Verbraucherschutz

Foodwatch kritisiert Hygiene-System für Berliner Gaststätten

Verbraucherschutzsenator Behrendt will mehr Transparenz für Kunden von Gaststätten. Foodwatch sieht jedoch "gravierende Schwächen".

Mit diesem Aufkleber hatte der Bezirk Pankow vor Jahren saubere Betriebe gekennzeichnet.

Mit diesem Aufkleber hatte der Bezirk Pankow vor Jahren saubere Betriebe gekennzeichnet.

Foto: Michael Brunner

Berlin. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hält die Pläne von Senator Dirk Behrendt (Grüne) für ein „Transparenzbarometer“ zur Hygiene in der Berliner Gastronomie für unausgegoren. Es sei zwar gut, dass Berlin als erstes Bundesland eine Rechtsgrundlage für die Veröffentlichung amtlicher Lebensmittelkontrollergebnisse im Internet und an den Ladentüren schaffen wolle, um die Hygienezustände zu verbessern, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Für den Gesetzentwurf von Senator Behrendt gilt jedoch: Anliegen gut, Umsetzung mangelhaft.“

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Das Transparenzbarometer etwa für Restaurants, Cafés, Kantinen und Bäcker ist als Farbstrahl gedacht, bei dem mit einem Pfeil markiert wird, wie die Lebensmittelkontrolleure den Betrieb von Grün für gut über Gelb für mittel bis Rot für schlecht einstufen. „Wir wollen für die Gäste und die Kunden Transparenz schaffen“, sagte Behrendt jüngst in der Berliner Morgenpost.

Seine Verwaltung hat einen entsprechenden Gesetzentwurf geschrieben und stimmt ihn gerade mit Branchenverbänden, Verbraucherschützern und anderen Beteiligten ab. In Berlin hatten sich SPD, Linke und Grüne sich schon zu Beginn der Legislaturperiode verständigt, ein System für mehr Transparenz bei der Hygiene in der Lebensmittelbranche zu schaffen.

Hygienemängel können zu leicht kaschiert werden

Der Entwurf weise indes „gravierende Schwächen“ auf, kritisierte Rücker. Sollte er nicht grundlegend verbessert werden, sei das Gesetz sogar kontraproduktiv für den Verbraucherschutz. „Mit dem Transparenzbarometer wäre es für Betriebe geradezu grotesk einfach, selbst mit gravierenden Hygienemängeln eine positive, grüne Bewertung zu erhalten“, bemängelte Rücker.

„Bekämen sie doch einmal eine gelbe oder rote Kennzeichnung, wäre es ein Leichtes, diese niemals an der Ladentür auszuhängen - und nach kürzester Zeit wäre sie ohnehin zugunsten einer neuen, positiven Kennzeichnung verschwunden“, sagte er weiter und verwies auf die geplante Möglichkeit für die Betriebe, sich binnen acht Wochen einem neuen Test zu unterziehen.

Berlins Verbraucherschutzsenator habe ein Modell entwickelt, dass nahezu alle Betriebe grün kennzeichnen würde, ohne dass diese sich dafür verbessern müssten. „Damit würde das Transparenz- zum Intransparenzbarometer, das Hygienemängel kaschiert, anstatt den Betrieben die dringend benötigten Anreize zur Verbesserung zu geben“, kritisierte Rücker.