Bildung

Verstärkte Hygienemaßnahmen: Das müssen Schüler wissen

Am Montag startet nach den Herbstferien die Schule in Berlin mit verstärkten Hygienemaßnahmen. Es gilt ein Corona-Stufenplan.

In der Herbstschule, die zwei Wochen läuft, haben Lehrkräfte oft mehr Zeit für Schüler.

In der Herbstschule, die zwei Wochen läuft, haben Lehrkräfte oft mehr Zeit für Schüler.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Die Dynamik des Corona-Infektionsgeschehens hat nun auch die Senatsverwaltung für Bildung überrollt. Spät am Mittwoch rang sich Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) dazu durch, für Oberstufen- und Berufsschüler und deren Lehrkräfte verpflichtend einen Mund-Nasen-Schutz im Unterricht in der ersten Schulwoche nach den Ferien einzuführen. Das entspricht im Corona-Stufenplan für die Berliner Schulen als Maßnahme der Stufe Gelb. Alle anderen Schulen – ob Grundschulen, Gemeinschaftsschulen oder weiterführende Schulen ohne Oberstufe – wären aber von diesem Schritt unberührt geblieben.

Doch schon am späten Vormittag des Donnerstags war klar, einigen Bezirken würde diese Maßnahme nicht ausreichen. „Wir haben heute nochmal mit der Schulaufsicht gesprochen und den deutlichen Anstieg der Neuinfektionen der letzten Tage bewertet“, verkündete dort Schul- und Gesundheitsstadtrat Oliver Schworck (SPD). „Wir werden daher mit allen Schulen in Tempelhof-Schöneberg in der Stufe Gelb starten.“

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Nachdem der erste Bezirk anzieht, reagiert auch die Senatsverwaltung für Bildung

Das hatte Folgen. Wenige Stunden später hieß es nun plötzlich aus der Senatsverwaltung für Bildung: alle Schulen Berlins starten am Montag auf der Stufe Gelb. „Auch wenn Schulen nach jetzigem Stand der Wissenschaft keine besonderen Infektionsherde sind, halte ich angesichts der aktuellen Entwicklung zum Schulstart nach den Ferien zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen für notwendig“, sagte Bildungssenatorin Scheeres.

Die Stufe Gelb gilt nur in der ersten Schulwoche für alle Schulen – ab Donnerstag wird dann vom Gesundheitsamt des Bezirks und der zuständigen Schulaufsicht jede Schule einzeln neu bewertet und farblich eingeordnet – je nach Infektionsgeschehen im Bezirk und in der Schule selbst.

Schulleiter wie Tillmann Kötterheinrich-Wedekind, der das Ernst-Abbe-Gymnasium leitet und im Vorstand des Interessensverbands Berliner Schulleitungen sitzt, finden allerdings diese pauschale, berlinweite Einordnung aller Schulen in Gelb fraglich. „Ich halte für uns, angesichts des Pandemiegeschehens in Neukölln, eine andere Einordnung für richtig“, meint er – sprich mindestens Orange, aber noch eher Rot.

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Reiserückkehrer könnten zum Problem werden

Bei Orange trügen alle Schüler und Lehrkräfte im Unterricht Masken, bei Rot könnte man die Schule in A- und B-Gruppen teilen und eine Mischung aus Präsenz- und digitalem Fernunterricht anbieten. Kötterheinrich-Wedekind weiß, wovon er spricht: Schon vor den Ferien gab es an seiner Schule eine steigende Zahl von Corona-Infektionsfällen, so dass man kurzzeitig auf digitalen Unterricht umschwenkte. Seitdem hat sich die Lage in Neukölln nicht gebessert, im Gegenteil. Dazu erwartet er einige Reiserückkehrer unter den Schülern.

Unterstützt werden diese Schulleitungen, die schärfere Maßnahmen zu Schulbeginn fordern, von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Dort kritisiert man die Maßnahmen der Senatorin, alle Schulen auf Gelb einzustufen, als zu schwach. „Es ist besser, jetzt auf den Mix aus Präsenz- und Fernlernen umzusteigen als später Schulen wieder komplett schließen zu müssen“, sagt Tom Erdmann, Vorsitzender der Berliner GEW.

In den Herbstschulen will man Lernrückstände aufholen

Positiv ist dagegen die Bilanz, die von der Senatsverwaltung für Bildung zu den Sommer- und Herbstschulen gezogen wird. Die Staatssekretärin für Bildung Beate Stoffers (SPD) besuchte am Donnerstag das Oberstufenzentrum (OSZ) Körperpflege in Charlottenburg, um sich selbst ein Bild von einer Schülergruppe zu machen, die in diesem Herbst an der Zusatzförderung teilnahmen. „Es geht darum, Lernrückstände aufzuholen, die während der Schulschließung in der Coronapandemie entstanden sind“, sagt Stoffers. Zwischen dem 16. März und dem 27. April waren auch die OSZ ohne Präsenzunterricht. Für viele Schüler, die in sozial benachteiligten Verhältnissen aufwachsen, ein besonderes Problem.

7500 Schüler nehmen in diesen Herbstferien daran teil, davon stammen 1000 aus beruflichen Schulen. In den Sommerschulen waren es schon 10.000 Schüler gewesen. „Davon waren 98 Prozent danach zufrieden“, betont Stoffers.