Soziale Medien

Gewerkschaft fordert härtere Regeln für Polizei-Influencer

Polizistinnen und Polizisten präsentieren sich im Internet – das sorgt für Kritik. Nun fordern Experten neue Richtlinien.

Die Polizei unterhält einen offiziellen Instagram-Account. Manche Beamte posten aber auch sehr private Fotos.

Die Polizei unterhält einen offiziellen Instagram-Account. Manche Beamte posten aber auch sehr private Fotos.

Foto: Instagram Polizei Berlin

Berlin. Ein Polizist, der eigentlich zum Mobilen Einsatzkommando (MEK) möchte und allerhand von sich im Internet preisgibt? Eine Polizistin, die tagsüber Verbrecher jagt und sich dann auf Instagram im Bikini präsentiert? Ein Polizist, der seine Leidenschaft für Kampfsport in den sozialen Netzwerken zeigt und im Einsatz in eine Schlägerei verwickelt wird? Geht es nach der Gewerkschaft der Polizei (GdP) dürfte es solche Fälle gar nicht geben. In einem vierseitigen Positionspapier, das der Berliner Morgenpost vorliegt, fordert die Gewerkschaft nun härtere Regeln für Beamte, die sich privat im Internet präsentieren.

„Wir haben uns in den letzten Monaten intensiv mit den positiven, aber eben auch den negativen Aspekten beschäftigt“, heißt es in dem Papier. Man habe dabei festgestellt, dass es klare Regularien geben müsse und die Leitlinien der Polizei Berlin das nur oberflächlich bieten würden, schreibt Norman Back, Landesjugendvorsitzender der GdP. Das Positionspapier wurde an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) erarbeitet und soll als Ergänzung zu den Richtlinien der Behörde gelten. Laut GdP müsse klar geregelt werden, was gezeigt werden dürfe und was nicht. Das sei im Moment nicht der Fall. „Wir müssen schon festhalten, dass in der Berliner Polizei noch zu wenig sensibilisiert wird und selbst die Kolleginnen und Kollegen mit Zehntausenden Followern gar nicht richtig wissen, was sie dürfen und was nicht“, so Back weiter.

Im Alltag kommt es zu absurden Situationen

Das Problem ist bei der Sicherheitsbehörde bekannt. Die Polizeiführung hatte eine Studie „Sonderprüfung Influencer“ in Auftrag gegeben. Intern war man zu dem Entschluss gekommen, dass eine stärkere Regulierung für notwendig erachtet werde. Ein Polizist sagte der Berliner Morgenpost, dass es im Alltag derzeit zu absurden Situationen komme. So würden sich Beamte etwa offen im Internet präsentieren. Wenn Medien darauf aufmerksam werden und Fragen stellen, werden die an die Pressestelle verwiesen, weil die Beamten sich nicht äußern dürfen.

In der Behörde gibt es aber auch andere Meinungen. So sind die Befürworter einer starken Präsenz in den sozialen Medien etwa der Meinung, dass man Beamten, die im Alltag eine Waffe tragen, durchaus zutrauen könne, verantwortungsbewusst ein Profil bei den gängigen Internetplattformen wie Facebook, Instagram, Twitter oder Tik Tok zu nutzen.

Bei der Berliner Polizei arbeiten gleich mehrere Polizistinnen und Polizisten, denen Zehntausende Menschen im Internet folgen. „Melos.Vanellope“, alias Methap Öger, hat mehr als 37.000 Fans auf Instagram. Lana.glam hat bei Instagram mehr als 63.000 Follower. Auf dem privaten Profil kann man Bilder von der Arbeit und im Bikini am Meer sehen.

Die GdP Berlin fordert in ihrem Positionspapier nun, dass die Berliner Behörde den Weg Niedersachsens einschlagen solle. Dort gibt es bis auf die sublokale Ebene von der Polizei legitimierte Profile, die „Polizei-Inhalte“ posten. Was für Inhalte das sein können, ist klar geregelt. Eine Mischung aus Bikini-Fotos und dienstlichen Bildern von der Arbeit würde mit diesen Profilen nicht gehen.

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