Nachtleben in Berlin

Durchschnittlich 34.179,87 Euro Corona-Hilfe für Clubs

66 Anträge von Clubbetreibern auf die Soforthilfe IV 2.0. sind ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Florian Winkler-Ohm vom Schwuz.

Berliner Clubs sind seit Monaten geschlossen, auch das Friedrichshainer Matrix

Berliner Clubs sind seit Monaten geschlossen, auch das Friedrichshainer Matrix

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance/dpa

Berlin. Das Berghain ist auch in Corona-Zeiten eine Ausnahme. Wer derzeit versucht, Tickets für die Ausstellung der Sammlung Boros in den Räumen des einstigen Fernheizwerks zu bekommen, muss sich bis November gedulden. Für die große Mehrheit der Berliner Clubs ist ein Besucheransturm gerade reine Utopie. Seit dem 14. März sind die Tanzstätten der Stadt geschlossen, viele bangen um ihre Existenz. Für Kultur- und Medienunternehmen mit mindestens zwei Beschäftigten konnte deshalb bis zum 4. September bei der Investitionsbank Berlin die Soforthilfe IV 2.0 mit Zuschüsse bis zu 25.000 Euro, in begründeten Ausnahmefällen bis zu 500.000 Euro, beantragt werden.

Eingegangen sind 66 Anträge von Clubbetreibenden. Eine detaillierte Auflistung der Clubs geht aus einer schriftlichen Anfrage des Abgeordneten Georg P. Kössler (Grüne) vom 24. September hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Der 35-Jährige ist unter anderem Sprecher für Clubkultur seiner Partei und hatte bereits in der Vergangenheit mit einer ähnlichen Anfrage Transparenz bezüglich der Coronahilfen für Berliner Clubs erwirkt.

Ein „realistischer Liquiditätsbedarf“ sollte festgestellt werden

Zu den sieben Clubs, die bereits im ersten Bewilligungsausschuss am 17. September eine Zusage bekommen haben, gehören demnach die Kater Club GmbH, die about blank eG und die Hafenbar Berlin GmbH, der zweite Bewilligungsausschuss vom 5. Oktober kam weiteren zwölf Clubs, Konzertvenues sowie clubkulturellen Festivals beziehungsweise Reihen zugute, darunter die Junction Bar, die Mensch Meier GmbH und die Javid und Ücel GbR, Betreiber des Beate Uwe. Alle weiteren Anträge wurden und werden in den Bewilligungsausschüssen am 19. und 26. Oktober entschieden.

In beiden Bewilligungsausschüssen wurden durchschnittlich 31.572,94 Euro gezahlt, nur an Clubs durchschnittlich 34.179,87 Euro. Zwischen beantragtem und bewilligtem Betrag gab es durchschnittlich eine Differenz in Höhe von 4.831,19 Euro. „Hierbei gilt zu berücksichtigen, dass es nicht nur Kürzungen von beantragten Beträgen gegeben hat, sondern auch einige Fälle, in denen die externen Prüfenden eine höhere Bewilligungssumme empfahlen, die dem realistischen Liquiditätsbedarf gemäß vorgelegter Liquiditätsplanung entsprach“, heißt es in der Antwort des Senats von Berlin.

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Ohne weitere Zahlungen müssen einige Clubs schließen

„Für uns sind diese Zahlungen leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Florian Winkler-Ohm, Geschäftsführer der SchwuZ Kulturveranstaltungs GmbH. Der Club an der Rollbergstraße in Neukölln hat im Rahmen der Soforthilfe IV 1.0 111.320,00 Euro erhalten. „Wenn die Zahlungen nicht verlängert werden, wird das für das SchwuZ das Aus bedeuten.“ Zu Beginn der Pandemie habe der Club einen Kredit aufgenommen, Liquidität sei deshalb aktuell noch gegeben. Der gleiche Kredit sei aber auch der Grund, warum der Antrag auf die Soforthilfe IV 2.0 abgelehnt worden sei. Ohne eine Perspektive laufe er Gefahr, im kommenden Jahr auf einem großen Schuldenberg zu sitzen.

Der Senat will derzeit keine Prognose abgeben, wann die Berliner Clubs wieder öffnen können. Die Clubszene fordert deshalb laut Senat in Zukunft eine Förderung mit längeren Laufzeiten, die Überleben und Perspektive für Clubs sicherstellen und nicht nach drei Monaten erneut beantragt werden muss.

Der Dachverband der Berliner Clubs hält die derzeit diskutierte Maskenpflicht zudem beim Tanzen alternativ für eine Zwischenlösung, sofern der Raum ausreichend belüftet wird. „Da aber Abstandsregeln schwer einzuhalten sind, erhoffen wir uns einen zusätzlichen Schutz durch Schnelltests“, erklärte der Sprecher der Clubcommission, Lutz Leichsenring. „Wir arbeiten aktuell daran, Testbereiche in Nachtleben-Hotspots einzurichten.“ Die Berliner Clubs sehen sich zu Unrecht in der Rolle des Sündenbocks in der Pandemie. Manche haben ihre Außenflächen geöffnet.

„Die Jugendlichen werden sich nicht einsperren lassen“

In den Berliner Clubs wurde seit den Lockerungen der Corona-Kontaktbeschränkungen im Juli ein Ausbruch mit acht Virus-Fällen bekannt. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage hervor. Die Berliner Grünen sehen die Clubs vor diesem Hintergrund zu Unrecht als Verantwortliche für die steigenden Infektionszahlen abgestempelt. Zuvor hatte der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe eine klare Öffnungsperspektive für Clubs in der Corona-Krise gefordert. „Eine Maskenpflicht auf der Tanzfläche ist zwar nicht ideal, aber wir sollten es auch nicht ausschließen“, sagte BDT-Geschäftsführer Stephan Büttner im Vorfeld des Branchentreffens Club Convention der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Jugend werde sich über die Wintermonate nicht einsperren lassen, so Büttner. „Dann verlagern sich die Feiern in private Räumlichkeiten.“ Für das Infektionsgeschehen sei das gefährlicher als die Feier im Club.

Derzeit werde über eine mögliche dritten Runde der Soforthilfe IV beraten, die die Wintermonate abdeckt, heißt es von Seiten des Berliner Senats. (mit dpa)