Polizei Berlin

In Berlin sind noch museumsreife Polizeiautos im Einsatz

Manche Fahrzeuge sind bei der Polizei seit mehr als 30 Jahren im Einsatz. Die Behörde sieht trotzdem keine Überalterung.

Einsatzwagen der Polizei stehen 2012 vor dem Brandenburger Tor. Einige der noch heute genutzten Fahrzeuge sind schon etwas älter.

Einsatzwagen der Polizei stehen 2012 vor dem Brandenburger Tor. Einige der noch heute genutzten Fahrzeuge sind schon etwas älter.

Foto: dpa Picture-Alliance / Marc Tirl / picture alliance / dpa

Berlin. Das älteste Polizeiauto Berlins ist ein Mercedes L 608 D, zugelassen am 15. Dezember 1981. Fotos des Modells wecken Erinnerungen. An die Straßenschlachten des alten West-Berlin. An Räumungen seinerzeit besetzter Häuser. Man könnte daher vermuten, dass die Polizei den Gruppenwagen nur deshalb aufhob, um ihn in der polizeihistorischen Sammlung zu präsentieren. Tatsächlich aber ist das fast 40 Jahre alte Fahrzeug noch immer im Einsatz, ebenso wie vier weitere Wagen aus den 1980er Jahren.

Fünf Polizei-Fahrzeuge wurden in den 80er Jahren angeschafft

Die Polizei verfügt über rund 2.600 Einsatzfahrzeuge. Die Daten zu den meisten dieser Wagen hat die Innenverwaltung nun auf Anfrage des Einzelabgeordneten Marcel Luthe zusammengestellt. Die Tabelle zeigt, das die Hauptstadt-Beamten des Jahres 2020 neben den fünf Fahrzeugen aus den 1980er-Jahren auch in 33 Fahrzeugen aus den 1990er-Jahren unterwegs sind. Regierender Bürgermeister war damals Eberhard Diepgen. Zur Erinnerung: in der Autowelt erprobten Experten damals nicht Systeme zum autonomen Fahren wie heute, sondern diskutierten über die Wirkung von Abgaskatalysatoren.

Die Laufleistung der besonders alten Berliner Polizeiautos ist allerdings überschaubar. Die „Wanne“ aus dem Jahr 1981 kommt auf nicht mal 34.000 Kilometer. Jüngere Fahrzeuge erreichen dagegen fast 300.000 gefahrene Kilometer. Viele Streifenwagen zeigen Kilometerstände zwischen 100.000 und 200.000.

Der Senat solle seine „Kernaufgabe“ erfüllen und den Fuhrpark der Polizei erneuern

Luthe hält den Polizei-Fuhrpark mit Blick auf die Liste für überaltert. „Wenn der Senat ökonomisch denken würde, wäre ihm klar, dass die bisher erfolgten, zögerlichen Investitionen nun einmal nicht ausreichen, um die Überalterung des Fuhrparks umzukehren“, sagte Luthe. Nötige Investitionen zu unterlassen, habe nichts mit Sparen zu tun. Wer „Millionen für Findlinge auf Straßen“ oder „rechtswidrige Radwege“ verschleudere, sollte erst seine Kernaufgabe erfüllen.

Die Polizei weist die Kritik zurück. „Alle Fahrzeuge befinden sich in einem betriebs- und verkehrssicheren Zustand und stellen kein Problem aufgrund ihres Alters dar“, sagte ein Sprecher. Das Durchschnittsalter der Wagen liege bei etwa siebeneinhalb Jahren. „Es handelt sich insofern nicht um eine generelle Überalterung.“ Die Innenverwaltung verweist auf gestiegene Investitionen. Im laufenden Jahr seien für Fahrzeugbeschaffungen 10,9 Millionen Euro veranschlagt, im kommenden Jahr seien es sogar zwölf Millionen Euro.

Gewerkschaft der Polizei räumt ein, dass schon „ordentlich“ in den Fuhrpark investiert wurde

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) räumt ein, dass „ordentlich“ in den Fuhrpark investiert worden sei. „Genau wie beim Personalkörper auch braucht es aber, bis überall junges Blut ankommt, so dass wir noch diverse Dienststellen haben, auf denen mit Fahrzeugen operiert wird, die mittlerweile ihren dritten Frühling erleben“, sagt der Sprecher der Berliner GdP, Benjamin Jendro.

Die GdP verweist auf ein weiteres Problem. Beamte hätten berichtet, dass Wagen vom Typ Mercedes Sprinter bei voller Besatzung ins „Schwimmen“ kämen. „Das deutet auf eine mögliche Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts hin“, sagt Jendro. Der Abgeordnete Luthe verweist auf Erfahrungen aus Bayern. Dort zeigte eine Untersuchung, dass das zulässige Gesamtgewicht bei Streifenwagen bei voller Besatzung und Beladung mit Ausrüstungsgegenständen überschritten wurde.

Kommen Sprinter der Polizei ins „Schwimmen“, weil sie überladen sind?

Aus der von der Innenverwaltung übermittelten Liste der Polizeifahrzeuge lässt sich zu möglichen Überladungen kein Befund ableiten. Die Tabelle enthält zwar Daten zum Leergewicht und zum zulässigen Gesamtgewicht. Wie schwer die Beladung im Polizeialltag ist, lässt sich dagegen nicht ablesen. Bei einigen Modellen erscheint eine Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts aufgrund der geringen Differenz zwischen Leergewicht und zulässigem Gesamtgewicht bei voller Besatzung und schwerer Ausrüstung aber durchaus denkbar.

Luthe weist daher darauf hin, dass überladene Fahrzeuge einen längeren Bremsweg hätten und schneller ins Schleudern geraten oder sogar umfallen könnten. „Nach krebserregendem Kleber in den Dienststellen, maroden Gebäuden, untauglichen Dienstwaffen und vor allem der Schießstandaffäre zeigt sich hier ein weiteres Defizit bei der materiellen Ausstattung der Polizei“, sagt Luthe.

Was passiert, wenn mehr Ausrüstung im Wagen ist oder ein Mitfahrer einsteigt?

Laut Polizei wird die nötige Zuladung bei der Beschaffung von Autos berücksichtigt. „Insofern kann es bei bestimmungsgemäßer Beladung des Fahrzeuges nicht zu einer Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichtes kommen“, sagt ein Polizeisprecher.

Und wenn mehr Ausrüstung als üblich im Wagen ist oder zusätzliche Mitfahrer einsteigen? Der Sprecher bleibt vage: „Sollte sich durch Hinzukommen von Führungs- und Einsatzmitteln die Gefahr ergeben, dass eine Überladung möglich ist, werden geeignete Mittel angewendet, um dies zu verhindern.“ Beschwerden über das Fahrverhalten voll beladener Mercedes Sprinter seien der Polizei nicht bekannt. Die GdP will dem indes nachgehen. „Wir werden die Problematik definitiv untersuchen“, sagte GdP-Sprecher Jendro.