Corona

So trifft die Corona-Krise Berlins Reinigungsbranche

Die Reinigungsbranche ist stark von der Pandemie betroffen, wie der Geschäftsführer der Berliner Firma „Pinguin-Texilpflege“ erzählt.

Arnim Schneider von „Pinguin Textilpflege“ in Altglienicke.

Arnim Schneider von „Pinguin Textilpflege“ in Altglienicke.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. In Freizeitkleidung zuhause am Schreibtisch statt im Anzug ins Büro – dieses Phänomen der Corona-Pandemie dürfte Vielen bekannt vorkommen. Wer früher täglich auf ein faltenfreies Hemd und einen sauberen Anzug angewiesen war, muss sich jetzt lediglich für die Videokonferenzen schnell etwas Präsentables überwerfen, den Rest des Tages aber kann der Anzug im Schrank bleiben. Was Arbeitnehmern täglichen Aufwand spart, schadet jedoch einer anderen Wirtschaftsbranche: Landesweit verzeichnen Reinigungen und Wäschereien seit März große Umsatzverluste.

„Vor der Coronakrise haben wir am Tag 1000 Hemden gewaschen und gebügelt, im Lockdown waren es 400, heute sind wir täglich wieder bei 750 Hemden“, sagt Armin Schneider, Geschäftsführer von „Pinguin Textilpflege“. Er sitzt in seinem Büro in der Zentrale des Berliner Unternehmens in Altglienicke, wo sämtliche Wäsche von den vier Standorten ankommt, um dann gereinigt und gebügelt zu werden.

Zwei Filialen befinden sich an Verkehrsknotenpunkten in der Innenstadt, in den Bahnhöfen Alexanderplatz und Friedrichstraße, sodass Berufstätige ihre Kleidung auf dem Weg zur Arbeit einfach dort abgeben können. „Wenn die Menschen nun im Homeoffice arbeiten, kommen sie dort natürlich seltener vorbei“, so Schneider. „Das schadet unserem Unternehmen, denn wir leben von der Frequenz der Kundschaft.“

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet.

Alle Mitarbeiter zu 50 Prozent in Kurzarbeit

Als Reaktion auf die coronabedingten Umsatzverluste, welche anfangs bei insgesamt 60 Prozent und heute bei 30 Prozent liegen, hatten diese beiden Innenstadtfilialen zeitweise deutlich kürzer geöffnet. „Unsere anderen Geschäfte sind im Wohngebiet. Die konnten weitgehend so öffnen wie zuvor, denn die Leute waren ja alle zuhause und sind dann gezielt zu ihnen gekommen.“

Als andere Maßnahme gingen nahezu alle Mitarbeiter zu 50 Prozent in Kurzarbeit. „Und wir haben andere Aufträge angenommen. Etwa reinigen wir momentan viele Gardinen.“ In normalen Zeiten bestünde seine Kundschaft zu 70 Prozent aus Privatmenschen, die auch Festtagskleidung waschen ließe. „Das kam in den letzten Monaten natürlich selten vor, denn die meisten Feiern haben nicht stattgefunden“, so der 50-jährige.

Die verbleibenden 30 Prozent der Kundschaft seien Unternehmen, die ihre Berufsbekleidung bei ihm reinigen. „Glücklicherweise waschen wir nicht für Hotels. Während die geschlossen hatten, sah es für die kooperierenden Reinigungen schlecht aus“, sagt Schneider.

Umsatzeinbrüche bis zu 80 Prozent

Landesweit verzeichnet der Deutsche Textilreinigungs-Verband (DTV) seit Beginn des Lockdown Umsatzeinbrüche von bis zu 80 Prozent in Wäschereien und Reinigungen. Besonders hart traf es Betriebe, die für die Hotellerie und Gastronomie arbeiten: Über Wochen fielen Aufträge wie etwa die Reinigung von Tischdecken weg.

Unterstützung haben Bund und Länder zugesagt: Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten erhalten 15.000 Euro Zuschuss zu Betriebskosten für drei Monate, größere Unternehmen können Kredite aufnehmen. Der im Jahre 1964 gegründete Betrieb „Pinguin Textilpflege“ beschäftigt aktuell 24 Mitarbeiter. „Wir sind damit zu groß für die Förderungshilfen. Und Kredite möchten wir nicht aufnehmen – das ist wie in Restaurants: Wo keine Kunden kommen und essen, sollte man auch nicht in die Produktion investieren.“

Anders waschen als zuvor tue die Reinigung nicht. „Die Viren auf den Oberflächen werden mit der Zeit zersetzt, und unsere Maschinen machen die Textilien allgemein wieder hygienisch“, sagt Schneider. Das Unternehmen wird von der Europäischen Union gefördert, da es besonders umweltfreundliche Reinigungsverfahren verwendet.

Extrem flexible Mitarbeiter

Seine anfänglichen Umsatzeinbußen gehen laut Schneider immer weiter zurück. „Aber nicht so schnell wie erwartet. Und 20 Prozent werden dauerhaft bleiben, glaube ich. Für Viele hat sich die Arbeit im Homeoffice bewährt, Unternehmen werden in Zukunft stärker auf sie setzen.“

Neben dem erheblichen wirtschaftlichen Einschnitt habe das Virus zu flexibleren Arbeitsweisen bei „Pinguin Textilpflege“ geführt. „Als viele Mitarbeiter in Kurzarbeit waren, haben andere ihre Aufgabenbereiche spontan übernommen. Dass Jeder mal die Arbeit des anderen macht, soll so bleiben. Es steigert das Verständnis für die Kollegen und für das Gesamtbild der Firma. Die Krise konnten wir bis jetzt nur dank der großen Flexibilität unserer Mitarbeiter meistern.“