Flughafen Tegel

Boeing 707 in Tegel: Interessierte wollen das Wrack kaufen

Mit der TXL-Schließung muss auch die Boeing 707 verschwinden. Das Flugzeug soll verschrottet werden. Nun meldeten sich Interessenten.

Seit 1986 stand die Boeing 707 in Tegel. Nach dem Ende des Flughafens wird sie verschrottet.

Seit 1986 stand die Boeing 707 in Tegel. Nach dem Ende des Flughafens wird sie verschrottet.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. Beim Aufräumen der Wohnung müssen oft jene Dinge dran glauben, die ihre Zeit eigentlich schon längst hinter sich haben, aus Trägheit und weil man nicht weiß wohin damit, trotzdem viel zu lange einfach stehen bleiben. Zu dieser Kategorie gehört auch die Boeing 707 am Flughafen Tegel. Wie abgestellt und vergessen steht der Flieger in der letzten Ecke des Rollfelds – oder vielmehr das, was noch davon übrig ist. Wie ein Wrack sieht die Maschine längst aus, voller Rost und Moos über der alten Lufthansa-Lackierung.

Dabei hat das Flugzeug eine bewegte Geschichte. Ursprünglich für die israelische Fluggesellschaft El Al im Dienst, wurde die Maschine 1970 auf dem Flug nach Amsterdam von palästinensischen Terroristen entführt. Durch einen Parabelflug des Kapitäns konnten die Terroristen schließlich überwältigt werden. Mit Berlin hat die spektakuläre Geschichte jedoch eigentlich nichts zu tun. Dass die Maschine heute dennoch in Tegel steht, hat andere Gründe: Sie musste kurzerhand einspringen.

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Gelandete Maschine wurde damals in Berlin feierlich empfangen

Bereits 1960 taufte der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt (SPD) eine Lufthansa-Maschine auf den Namen „Berlin“. Bis 1977 tat der Flieger seinen Dienst – nur nicht in West-Berlin selbst, weil nach Alliierten-Recht keine deutschen Maschinen in den Flugraum über der DDR aufsteigen durften.

Als die Lufthansa 1986 beim Hersteller Boeing die 200. Maschine bestellte, kam man beim Flugzeugbauer auf die Idee, der Kranichlinie aus diesem Anlass ein Geschenk zu machen – und die „Berlin“ nach Berlin zu bringen. Die gab es zu diesem Zeitpunkt allerdings schon nicht mehr. Jahre zuvor war sie verschrottet worden. Also sprang der baugleiche El-Al-Flieger ein. Boeing lackierte ihn um im historischen Design der Lufthansa und wollte die Maschine nach Berlin bringen. Das gestaltete sich wegen Berlins Ausschluss vom westdeutschen Luftraum schwierig. Also überklebte Boeing die Lufthansa-Lackierung und flog den Jet nachts nach Tegel.

Dort wurde die gelandete Maschine von Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) feierlich in Empfang genommen, als Zeichen für die Vision eines freien Luftverkehrs über der Frontstadt.

Ein ungewolltes Geschenk ans Technikmuseum

All das ist lange her. Seitdem ist das Interesse an der Maschine verflogen. Das Flugzeug durfte nicht mehr fliegen, also schenkte die Lufthansa den Jet der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin – gegen deren ausdrücklichen Willen. Dort konnte man die Maschine nicht gebrauchen, also verfiel sie. Mit der Schließung des Flughafens Tegel muss sie nun weg vom Gelände – doch weder das Museum noch die Lufthansa oder die Tegel Projekt GmbH wollen sie wegen der hohen Kosten haben, erklärte Museumssprecherin Tiziana Zugaro auf Anfrage. „Die Boeing 707 im Außenbereich von Tegel wird im Laufe des kommenden Jahres zerlegt und verwertet.“ Zuvor würden jedoch noch museal wertvolle Teile aus dem Flieger durch das Museum gesichert. Die Kosten der Verschrottung muss nach Informationen der Berliner Morgenpost die Lufthansa tragen.

Interessenten melden sich wegen der alten Boeing 707

Unterdessen bekundeten einige Händler und Privatpersonen großes Interesse an der alten Boeing 707. Mehrere Interessenten meldeten sich bei der Berliner Morgenpost. Zu ihnen gehört unter anderem ein Abbruchunternehmen aus dem Süden Hamburgs. Das Boeing-Wrack würde man gerne kaufen, um es zu zerlegen, sagte ein Mitarbeiter, der wie sein Unternehmen anonym bleiben wollte. „Es lässt sich ja nicht mehr retten, wenn dann nur mit einem finanziell sehr hohen Aufwand verbunden.“ Der Stiftung Technisches Museum Berlin wolle man nun ein Angebot machen, sagte er.

Interesse an dem Flieger hat auch Stephen Kloos. Er ist selbst in der Luftfahrtbranche aktiv, bei der Airline Condor. Aber auch im Nebenerwerb lassen ihn Flugzeuge nicht los. „Ich mache nebenberuflich Möbel aus Flugzeugteilen“, erklärt Kloos.

Ihn interessiere an der alten Boeing vor allem die Alu-Hülle. „Die sieht von außen vermodert aus, aber da kann man noch was draus machen.“ Aus den Bestandteilen fertige er dann Couch- und Bürotische, sowie Vitrinen, in die die Aussparung der Fenster eingearbeitet sei. Die historische Lufthansa-Lackierung, erklärt er, wolle er weitestgehend erhalten.

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