Verkehr in Berlin

Neue BVG-Chefin Kreienkamp stellt neuen Doppeldecker vor

Die Verkehrsbetriebe bekommen einen neuen Doppeldeckerbus. Zugleich stellte sich die neue BVG-Chefin Eva Kreienkamp auch selbst vor.

Eva Kreienkamp, Vorstandsvorsitzende der BVG, sitzt am Steuer des neuen BVG-Doppeldeckers.

Eva Kreienkamp, Vorstandsvorsitzende der BVG, sitzt am Steuer des neuen BVG-Doppeldeckers.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Doppelter Einstand bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG): Am Mittwochvormittag hat das Unternehmen seinen neuen Doppeldeckerbus auf dem Betriebshof Müllerstraße vorgestellt. Zugleich war es auch der erste öffentliche Termin für die neue BVG-Chefin Eva Kreienkamp seit ihrem Dienstantritt zum 1. Oktober. Aktuell lerne sie den Betrieb noch kennen, mache eine Tour durch die Außenstellen der Verkehrsbetriebe, besuche Betriebshöfe, Leitzentralen und Werkstätten, sagte sie. „Ich habe eine große Berlinkarte im Büro, da kringel ich ein, wo ich war. Das füllt sich schon ganz gut“, so Kreienkamp.

BVG-Chefin Eva Kreienkamp: Graffiti auf Berliner U-Bahnen ist „wahnsinnig belastend“

Für die Fahrten dorthin habe sie die U-Bahnen, Busse und Trams der BVG genutzt. „Um zu sehen, wie gut das System funktioniert, gerade auch außerhalb vom Zentrum.“ Auch zur Arbeit in der BVG-Zentrale an der Holzmarktstraße in Mitte nutze die nun in Tegel lebende Kreienkamp neben dem Fahrrad auch die U-Bahnlinie U8.

„Ich fahre schon mein Leben lang viel öffentliche Verkehrsmittel“, sagte sie, die privat auch ein Auto besitzt, um mit ihren drei Hunden raus aus der Stadt zu fahren, wie sie erklärte. Gerade Berlin könne sie sich ohne starken öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht vorstellen. „Es kann alles besser werden, aber die Grundlage ist gut.“

Weniger Freude hatte Kreienkamp wegen der vielen Graffiti-Schmierereien beim U-Bahnfahren in der Stadt. „Ich empfinde es wie alle anderen Fahrgäste als ausgesprochen schwierig, in diese Fahrzeuge einzusteigen.“ Es sei „wahnsinnig belastend“, gestand sie und kündigte an: „Wir bemühen uns, dagegen anzukommen.“

Neuer BVG-Doppeldeckerbus ändert je nach Außentemperatur das Licht

Im Vordergrund des Termins am Mittwoch stand jedoch nicht Kreienkamp, sondern Alexandra und Dennis. Diese Namen haben die beiden Prototypen des neuen BVG-Doppeldeckers bekommen, die die BVG derzeit testet. „Meinen ersten großen Auftritt mit diesen Doppeldeckern zu verbinden, ist eine coole Sache“, sagte Kreienkamp.

Die Vorstellung der technischen Details überließ sie Stefan Baguette, Produktmanager beim schottischen Hersteller Alexander Dennis. Das neue Modell bietet Platz für 112 Fahrgäste, davon 80 auf Sitzplätzen. Die Maße entsprechen im wesentlichen jenen des Vorgängermodells. Der Bus ist 2,55 Meter breit, 4,06 Meter hoch und mit 13,80 Meter sieben Zentimeter länger als sein Vorgänger. Dank Aluminiumleichtbauweise bringen die neuen Doppeldecker „nur“ 16,4 Tonnen Leergewicht auf die Straße und sind damit leichter als ihre Vorgänger. „Das wird sich positiv auf den Verbrauch auswirken“, sagte Baguette.

BVG-Doppeldecker mit USB-Ladepunkten an jedem Sitz

Weltweit seien von dem Typ schon 18.000 Busse unterwegs. Doch für die deutsche Hauptstadt wurde manches gesondert angefertigt. „Wir haben in den letzten zwei Jahren eng mit der BVG zusammengearbeitet, um den Bus für Berlin anzupassen“, so Baguette. Dazu zählt, dass das Fahrzeug über viele digitale Anzeigetafeln verfügt. „Die Qualität der Fahrgastinformstionssysteme ist in Berlin deutlich besser als in vielen andere Metropolen weltweit“, so der Produktmanager.

Neben den vielen Anzeigetafeln auf beiden Etagen wartet der Bus mit weiteren Eigenschaften auf. Dazu zählt ein neues Lichtkonzept. „Die Innenbeleuchtung passt sich der Außentemperatur an und verbessert so das Fahrgefühl“, sagte Baguette. Liegt die Temperatur unter 20 Grad, strahlt das Wageninnere in einem warmweißen Licht. Steigt das Thermometer hingegen über 22 Grad, scheint das Licht der LEDs in einem kälteren Weiß. In der Wand an jedem Sitz gibt es nun zwei USB-Ladeanschlüsse. Daneben zeigt ein Monitor mit Live-Bild an der Treppe an, welche Plätze im Oberdeck noch frei sind.

Insgesamt wirken die Treppenaufgänge breiter und weniger steil. Unten wie oben fällt die Deckenhöhe zudem großzügiger aus – wenngleich die meisten Fahrgäste im Oberdeck weiterhin gebückt gehen müssen.

BVG-Doppeldecker - Richtig los geht es im kommenden Jahr

Trotz moderner Ausstattung fahren die Busse anders als die anderen Neuanschaffungen der BVG-Flotte noch nicht mit Strom. Am Markt gebe es derzeit noch keine elektrischen Doppeldeckerbusse, die die Anforderungen der BVG erfüllten so Baguette. Das Problem ist das hohe Gewicht der Fahrzeuge. „Wir sehen den batterieelektrischen Doppeldecker als zukünftiges Entwicklungsziel“, sagte der ADL-Vertreter. „Alle wesentlichen Verbesserungen liegen aber nicht in unseren Händen, sondern bei der Batterieentwicklung.“

Auch ohne E-Antrieb sieht BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt die Verkehrsbetriebe auf Fahrt Richtung Zukunft. „Das Fahrzeugmodernisierungsprogramm der BVG geht weiter.“ Trotz Corona-Krise ließen sich Berlin und die BVG nicht aufhalten, die Verkehrswende voranzutreiben. Richtig los geht es in Sachen Doppeldecker erst im kommenden Jahr. Bis Jahresende sollen die beiden Prototypen getestet werden. Zumindest einer von ihnen wird dabei in Kürze auf der Linie 100 durch die Berliner Innenstadt fahren. Im kommenden Jahr ist dann geplant, 25 weitere Fahrzeuge des Modells zu erhalten. Bis Ende 2022, so Erfurt, soll die Zahl auf 200 anwachsen. „Das heißt, dass wir noch ein bisschen mit den alten Doppeldeckern fahren müssen“, sagte der Betriebsvorstand. Gerade die Mitarbeiter in der Werkstatt müssten dafür in die Hände spucken. Manche der Busse haben bereits über eine Million Kilometer auf der Anzeige. Von der einst 416 Fahrzeuge umfassenden Flotte mussten bereits mehr als hundert Stück ausgemustert werden.