausch“. Die SPD könne jetzt nach draußen gehen und die Mitbürger von ihren politischen Ideen überzeugen. „Das sind für mich vor allem die für unseren Bezirk wichtigsten Themen: chancengerechte Bildung, ein starker und funktionierender Sozialstaat und der Kampf gegen Rechts“, sagte Demir. Der gebürtige Krefelder lebt seit 2012 in Neukölln, war Vorsitzender der SPD-Abteilung in Rixdorf und der AG Migration und Vielfalt im Bezirk und sitzt für deren Landesorganisation auch im Landesvorstand der SPD. Demir leitet das Berliner Büro des Hallenser Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby.

Tim Renner sagte, nun müsse es darum gehen, sich geeint hinter dem „Team Franziska, Martin und Hakan“ aufzustellen. „Darum bitte ich vor allem meine Unterstützerinnen und Unterstützer, die ebenfalls Großes geleistet haben.“ Tim Renner war von 2014 und 2016 Kulturstaatssekretär. Als die Linke unter der rot-rot-grünen Koalition das Kulturressort übernahm, musste der frühere Musikmanager gehen. Er bemühte sich in der Folge um ein Bundestagsdirektmandat in Charlottenburg-Wilmersdorf. Das parteiinterne Mitgliedervotum gewann Renner knapp gegen die Sozialexpertin und Berliner Abgeordnete Ülker Radziwill. Bei der Bundestagswahl musste er sich aber dem CDU-Konkurrenten Klaus-Dieter Gröhler geschlagen geben.