Schnelles Internet

Schnelles Internet für 1,4 Millionen Haushalte in Berlin

Vodafone vermeldet 1,4 Millionen verfügbare Gigabit-Anschlüsse. Für die Wirtschaft reicht das nicht aus, mahnt die IHK.

Der Anbieter Vodafone hat seinen Gigabit-Ausbau in Berlin abgeschlossen. Die Wirtschaft fordert aber weitere Anstrengungen.

Der Anbieter Vodafone hat seinen Gigabit-Ausbau in Berlin abgeschlossen. Die Wirtschaft fordert aber weitere Anstrengungen.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin. Die Berliner Wirtschaft hat am Dienstag ein stärkeres Engagement von Politik und Telekommunikationsanbietern bei der Versorgung mit schnellem Internet angemahnt. In Berlin brauche es Ausbaufortschritte, um den Standort wettbewerbsfähig zu halten, sagte Jörg Nolte, Geschäftsführer Wirtschaft & Politik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. „Für den wirtschaftlichen Erfolg muss die zukunftsfähige Breitbandversorgung zur Grundausstattung gehören“, forderte er.

Nolte reagierte damit auf eine Mitteilung des Telekommunikationsunternehmens Vodafone. Der Konzern hatte zuvor verkündet, in seinem bundesweiten Netzausbauprogramm mit großen Schritten voranzukommen. In Berlin verfügten nun mehr als 1,4 Millionen Haushalte über einen sogenannten Gigabit-Anschluss, könnten also theoretisch mit Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde im Internet surfen.

In Berlin sind nur zwei von zehn Unternehmen zufrieden mit ihrem Internetanschluss

Deutschlandweit sei zudem in zwölf weiteren Bundesländern der Gigabit-Ausbau abgeschlossen worden. Ein wenig länger dauern die Netzarbeiten noch in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Insgesamt gebe es im deutschen Netz von Vodafone nun 22 Millionen Gigabit-Haushalte. Ende 2022 sollen es dann 25 Millionen sein. „Wir halten unser Versprechen und bauen Deutschlands digitale Zukunft. In der Stadt und auf dem Land“, sagte Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter. Vor allem in Ballungsgebieten ergibt der Ausbau schneller Datennetze für Vodafone oder die Deutsche Telekom auch betriebswirtschaftlich Sinn. Die Anbieter erhoffen sich durch die schnelleren Übertragungsraten etwa auch Umsatzsteigerungen bei den zuletzt stärker gefragten Video-on-Demand-Angeboten.

Für die Wirtschaft aber hat die Konzentration auf Regionen mit vielen Einwohnern auch Nachteile. Denn dort, wo die Nachfrage aus Sicht der Telekommunikationsunternehmen nicht ausreicht, werden die Anbieter nur schleppend aktiv. Laut einer IHK-Umfrage aus diesem Jahr sind aber auch in Berlin nur zwei von zehn Unternehmern wirklich zufrieden mit der tatsächlichen Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen. Dabei wird die Bedeutung des schnellen Internets immer wichtiger.

IHK will koordiniertes und kooperativeres Vorgehen in Sachen Breitband als bislang

„Zahlreiche routinierte Geschäftstätigkeiten laufen zum Beispiel verstärkt über die Cloud. Und es verschieben sich nicht erst mit der Corona-Krise die Bedarfe Richtung Homeoffice, sondern auch immer stärker zu mobilen Anwendungen wie Apps etwa für Warteschlangen oder Ticketing. Gleichzeitig wird sich die Stadt in ihren Alltagsroutinen immer stärker vernetzen und das nicht nur im Zuge des autonomen Fahrens“, so IHK-Geschäftsführer Nolte.

Jeder zusätzliche gigabitfähige Anschluss in Berlin sei daher ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig könnten Erfolge beim flächendeckenden gigabitfähigen Breitbandausbau nicht nur allein durch einen Netzbetreiber erzielt werden. „Es bedarf viel mehr einer durch das Land Berlin moderierten Ausbaustrategie, damit kurzfristig Orte mit dringenden Ausbauerfordernisse identifiziert werden und eine Diskussion sowie Planung stattfinden kann“, sagte Nolte. Nur in einem koordinierten und kooperativen Vorgehen könne Berlin nachhaltig den zukunftsentscheidenden Sprung hin zur „Gigabit-City“ schaffen.

Wirtschaftsverwaltung: Gigabitstrategie soll 2021 kommen

Die Wirtschaftsverwaltung verwies auf Anfrage auf das bereits vor zwei Jahren eingerichtete Breitband-Kompetenz-Team und auf das ein Jahr später aufgesetzte Berliner Breitband Portal, auf dem Unternehmen Ausbaubedarfe eintragen können. „Diese Aktivitäten sollen 2021 um eine übergeordnete Gigabitstrategie für Berlin ergänzt werden, die sich zurzeit in der Vorbereitung befindet“, sagte ein Sprecher von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Dienstag. Die Rahmenbedingungen des Breitbandausbaus sollten so optimiert werden, die „Aktivitäten von Wirtschaft und Land“ dank „Zielbild“ abgestimmt werden.

Den Abschluss der Aufrüstung der Kabelnetze von Vodafone bezeichnete der Sprecher als „einen wichtigen und guten Beitrag und Meilenstein für Berlin“. Perspektivisch sei aber ein weitergehender Ausbau der Glasfaserschließung hin bis zum Endkunden durch alle am Berliner Markt agierenden Telekommunikations- Anbieter notwendig und wünschenswert.

Bitkom: Genehmigungsverfahren vereinfachen, Behörden digitalisieren

Laut dem Digitalverband Bitkom sei Berlin im bundesweiten Vergleich bereits überdurchschnittlich gut mit schnellem Internet versorgt. Den größten Nachholbedarf gebe es im ländlichen Raum. „Insgesamt brauchen wir aber mehr Tempo beim Glasfaserausbau“, sagte der Leiter Infrastruktur und Regulierung im Bitkom, Nick Kriegeskotte. Vor allem die Genehmigungsverfahren im Ausbau müssten vereinfacht und beschleunigt werden. In den zuständigen Behörden fehle es zudem häufig an digitalen Prozessen, um Anträge zügig zu bearbeiten. Der gesamte Genehmigungsprozess müsse deshalb entbürokratisiert werden.

Als einen weiteren Flaschenhals bezeichnete er fehlende Baukapazitäten. „Wer Glasfaser verlegen kann, arbeitet zurzeit am Anschlag“, so Kriegeskotte. Um schneller als bisher bauen zu können, brauche es deshalb neue Bauverfahren, bei denen nicht mehr der klassische Graben ausgehoben werden müsse.