Flughafen TXL

23 Tage bis zur TXL-Schließung: Abschied mit bestem Blick

#DankeTXL: Ein letzter Besuch auf der Aussichtsplattform des Flughafens Tegel ist bis zum 7. November noch möglich.

Denise Gruner und Holger Seeger machen Abschiedsfotos auf der Besucherterrasse am Flughafen Tegel.

Denise Gruner und Holger Seeger machen Abschiedsfotos auf der Besucherterrasse am Flughafen Tegel.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin.  Jacke ausziehen, Hosentaschen leeren, Gürtel aus den Schlaufen ziehen, Armbanduhr abnehmen, alles in eine genormte graue Kiste legen und schließlich auf das Piepen der Sicherheitsschleuse warten. „Ist ja wie beim Einsteigen in ein Flugzeug“, murmelt ein Mann hinter seiner Atemschutzmaske. „Und nachher warten wir eineinhalb Stunden auf unsere Koffer“, witzelt seine Frau. Das Paar aus Zehlendorf, Renate und Horst Brunner, möchten an diesem grauen Herbsttag von der Aussichtsplattform aus Abschied vom Flughafen Tegel nehmen.

Doch vor dem Besuch stehen ähnlich strenge Kontrollen wie beim Einstieg ins Flugzeug an. Mit etwa zwei Dutzend anderen Besuchern läuft das Ehepaar Brunner aber wenige Minuten später gemächlich auf dem Dach des weltberühmten sechseckigen Hauptgebäudes entlang. Feiner Nieselregen mischt sich um die Mittagszeit mit dem Kerosingeruch der von den wenigen verbliebenen Maschinen herüberweht sowie den vielen privaten Erinnerungen, von denen einige Besucher berichten.

Flughafen Tegel: Hier sind viele Tränen geflossen

„Nahezu alle unsere Urlaube in den vergangenen 25 Jahren haben hier begonnen und auch geendet“, sagen Renate und Horst Brunner. „Hier sind viele Abschieds- und Freudentränen geflossen.“ Dass Corona nun einen Strich durch ihre Urlaubspläne gemacht hat und damit auch Start und Landung in Tegel stimmt das Rentnerpaar traurig. „Das hatten wir uns anders vorgestellt“, erzählen sie. „Dann hoffen wir mal auf eine Flugreise im kommenden Sommer. Auf den BER sind wir beide schon gespannt.“

Der Besuch auf der Aussichtsplattform ist für Andreas Kaiser und Tochter Fiona ein Programmpunkt in den Herbstferien. „Mich stimmt es traurig, dass ein Flughafen in so zentraler Lage geschlossen wird“, sagt Andreas Kaiser und ergänzt: „Ich muss ehrlich gestehen, dass ich noch nie geflogen bin“, sagt der Familienvater. „Meine Frau will nicht unbedingt fliegen und irgendwie hat es sich dann nie ergeben.“ Ganz anders ist das bei der siebenjährigen Isabella. „Ich bin aber schon von Tegel nach Mallorca geflogen“, ruft die Schülerin dazwischen. Mit ihrer Freundin Fiona sieht sie den wenigen Flugzeugen zu, die kurz nach dem Start im grauen Herbsthimmel verschwinden.

Geschichte des Flughafen Tegel auf Schautafeln

Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, die Jacke bis unter das Kinn geschlossen, trotzt Tim Schneider Wind und Nieselregen. Dabei hält er schützend seine Hand vor das Objektiv seiner Kamera. „Ich bin ein Fan von Flugzeugen und Flughäfen“, sagt der 16 Jahre alte Hamburger. „Ich bin heute Vormittag mit der Bahn nach Berlin gekommen und wollte noch ein paar Fotos machen. Das Wetter ist leider sehr ungünstig.“ Als Highlight konnte er noch Fotos einer A319 der Luftwaffe machen. Emotional verbinde ihn nichts mit Tegel, er bedauere aber die Entscheidung der Schließung. „Da kann man nur auf eine gute Nachnutzung hoffen.“ Bis sein Zug zurück nach Hamburg fährt, sieht er sich die Schautafeln auf dem Dach an. In Wort und Bild können sich Besucher über die Geschichte des Flughafens informieren. Dazu bleibt viel Zeit, denn Starts, Landungen und das Geschehen auf dem Vorfeld sind aufgrund der Pandemie-Beschränkungen sehr überschaubar.

Erinnerungsfotos mit passendem Rahmen

Anziehungspunkt auf der Dachterrasse sind die sogenannten „Selfie-Spots“. Auf weißen Würfeln stehen sechseckige rote Rahmen mit dem Schriftzug #DankeTXL für ein Erinnerungsfoto direkt vom Flughafen Tegel bereit. Besucher können sich fotografieren lassen und ihren privaten Dank nebst Porträtfoto in den sozialen Medien teilen. „Wir hatten uns für den Probebetrieb am BER beworben und standen auch auf der Warteliste“, erzählt Denise Gruner, während sie sich hinter dem Rahmen in Position bringt. „Hat aber nicht geklappt, und wir besuchen Tegel ein letztes Mal.“ Gemeinsam mit Freund Holger ist sie aus Hellersdorf zum Flughafen gekommen. „Wir haben Urlaub, können aber nicht verreisen“, sagt der 34-Jährige. „Jetzt nehmen wir Abschied und dann gehen wir shoppen.“

Besuch auf der Aussichtsterrasse nicht länger als eine Stunde

Über viele Jahrzehnte diente das Dach auch als Anlaufstelle für Schaulustige, wenn sich prominenter Besuch in Berlin angesagt hatte. So sorgte beispielsweise die deutsche Fußballnationalmannschaft 2014 mit dem Weltmeistertitel im Gepäck für eine volle Terrasse. Übervoll war es auch 1995, als die Concorde der Air France in Tegel gelandet war.

Derart viele Besucher werden sich auf dem Dach jedoch nicht mehr versammeln können. Dafür sorgt Corona. Aufgrund der aktuell geltenden Hygiene- und Abstandsregeln ist jeweils nur eine begrenzte Anzahl an Personen gleichzeitig auf der Terrasse zugelassen. In der Zeit von 11 bis 20.30 Uhr können täglich etwa 900 Personen auf die Besucherterrasse. Die Besuchszeit beträgt pro Person eine Stunde. Interessierte müssen daher vorab ein Ticket für sich und bis zu vier weitere Personen buchen. Reservieren kann man die kostenlosen Zeittickets für die TXL-Terrasse online unter: www.danketegel.berlin

"Danke, Tegel!"

Die Berliner Morgenpost hat ein Sonder-Magazin herausgebracht, das sich ganz dem Flughafen Tegel widmet. Auf mehr als 100 Seiten zeigen wir die schönsten Bilder aus der Geschichte des Flughafens, bieten spannende Interviews mit Architekten, Piloten und Prominenten. Berlinerinnen und Berliner erzählen von den schönsten und skurrilsten Begebenheiten, die sie in Tegel erlebten. Der Preis liegt bei 8,90 Euro. Das Tegel-Magazin ist erhältlich im Handel und im Morgenpost-Shop unter: shop.morgenpost.de

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