Kultur

Berliner Clubs fordern Finanzhilfe von der Bundesregierung

Künstler: Mehr Unterstützung und Anerkennung der Clubkultur ist notwendig. In Berlin gibt es am 3. Oktober einen „Tag der Clubkultur“.

Gehört zu den prominenten Unterstützern des Brandbriefs: Dr. Motte.

Gehört zu den prominenten Unterstützern des Brandbriefs: Dr. Motte.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Ein Raum voller Menschen, die zu lauter Techno-Musik tanzen – in Zeiten der Corona-Pandemie ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Bundesweit kämpft die deutsche Elektro- und Clubszene darum ums Überleben.

Zwischen 95 und 100 Prozent ihrer Einnahmen gingen laut „Booking United“, eine Berliner Interessengemeinschaft von Musik- und Kulturschaffenden, seit März verloren. Die Umsätze würden auch 2021 nicht auf das Vorkrisen-Niveau zurückkehren. Am Mittwoch veröffentlichte „Booking United“ deshalb einen offenen Brief an die Bundesregierung.

Zu den Schirmherren gehören prominente DJs wie Dr. Motte, Paul Kalkbrenner und Paul van Dyk. Gefordert wird in dem Brief eine finanzielle Unterstützung des Kultursektors, wie es sie in den Niederlanden und Großbritannien gebe. Dort hätten Soloselbstständige und betroffene Unternehmer Existenzgelder erhalten.

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Tag der Clubkultur am 3. Oktober soll Vielfalt betonen

Mit Sätzen wie „Wir haben Dr. Motte, der eine ganze Generation friedlich tanzend auf die Straße brachte“ wird verlangt, die deutsche Musikszene als wichtigen Teil der Kultur anzuerkennen. Weiter weisen die Künstler es von sich, dass in Clubs die Gefahr von Super-Spreader-Veranstaltungen besteht. „Professionelle Fürsorge“ verhindere dies.

Das Lebensgefühl Techno habe in Deutschland Generationen geprägt und dürfe in den „sowieso schon kulturell ausgelaugten Städten“ nicht untergehen. „Ignorieren Sie nicht ihre künftigen Wähler und ignorieren Sie nicht das, was wir geschaffen haben“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Ein Zeichen für die Bedeutung der Clubs soll auch der für den 3. Oktober unter dem Motto „Wir sind noch da!“ geplante „Tag der Clubkultur“ setzen. Initiator ist Kultursenator Klaus Lederer (Linke), der die „enorme Strahlkraft“ der Berliner Clubkultur unterstrich und diese als „wichtigen Motor für Kreativität und künstlerisches Schaffen“ bezeichnete. Der Aktionstag betone die „Vielfalt der Berliner Clubkultur, ihre soziokulturelle und künstlerische Bedeutung“.

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40 Clubs und Kollektive präsentieren sich mit „Showcases“

40 Clubs und Kollektive werden mit je 10.000 Euro für ihr Engagement in der Berliner Clubkultur ausgezeichnet und präsentieren sich unter den aktuellen Hygiene- und Sicherheitsauflagen an dem Tag mit „Showcases“. Die Clubkultur sei besonders hart getroffen von der Corona-Pandemie, denn sie wurde als erstes stillgelegt, und Veranstaltungen würden voraussichtlich mit als Letztes wieder normal stattfinden können, erklärte Lederer.

Die Clubs sehen sich angesichts steigender Infektionszahlen zu Unrecht als „Sündenbock“ abgestempelt. Das hatte Lutz Leichsenring vom Dachverband Clubcommission kürzlich deutlich gemacht: „Da wird alles in einen Topf geworfen.“ Das Clubleben findet ihm zufolge derzeit hauptsächlich in den Außenbereichen statt. Dort seien die Clubs die „striktesten Umsetzer“ der Hygienemaßnahmen.

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