Fluighafen TXL

25 Tage bis zur Schließung von Tegel

Der Countdown zur Schließung von Tegel läuft. Warum der Abschied von diesem Flughafen in Berlin so schwerfällt.

Die Tage in Tegel sind gezählt.

Die Tage in Tegel sind gezählt.

Foto: John Macdougall/afp

Berlin. Früher, in den vergangenen Jahren habe ich mich gefreut, wenn in Tegel nicht so viel los war. Wenn der Bus zum TXL nicht überfüllt war, wenn man sich nicht mit vielen anderen Menschen durch die Gänge zum Check-in drängeln musste, wenn die Schlangen vor den Sicherheitskontrollen nicht so lang waren.

Heute blutet einem das Herz: Als ich jetzt, in diesen Corona-Zeiten, zum Flughafen Tegel kam, um noch einmal von Berlin nach Frankfurt/Main zu fliegen, da wurde mir der Abschied noch schwerer. Es ist so leer, nur wenige Passagiere sind zu den Gates unterwegs. Die Tür zum Gate A01 ist eine gute Stunde vor Boarding-Beginn noch geschlossen, die Sicherheitskontrolle hat an diesem Tag noch nicht begonnen. Weil so wenige Menschen derzeit fliegen wollen, weil der Flugverkehr von Berlin aus nahezu zum Erliegen gekommen ist. In Vor-Corona-Zeiten flog die Lufthansa morgens und abends im Halb-Stunden-Takt direkt nach Frankfurt, derzeit heben noch sieben Maschinen pro Tag ab. Und auch die sind nicht immer ausgebucht.

Am 8. November startet und landet die letzte Maschine

Dabei wünschte man dem Flughafen Tegel, der in 25 Tagen, am 8. November endgültig schließen wird, doch einen tollen Abschied. Viele letzte Flüge und viele Berliner und Touristen, die noch einmal die Chance haben, diesen außergewöhnlichen Flughafen zu erleben.

1948 wurde Tegel gebaut, zunächst für die Luftbrücke während der sowjetischen Blockade West-Berlins, dann wurde er als zweiter Flughafen neben Tempelhof gebraucht und in den Jahren nach dem Mauerbau rasch ausgebaut. Markant das sechseckige Hauptterminal, nach den Plänen des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner errichtet, das den Flugpassagieren so kurze Wege ermöglichte – von der Bushaltestelle, vom Taxihalteplatz oder von einem der Parkplätze bis zum Gate. Einzigartig für einen Flughafen in einer Großstadt.

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Doch nach so vielen Jahren ist jetzt Schluss. Am 31. Oktober wird der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnen, eine Woche später dann der Flugverkehr in Tegel eingestellt. Am 8. November wird eine Air-France-Maschine als letzte von TXL starten, nach Paris fliegen – und abends noch einmal nach Tegel zurückkehren. Air France, weil diese Fluggesellschaft am 2. Januar 1960 den ersten regelmäßigen Linienflug nach Tegel aufgenommen hatte.

Ich nehme jetzt schon Abschied von Tegel. Es ist der zweite Flughafen in Berlin, dessen Schließung ich miterlebe – nach Tempelhof, wo meine Eltern mit meinen Geschwistern und mir Anfang der 1970er-Jahre bei unserem allerersten Flug nach West-Berlin ankamen. Von Tegel aus bin ich das erste Mal ins Ausland geflogen, wer hätte gedacht, dass einem ein Airport ans Herz wachsen kann. Vor meinem letzten Flug mache ich noch Fotos. Von Menschen mit Masken in leeren Gängen, markanten Wegweisern und vom Tower. Zeit, sich zu verabschieden.

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