Verkehr

Am BER stehen unterschiedliche Taxi-Tarife bevor

Was Reisende für die Beförderung zahlen, hängt künftig davon ab, in welches Fahrzeug sie am Hauptstadtflughafen in Schönefeld steigen.

Noch sind nicht alle Details für Taxis am BER geregelt. Möglich ist auch, dass Berliner Fahrer gegen die getroffene Einigung klagen.

Noch sind nicht alle Details für Taxis am BER geregelt. Möglich ist auch, dass Berliner Fahrer gegen die getroffene Einigung klagen.

Foto: Monika Skolimowska / dpa-tmn

Berlin. Wie viel Reisende zahlen müssen, wenn sie am neuen Hauptstadtflughafen BER ein Taxi nehmen, hängt nicht nur davon ab, wohin sie wollen. Auch in welches Fahrzeug sie sich setzen, wird vorerst entscheidend sein.

Zwar haben Berlin und der Landkreis Dahme-Spreewald sich Mitte September auf eine Regelung für das Laderecht Berliner Taxis am BER geeinigt, die am Freitag auch im Amtsblatt des Landes Berlin veröffentlicht wurde. Keine Übereinkunft besteht bislang allerdings zu einem gemeinsamen Flughafentarif für die Fahrzeuge aus den verschiedenen Bundesländern, die künftig gleichberechtigt am neuen Hauptstadtflughafen Gäste laden werden.

Während Berliner Taxis laut Verordnung den Berliner Tarif nutzen, müssen ihre Kollegen aus dem Landkreis Dahme-Spreewald die dortigen Entgelte anwenden.

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Taxis am BER: Unterschiedliche Tarifhöhe ist „absurd“

Für Unverständnis sorgt das bei SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf. „Es ist sehr begrüßenswert, dass diese Einigung bezüglich der Laderechte im September zustande kam. Und dennoch gibt es Punkte, die ich kritisch sehe.“ Besonders die unterschiedliche Tarifhöhe sei „absurd und gehöre unverzüglich abgeschafft“, so Schopf.

Die von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) geführte Senatsverkehrsverwaltung verteidigt ihr Vorgehen in dieser Sache. Bis zum Betriebsstart am BER sei es „aus verfahrenstechnischen Gründen nicht möglich“, einen einheitlichen Tarif zu schaffen, heißt es in der Antwort auf eine schriftliche Anfrage von Schopf, die der Berliner Morgenpost vorliegt.

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Zunächst hätte überhaupt einmal geklärt werden müssen, dass Berliner Taxis am BER Fahrgäste laden dürfen. „Auf dieser Basis gilt es jetzt, die Einzelheiten eines Flughafentarifs mit dem Landkreis und den Vertretungen des Taxigewerbes abzustimmen“, heißt es aus Günthers Haus. Erst nach diesen Runden aus Anhörungen und Verhandlungen werde es zu einem neuen Tarif kommen können. Auch dann werde es bis zur Einführung noch weiter dauern. „Schließlich kann die Änderung im Hinblick auf die erforderliche Eichung der Taxameter frühestens 14 Tage nach Veröffentlichung im Gesetz- und Verordnungsblatt in Kraft treten“, so die Senatsverkehrsverwaltung.

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Taxis am BER: Berliner Tarif auf kürzeren Strecken teurer

Der aktuelle Berliner Tarif ist gerade auf kürzeren Strecken teurer als die Entgelte im Landkreis. Auf längeren Strecken gleichen sich die Preise hingegen deutlich an. Wer vom BER etwa die rund 30 Kilometer lange Strecke nach Moabit mit dem Taxi fährt, zahlt nach Berliner Tarif 57,95 Euro, mit einem Taxi aus dem Landkreis würden die Kosten bei 56,10 Euro liegen.

Möglich ist allerdings, dass sich die Preise schon vor Einführung eines einheitlichen Flughafentarifs angleichen – zu Lasten der Fahrgäste. Denn Taxis aus dem Landkreis, die am Flughafen laden dürfen, haben künftig zusätzlich auch den Berliner Tarif einprogrammiert. Anders als bei ihren Berliner Kollegen gilt für sie allerdings nicht die Vorschrift, ein Fiskaltaxameter zu nutzen.

„Wenn man zwei Tarife in dem Taxameter hat, ist es bis zum Missbrauch nicht mehr weit“, befürchtet Leszek Nadolski, Vorsitzender der Berliner Taxi-Innung. Die Fahrer aus dem Landkreis würden schnell Listen machen, ab welcher Entfernung der jeweilige Tarif lukrativer sei. Mit einer strengen Kontrolle sei nicht zu rechnen, so Nadolski. Nötig seien daher auch in Brandenburg Fiskaltaxameter, so der Innungschef. Dies erschwere die Manipulation erheblich. Zuletzt hatte unter Berliner Taxifahrern die Regelung für Ärger gesorgt, dass künftig nur 300 Taxen aus der Hauptstadt am BER ein Laderecht erhalten.

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Verkehrsverwaltung hält niedrige Taxizahl für genug

Noch bis Montag können sich die Betriebe mit ihren insgesamt mehr als 7000 Fahrzeugen auf die begrenzten Konzessionen bewerben. Diese werden nach einer Auswahl Ende kommender Woche ein Jahr lang gültig sein. Aus Sicht der Berliner Taxi-Innung ist die Zahl viel zu gering. „Die Anwälte prüfen jetzt, ob man juristisch dagegen vorgehen kann“, sagte Nadolski am Freitag nach der Veröffentlichung der Regelung im Amtsblatt.

Für ausreichend hält die Verkehrsverwaltung den Wert. „Anders als der Flughafen Tegel verfügt der Flughafen Berlin-Brandenburg über eine sehr gute Anbindung des öffentlichen Personennahverkehrs mit der S-Bahn und dem Regionalverkehr“, heißt es auf die Frage von SPD-Politiker Schopf, warum sich die Zahl nicht an den rund 2600 Taxibetrieben in Berlin orientiert. So gehe der Landkreis Dahme-Spreewald davon aus, dass „im Normalfall lediglich 1100 Taxen benötigt werden“.

Wegen der coronabedingt stark gesunkenen Fluggastzahlen seien zunächst jedoch bereits insgesamt 600 Taxen ausreichend, die je zur Hälfte aus Berlin und dem Landkreis stammen sollen. Nadolski bemängelt, dass durch die nötige Entscheidung per Los der Taxibetrieb zum Glücksspiel werde. Er hält die getroffene Einigung für einen Fehler. „Der Preis, den wir dafür zahlen, ist zu hoch.“