Tierschutz

Berliner Tierheim ruft „Hühnernotstand“ aus

Im Berliner Tierheim leben derzeit 26 Hühner. Sie wurden meist unter schlechten Bedingungen etwa auf Balkonen gehalten oder ausgesetzt.

Die kleinen Küken wurden ausgesetzt und mussten erst einmal unter die Wärmelampe.

Die kleinen Küken wurden ausgesetzt und mussten erst einmal unter die Wärmelampe.

Foto: Tierheim Berlin

Im Tierheim Berlin warten gegenwärtig überdurchschnittlich viele Hühner und Hähne auf ein neues Zuhause. Grund sind zahlreiche Funde und eine Sicherstellung in den vergangenen Wochen und Monaten. Insgesamt leben momentan 26 Hühner und Hähne in den Tierheim-Gehegen in Falkenberg – es wird langsam eng. Nachgefragt bei Tierheim-Sprecherin Annette Rost.

Berliner Morgenpost: Wie ist die Situation?

Annette Rost: Wir haben zwar eine Fläche von 22 Fußballfeldern. Aber unsere Platzkapazitäten für die Unterbringung von Hühnern sind erschöpft. Erst Mitte September wurden sechs winzige Hühnerküken in Weißensee ausgesetzt in einem Karton gefunden. Sie mussten noch einige Wochen in einem geschützten Innenbereich mit einer Wärmelampe versorgt und speziell gefüttert werden. Bereits Anfang Juli waren in einem Lichtenberger Hochhaus auf einem Balkon fünf Hühner in zwei Pappkartons vom Veterinäramt sichergestellt worden. Ihr Zustand war katastrophal. Weil sie in den Kartons gehalten wurden und nicht ausweichen konnten, waren sie gestresst und haben sich gegenseitig verletzt. Wir haben sie auf unserem Tierschutz-Bauernhof einquartiert und dort haben sie viel Platz, genug Futter und frische Luft.

Berliner Tierheim ruft „Hühnernotstand“ aus
Berliner Tierheim ruft „Hühnernotstand“ aus

Wieso schaffen sich Berliner Hühner an?

Private Hühnerhaltung ist in diesem Jahr zu einem immer größeren Trend geworden – auch in Großstädten. Man kann die Tiere kaufen oder sogar mieten. Solange eine artgerechte Unterbringung gegeben ist, ist das prinzipiell auch kein Problem. Natürlich nur eine dauerhafte, eine Vermietung von Tieren ist absurd und tut dem Tier nichts Gutes. Doch nur die wenigsten Stadtbewohner können das wirklich gewährleisten. Man darf nicht vergessen, dass es hier um Lebewesen geht, die genauso Bedürfnisse haben wie Hunde, Katzen oder andere beliebte Haustiere. Verkaufsslogans wie ‚Huhn to Go‘ degradieren die Tiere zu Gegenständen.

Was braucht es denn für eine artgerechte Unterbringung?

Hühner brauchen nicht nur eine kleine Buchte und ein paar Körner. Sie gehören auch nicht in eine Mietwohnung oder auf einen Balkon. Auch sie brauchen Platz, eine Wiese, Sand zum Scharren und Beständigkeit. Sie sind sehr soziale Tiere, die feste Gruppen mit Artgenossen schätzen. Ein ständiger Ortswechsel wie bei einer Vermietung ist auch für sie purer Stress. Deshalb würden wir uns sehr wünschen, dass sich Besitzer von größeren Höfen bei uns melden und dem einen oder anderen Huhn oder Hahn ein neues Zuhause geben. Voraussetzung ist aber natürlich, dass sie nicht in der Bratpfanne landen.