Corona-Pandemie

Sorge vor erneutem Lockdown wächst

In Europa steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen rapide an. Die Bundeswehr soll in Deutschland mehr helfen.

Merkel ruft Bundesbürger angesichts hoher Corona-Zahlen zum Zuhausebleiben auf

In einem eindringlichen Appell hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bundesbürger zur Einschränkung ihrer Kontakte und zum Verzicht auf Reisen aufgerufen. "Treffen Sie sich mit deutlich weniger Menschen, ob außerhalb oder zu Hause", sagte Merkel angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Wegen europaweit ansteigender Corona-Infektionen wächst vielerorts die Sorge vor einem erneuten Lockdown. In Frankreich besteht seit diesem Wochenende bereits eine Ausgangssperre ab 21 Uhr, Geschäftsinhaber und Gastronomen müssen ihre Läden schließen. In Großbritannien wird ein Lockdown während der Herbst- oder Weihnachtsferien diskutiert, um die Schäden für die Wirtschaft in Grenzen zu halten. In der Schweiz, in Belgien und Irland gelten ab diesem Montag ebenfalls verschärfte Corona-Regeln. Und auch in Deutschland befürchten Experten härtere Konsequenzen, sollten die Infektionszahlen weiter steigen.

Nur die Bevölkerung kann nach Einschätzung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach einen erneuten Lockdown noch abwenden. „Es wird darauf ankommen, wie sich die Bevölkerung verhält. Das ist wichtiger als einzelne Maßnahmen“, sagte Lauterbach der Berliner Morgenpost. Viele staatliche Corona-Auflagen ließen sich ohnehin schwer überprüfen. Die Frage sei, ob es gelinge, einen ausreichend großen Teil der Bevölkerung davon zu überzeugen, die Kontakte einzuschränken.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Corona-Hotspots: Die 7-Tage-Inzidenz liegt in mehreren Bezirken und für ganz Berlin über dem kritischen Wert von 50. Hier erfahren Sie täglich die aktuellen Werte des RKI und der Senatsgesundheitsverwaltung. Einen Überblick über alle Corona-Risikogebiete in Deutschland bekommen Sie hier. Diese Regeln gelten für Corona-Hotspots in Deutschland. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet.

Wenn es nicht gelinge, das exponentielle Wachstum zu bremsen, „steigen die täglichen Fallzahlen innerhalb kürzester Zeit so stark an, dass die Kliniken und Gesundheitsämter überlaufen werden. Dann kommen lokale Shutdowns“, warnte Lauterbach. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor an die Deutschen appelliert, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten und die persönlichen Kontakte auf das Nötigste zu reduzieren, um eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu verhindern. Zur Unterstützung der Gesundheitsämter forderte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) einen verstärkten Einsatz der Bundeswehr.

Die Zahlen in Deutschland hatten am Sonnabend mit 7839 neuen Corona-Infektionen zum dritten Mal in Folge einen Rekordwert erreicht. Am Sonntag lag die Zahl darunter. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab den Wert mit 5587 an. An den Wochenenden ist die Zahl der registrierten Neuinfektionen meist niedriger, weil nicht alle Gesundheitsämter die Daten an das RKI übermitteln.

Bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten zeichnet sich ebenfalls ein Anstieg ab. Laut RKI-Lagebericht liegen derzeit 690 Infizierte auf Intensivstationen, 341 davon werden beatmet. Eine Woche zuvor hatte der Wert noch bei 487 (239 beatmet) gelegen. Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, warnte vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen vor Todesfällen durch Personalmangel in Kliniken. „Es gibt schon lange Untersuchungen, dass die Zahl der zur Verfügung stehen Fachkräfte eine direkte Auswirkung hat auf die Komplikationsrate und die Zahl der Todesfälle“, sagte Westerfellhaus der Berliner Morgenpost.

Der Berliner Senat berät derzeit über verschärfte Corona-Regeln, die am Dienstag beschlossen werden sollen. Dazu gehört eine Ausweitung des Kontaktverbots. Künftig sollen sich nur noch bis zu fünf Personen oder Personen aus zwei Haushalten außerhalb der Wohnung zusammen aufhalten dürfen. Bislang gilt das nur zwischen 23 Uhr und 6 Uhr. Gleichzeitig will der Senat den Weg für Weihnachtsmärkte frei machen. Dazu soll ebenfalls ein eigenes Konzept beschlossen werden, das Zugangskontrollen und größere Abstände zwischen den Ständen vorsieht. Die Standgebühren sollen den Schaustellern nach Möglichkeit erlassen werden.

Dagegen sind nach einem Monat im Lockdown in Israel erste Lockerungen in Kraft getreten. Kinder im Alter bis zu sechs Jahren dürfen wieder in Kindergärten und Vorschulen, Einrichtungen ohne Publikumsverkehr ihre Arbeit wieder aufnehmen. Auch in der australischen Stadt Melbourne ist der Lockdown nach einem Rückgang der Infektionen gelockert worden. Die Bewohner können ihr Zuhause für Bildung und Freizeit so lange verlassen, wie sie wollen, der Bewegungsradius wurde von fünf auf 25 Kilometer ausgeweitet.