Corona in Berlin

Högl bietet Friedrichshain-Kreuzberg Bundeswehr-Hilfe an

Im Bezirk Mitte kommen 70 weitere Soldaten zum Einsatz. Was sie in Charlottenburg-Wilmersdorf machen.

Bundeswehrsoldaten arbeiten im Corona-Behandlungszentrum in der Jafféstraße. Sie helfen dem Bezirk Mitte bei der Nachverfolgung von Infektionsketten.

Bundeswehrsoldaten arbeiten im Corona-Behandlungszentrum in der Jafféstraße. Sie helfen dem Bezirk Mitte bei der Nachverfolgung von Infektionsketten.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. Keine Betten, dafür Soldaten - das Corona-Behandlungszentrum ist vorerst zu einem Corona-Lagezentrum für Berlins Bezirk Mitte geworden. In dem Messegebäude an der Jafféstraße in Westend arbeiten seit Dienstag rund 50 Soldaten der Bundeswehr. Sie gehören zu den 180 Kräften, die berlinweit eingesetzt werden.

Der Senat hatte vergangene Woche entschieden, Hilfe von der Bundeswehr in Anspruch zu nehmen. Sie soll den Bezirken bei der Kontaktnachverfolgung helfen, die sich angesichts steigender Fallzahlen als immer schwieriger erweist. „Die Situation ist seit einigen Tagen absolut kritisch“, sagt Mittes Gesundheitsstadtrat Ephraim Gothe (SPD).

Bezirk Mitte gilt in manchen Bundesländern als Risikogebiet

Die Infektionszahlen in der Hauptstadt sind in den vergangenen Tagen nach oben geschnellt. In Neukölln stieg der Wert laut Gesundheitsverwaltung zuletzt auf 87,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen (Stand Montag) an. In drei weiteren Bezirken - Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Tempelhof-Schöneberg - liegt er teils weit über 50.

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Das ist der kritische Grenzwert, der in der Corona-Pandemie bei der Entscheidung über zusätzliche Infektionsschutzmaßnahmen eine wichtige Rolle spielt. Bundesländer wie Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein stufen die Bezirke deshalb als Risikogebiete ein.

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Aufgrund der steigenden Anzahl an Fällen komme das Personal des Gesundheitsamts in Mitte kaum noch mit dem Kontaktieren der Menschen hinterher, so Gothe. Man könne beispielsweise Schulleiter bei Bekanntwerden eines Falles nicht mehr am selben Tag über die Situation unterrichten. Und das obwohl Schulen „höchste Priorität“ hätten. „Wir wollen wieder tagesaktuell werden“, sagt Gothe. Daher hoffe er, dass die Bundeswehrsoldaten den Bezirk „retten“.

Sie sitzen nun bis Ende Oktober in dem Corona-Behandlungszentrum und telefonieren Kontaktlisten von Covid-Infizierten ab. Dann sollen sie in das ehemalige Moabiter Krankenhaus in der Turmstraße umziehen. Dort finden derzeit noch Umbauarbeiten statt.

Insgesamt 80 Soldaten helfen im Bezirk Mitte

Die 70 zusätzlichen Soldaten sind allerdings nicht die ersten im Bezirk Mitte. Seit einigen Monaten helfen bereits zehn Soldaten der Bundeswehr bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Mittes Amtsarzt Lukas Murajda zeigt sich bislang zufrieden mit der Zusammenarbeit. „Auf allen Ebenen hat die Arbeit schnell funktioniert“, sagt er.

Ein genaueres Bild machte sich die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl, am Dienstag im Corona-Behandlungszentrum. Sie ließ sich von Ephraim Gothe und Lukas Murajda erklären, wie die Soldaten arbeiten. Angesichts steigender Infektionszahlen sei es ein wichtiger Beitrag, den die Bundeswehr bei den Gesundheitsämtern und anderswo zur Bekämpfung der Pandemie leiste, so die SPD-Politikerin. „Wenn Kontakte konsequent nachverfolgt werden, haben wir eine Chance, die Infektionsketten zu durchbrechen.“

Doch nicht in jedem Bezirk ist die Hilfe von Soldaten willkommen. Friedrichshain-Kreuzberg lehnte das bislang ab. Die Bezirksverordneten hatten vergangene Woche zwei Anträge von SPD und CDU zur Zulassung der Bundeswehr abgelehnt. Die grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann plädierte vergangene Woche für mehr Gelassenheit. „Wir haben das Personal mit zivilen Kräften aufgestockt“, sagte sie.

Högl kann Entscheidung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg nicht nachvollziehen

Eva Högl bedauert die Entscheidung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, sich gegen die Hilfe von Bundeswehrsoldaten entschieden zu haben. „Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen“, sagte sie der Berliner Morgenpost am Dienstag. „Aber ich mische mich auch nicht in die Bezirkspolitik ein.“

Trotz ablehnender Haltung gegenüber der Hilfe der Bundeswehrsoldaten sei die Tür aber noch nicht geschlossen. Wenn der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sich doch noch für die Hilfe entscheiden sollte, „bekommen sie natürlich die Soldaten“, so Högl. Sie habe zwar nicht über eine Abstellung der Soldaten zu entscheiden, gehe aber „fest“ davon aus, dass auch Soldaten nach Friedrichshain-Kreuzberg geschickt werden. Sollte sich der Bezirk für einen Kurswechsel entscheiden, würde das sogar „begrüßt“ werden.