Tarifverhandlungen

Elektroindustrie steht vor schwierigen Tarifverhandlungen

Während die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie vor Arbeitsplatzverlusten warnt, macht sich die IG Metall für Gespräche warm.

2018 kam es zum Warnstreik bei Mahle Filtersysteme in Wustermark (Archivbild).

2018 kam es zum Warnstreik bei Mahle Filtersysteme in Wustermark (Archivbild).

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin/Potsdam. BMW und Siemens in Spandau, Otis in Tegel, Bombardier in Hennigsdorf oder Mahle in Wustermark: Die Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg ist gar nicht so klein, wie man gemeinhin denken mag. Rund 110.000 Menschen verdienen in der Branche ihr Geld – davon knapp 60.000 in der Hauptstadt und 50.000 im Umland. Und in Zeiten von Auftragsrückgängen und Umsatzeinbußen steht nun die nächste Tarifrunde an.

Bis Mitte November will sich die Gewerkschaft IG Metall intern auf einen Forderungskatalog einigen und diesen am 26. November verkünden. Voraussichtlich im Dezember wird dann verhandelt. Die internen Diskussionen innerhalb der Gewerkschaft beginnen bereits diesen Donnerstag.

Siemens-Personalchef sieht keinen Spielraum beim Geld

Stefan Moschko, Personalchef bei Siemens, blickt mit Sorgen auf die anstehende Tarifrunde. Als Vorsitzender des Mitgliederrats beim Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg (VME) wird er für die Arbeitgeber am Verhandlungstisch sitzen. Die Aufträge seien im ersten Halbjahr in Berlin um zehn und in Brandenburg sogar um 22 Prozent zurückgegangen. „Die Krise hat ja nicht erst mit Corona begonnen“, sagt Moschko und verweist auf die Umwälzungen in der Autoindustrie seit 2019, die sich auch auf die Zulieferer auswirke. „Die Pandemie war wie ein Brandverstärker.“

Klar sei, dass man nicht in kurzer Zeit aus dieser Krise herauskommen werde, so der Arbeitgebervertreter weiter. Beim Geld sehe er überhaupt keine Spielräume. „Es gibt einfach nichts zu verteilen.“ Grabenkämpfe und Knalleffekte seien Rituale vergangener Jahre. Dafür sei die Lage jetzt zu ernst. „Mein Wunsch wäre, dass wir gemeinsam überlegen, wie wir aus der Krise herauskommen und wie wir die Transformation ins digitale Zeitalter schaffen“, so Moschko.

Die wirtschaftliche Beurteilung der Lage teile auch die Gewerkschaft, die ebenfalls am Erhalt von Arbeitsplätzen und einem gelungenen Strukturwandel interessiert sei, sagt Moschko. Darüber zu reden müsse wesentlicher Bestandteil der Tarifrunde sein. Dem stimmt Birgit Dietze, Bezirksleiterin der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen, zwar in Grundzügen zu. Dass Pandemie und Strukturwandel zusammengefallen seien, „führt in einigen Branchen zu besonderen Herausforderungen“. Das Bild sei aber differenzierter. Denn während die Lage in einigen Bereichen angespannter geworden sei, brumme es in anderen. „Hoffnung macht, dass die ersten Institute mit einer Erholung im Laufe des kommenden Jahres rechnen.“

Jahresgehalt liegt im Durchschnitt bei 60.000 Euro

Man habe im laufenden Jahr bereits sehr zurückhaltend agiert, sagt Dietze weiter. „Die letzte Entgelterhöhung fand im April 2018 statt.“ Was man jetzt fordere, werde man in den Tarifkommissionen beraten. Der VME beziffert den durchschnittlichen Jahreslohn einer Fachkraft in der Branche aktuell auf 60.000 Euro. „Das Geld muss auch erwirtschaftet werden“, sagt Moschko. Laut IG Metall liegt das Einstiegsgehalt derzeit bei 40.560 Euro.

IG-Metall-Deutschlandchef Jörg Hofmann hatte bereits vor wenigen Monaten eine Vier-Tage-Woche für die Branche vorgeschlagen. Das sei ein kluger Vorschlag zur Beschäftigungssicherung, sagt auch Bezirksleiterin Dietze. „In der Zukunft wird es immer mehr um das Halten guter Fachkräfte gehen.“ Die Idee sei, den Vorschlag mit einem Teilentgeltausgleich zu verbinden. „Die 4-Tage-Woche führt zu weniger Pendelverkehr und trägt so auch ökologisch zu einem wichtigen gesellschaftlichen Anspruch bei“, so Dietze.