Wegen Corona

Steigende Corona-Zahlen: Messe Berlin sagt Innotrans ab

Wegen der Corona-Pandemie war die Bahntechnikmesse Innotrans bereits einmal verschoben worden. Die endgültige Absage trifft Berlin hart

2018 lockte die Innotrans rund 160.000 Fachbesucher auf das Messegelände. Die ursprünglich für 2020 geplante Ausgabe fällt nun aus.

2018 lockte die Innotrans rund 160.000 Fachbesucher auf das Messegelände. Die ursprünglich für 2020 geplante Ausgabe fällt nun aus.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Erneute Hiobsbotschaft für den Messe- und Tourismusstandort Berlin: Wegen der weiteren Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie wird die vom 27. bis 30. April 2021 geplante Bahn-, Schienen und Mobilitätstechnikmesse Innotrans abgesagt. Ein Sprecher der Messe bestätigte am Donnerstag auf Anfrage entsprechende Informationen der Berliner Morgenpost.

Ursprünglich sollte die umsatzstarke Fachmesse bereits in diesem September stattfinden. Wegen der Corona-Krise hatte die Messe Berlin die Innotrans dann auf April des Folgejahres verschoben. Nun ist auch dieser Termin nicht mehr zu halten. „Leider sind wir gezwungen, die Innotrans auf das Jahr 2022 zu verschieben. Letztendlich entzieht uns die aktuelle Entwicklung der Covid-19-Pandemie die benötigte Planungssicherheit“, sagte ein Sprecher der Messe.

Nächste Ausgabe soll 2022 stattfinden

Offiziell wollte das Landesunternehmen den Ausfall der regulären Innotrans 2020 erst am Freitagvormittag verkünden und dann auch gleich einen neuen Termin für die in zwei Jahren ohnehin turnusmäßig geplante Ausgabe nennen: Nach Morgenpost-Informationen soll die nächste Innotrans im Jahr 2022 vom 20. bis 23. September in den Messehallen über die Bühne gehen.

Das nur alle zwei Jahre stattfindende Branchenevent gilt als eine der umsatzstärksten Veranstaltungen der Messe Berlin. 2018 zog die Innotrans noch 160.000 Fachbesucher auf das Gelände unter dem Funkturm. 3062 Branchenunternehmen und Institutionen aus 61 Ländern zeigten neue Entwicklungen der Mobilitätsbranche. An zwei Publikumstagen konnten Besucher vor zwei Jahren zudem Neuheiten wie die künftigen Berliner S-Bahn-Wagen bestaunen.

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2018 ließen Besucher der Innotrans noch 255 Millionen Euro in der Stadt

255 Millionen Euro hatten Aussteller und Besucher während der Innotrans 2018 in der deutschen Hauptstadt ausgegeben, hatte erst kürzlich eine Anfrage des parteilosen Abgeordneten Marcel Luthe ergeben. 12,1 Millionen zusätzliche Steuereinnahmen für das Land Berlin seien daraus generiert worden, hieß es aus der Wirtschaftsverwaltung.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) äußerte sich am Donnerstag auf Anfrage betroffen von dem Aus der Innotrans im kommenden Jahr. „Die Absage der Innotrans durch den Veranstalter ist sehr bedauerlich. Wir sehen aber, dass durch die Corona-Pandemie bedingt das klassische Messegeschäft deutschland- und europaweit zum Erliegen kommt“, erklärte Pop. In Berlin war in diesem Jahr bereits die Tourismusmesse ITB abgesagt worden. Die Internationale Funkausstellung IFA konnte im September lediglich als kleines Branchentreffen mit einigen Tausend Besuchern vor Ort und einem Web-Format stattfinden.

Wegen des Corona-Krankenhauses auf dem Messegelände stand die Innotrans ohnehin auf der Kippe

Durch die Absage der Innotrans im kommenden Jahr geht die Messe auch einem möglichen Konflikt mit dem Senat um das derzeit noch auf dem Messegelände aufgebaute Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße aus dem Weg. Die Messe hatte zuvor stets betont, dass eine etwaige Innotrans mit einem Krankenhaus auf dem Gelände ohnehin nicht stattfinden könne. Denn das Behandlungszentrum hatte der Senat ausgerechnet in Halle 26 errichten lassen. Davor aber liegen die Schienen, über die etwa ausgestellte Bahnwaggons auf das Gelände gelangen.

Das Krankenhaus mit 500 Betten hatte der Senat nach der ersten Corona-Welle im Frühjahr errichten lassen. Wann das Behandlungszentrum wieder abgebaut wird, ist offen. In Berlin steigt die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen seit Wochen wieder an.

Braucht die Messe eine weitere Finanzspritze durch das Land?

Aus dem Umfeld der Messe hieß es am Donnerstag auch, Bedenken von Schienenhersteller- und Bahnverbänden aus dem Ausland hätten nun zur Absage geführt. Angesichts der europaweit wieder steigenden Infiziertenzahlen sei die Planungssicherheit für eine Messe dieser Größenordnung nicht mehr gegeben.

Das Aus der umsatzstarken Innotrans wirft auch neue Fragen über den zusätzlichen Finanzbedarf der Messe Berlin auf. Wegen der Absage des Großteils der Veranstaltungen seit März hatte der Senat dem Landesunternehmen kurzfristig bereits 25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Eine weitere Finanzspritze in Höhe von 60 Millionen Euro wurde mit dem Nachtragshaushalt Ende September freigegeben. Die Auszahlung der zweiten Corona-Hilfe ist jedoch noch nicht erfolgt. Der dafür vorgesehene Darlehensvertrag sei bislang nicht unterzeichnet worden, erklärte ein Sprecher Pops auf Anfrage.

FDP: Absage ein weiterer wirtschaftlich schwerer Schaden für die Stadt

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja erklärte, die Absage der Innotrans sei sehr bedauerlich und wirtschaftlich ein weiterer schwerer Schaden für die Stadt. Sie sei jedoch angesichts der sich verschlimmernden Pandemie nachvollziehbar und korrekt. „Für den Mobilitätsstandort Berlin ist es aber wichtig, dass die Branche auch unter diesen Umständen im Austausch bleibt“, so Czaja. Hier müsse über digitale oder hybride Maßnahmen nachgedacht werden.