Berlin

Handelsverband lehnt weitere autofreie Einkaufsstraßen ab

Seit Ende August ist die Friedrichstraße für den Autoverkehr teilweise gesperrt. Nils Busch-Petersen ist gegen weitere Versuche.

Die autofreie Friedrichstraße (Archivbild).

Die autofreie Friedrichstraße (Archivbild).

Foto: Fabian Sommer / dpa

Berlin. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB), Nils Busch-Petersen, hat sich gegen weitere autofreie Einkaufsstraßen ausgesprochen. Der seit Ende August laufende Feldversuch in der Friedrichstraße in Mitte sei schlecht vorbereitet und konzeptionell nicht ausreichend hinterlegt worden, sagte Busch-Petersen am Mittwochabend in einer Video-Diskussion der Friedrich-Naumann-Stiftung in Berlin. Als Kritikpunkt nannte er untern anderem, dass die Behörden zuvor keine Frequenzuntersuchung vorgenommen hätten. „Wenn man die Ausgangswerte nicht kennt, kann jeder hinterher interpretieren, wie er will“, so Busch-Petersen.

Auch die Konzeption der autofreien Friedrichstraße mit einem Fahrradweg in der Mitte der Fußgängerzone kritisierte Busch-Petersen. „Das ist per se nicht attraktiv“, sagte er. Berlin habe zudem in den Vergangenheit aus seiner Sicht keine guten Erfahrungen mit Fußgängerzonen gemacht, erklärte Busch-Petersen mit Blick auf für den Autoverkehr gesperrte Einkaufsbereiche in Köpenick, Spandau und der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg. In der City-West wird derzeit über eine zeitweilige Sperrung des Kudamms oder der Tauentzienstraße diskutiert.

Der Berliner Einzelhandel befinde sich nach Angaben des Verbandschefs noch immer im Krisenmodus. Nach dem Lockdown im März wegen der weiteren Ausbreitung des Coronavirus habe die Wiederaufnahme des Verkaufs die Kunden nicht zurückgebracht, sagte er. Busch-Petersen nannte dafür vor allem fehlende Touristen, Verunsicherung in der Bevölkerung und das Verhalten der Menschen als Gründe. Die Maskenpflicht für den Einzelhandel sieht er hingegen nicht als ausschlaggebend für weniger Kunden. „Die Maske wird völlig überbewertet“, sagte er. Österreich habe bei Aufhebung der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nur minimale Zuwächse gesehen, so Busch-Petersen.

Wegen der schlechten Geschäfte könnte Berlin zudem bald einige Insolvenzen im Einzelhandel sehen, befürchtete der Verbandschef. Derzeit helfe aber noch die vom Bundesjustizministerium ausgesetzte Insolvenzantragspflicht.